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Traum Ferienimmobilie : Das zweite Zuhause am Meer

Nord- und Ostseeküste stehen auf der Beliebtheitsskala deutscher Ferienhauskäufer ganz oben. Bild: Thomas Linkel/laif

Früher waren Ferienhäuser Liebhaberei, heute gelten sie als lukrative Geldanlage. Der Aufwand allerdings ist groß und der Gewinn längst nicht sicher.

          In den kommenden Wochen ist es wieder so weit. Deutschland macht Urlaub, und das Ferienimmobiliengeschäft brummt, vielleicht sogar noch ein bisschen mehr als zuletzt ohnehin schon. Wie in jedem Jahr werden die Tage an den Küsten, Seen und in den Bergen für manche nicht ohne Folgen bleiben. Sie werden ihr Herz verlieren - an eine neue Gegend, eine andere Landschaft, ein fremdes Land - und davon träumen, wie es wohl wäre, an diesen oder jenen Ort zurückzukehren. Nicht als Fremder, sondern als Bewohner. Der eine malt sich aus, jenes Natursteinhaus aus dem Dornröschenschlaf zu erwecken, das so schön und still am Rand eines provenzalischen Dorfes liegt. Die andere imaginiert sich in einen jener adretten Neubauten, die gerade tausendfach an der Ostseeküste entstehen. In den Köpfen kreist dann die Frage, ob man nicht an seinem Sehnsuchtsort heimisch werden sollte - zumindest auf Zeit, für ein paar Wochen im Jahr, auf jeden Fall in den eigenen vier Wänden.

          Birgit Ochs

          Verantwortliche Redakteurin für „Wohnen“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          „Maison secondaire“ - zweites Zuhause - nennen die Franzosen ihre Ferienimmobilie, was viel emotionaler klingt als die deutschen Begriffe Ferienhaus oder auch Zweitwohnsitz, die stets daran erinnern, dass man sich im Ausnahmezustand namens Urlaub befindet. Anders das „zweite Zuhause“ - eröffnet es seinem Besitzer doch eine neue Dimension als Ort, an dem er einerseits er selbst und zugleich ein anderer ist, weil alles anders ist: der Tagesrhythmus, die Nachbarn, das Wetter. Im Alltag trägt man vielleicht Anzug oder Kostüm, dort Friesennerz und Shorts. Zu Hause in München geht nichts ohne Hightech-Geräte, im kleinen Stadthaus in Apulien wird lässig in der Sommerküche improvisiert. Oder umgekehrt: In der Berliner Altbauwohnung ist die Ausstattung in die Jahre gekommen, im uckermärkischen Landhaus dagegen auf der Höhe der Zeit.

          Es wird auch diesen Sommer wieder einige erwischen und auf einen schönen Urlaub ein Kauf der Liebe wegen folgen. Doch anders als vor ein paar Jahren noch gilt der Ferienhauserwerber seiner Umwelt nicht mehr automatisch als unvernünftiger Romantiker, der sich einen Klotz ans Bein bindet. Im Gegenteil. Seit geraumer Zeit stehen Ferienimmobilien im Ruf, nicht mehr nur reine Liebhaberei, sondern durchaus lukrative Anlageobjekte zu sein. Seit Mitte der neunziger Jahre registrieren Marktbeobachter ein steigendes Interesse, in solche Immobilien zu investieren. Doch während vor sechzehn Jahren nur knapp die Hälfte der Ferienimmobilieneigner erwog, ihre Urlaubsresidenz auch zu vermieten, sind es laut einer aktuellen Studie des Internet-Ferienhausvermieters Fewo-direkt und dem Makler Engel & Völkers mittlerweile fast 80 Prozent. Anders als in der Vergangenheit fällt das Motiv, aus Freude an der Gastfreundschaft zu vermieten und mit den Einnahmen die laufenden Kosten zu decken, längst nicht mehr so stark ins Gewicht. Zunehmend steht hinter dem Kauf Kalkül. „Jeder vierte Käufer einer Ferienimmobilie investiert als reine Kapitalanlage in ein Feriendomizil, jeder dritte möchte ganz gezielt Gewinn erwirtschaften“, sagt Fewo-Regionaldirektor Aye Helsig.

          Verwunderlich ist der Sinneswandel nicht. Ferien machen die Leute schließlich immer, warum nicht als Urlaubstraumerfüller daran verdienen? Zumal angesichts des niedrigen Zinsniveaus andere Anlagemöglichkeiten rar sind - und die Ferienhausanbieter mit hohen Gewinnaussichten locken.

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