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Sherpa am Mount Everest : Der Gipfel seines Lebens

Vor dem Gipfel: Edmund Hillary (links) und Tenzing Norgay an einem Ausrüstungs-Depot am Mount Everest Bild: Royal Geographical Society

Tashi Tenzing, der Enkel des Everest-Erstbesteigers Tenzing Norgay, will den Sherpas einen Weg in die Zukunft weisen – und sein Land aus der Rückständigkeit holen.

          6 Min.

          Das Bild ging um die Welt: Ein dick vermummter Mensch, das Gesicht hinter einer Maske verborgen, steht auf einem Schneehügel und reckt seinen Eispickel in die Luft. Ein simples Bild – aber ein historisches Dokument. Denn der Schneehügel, das war der höchste Punkt der Erde: der Gipfel des Mount Everest in Nepal, auf 8848 Meter Höhe.

          Bernd Steinle

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Der Mensch auf dem Bild war Tenzing Norgay, ein Sherpa – was vielen damals, am 29. Mai 1953, noch wenig sagte. Auch das änderte sich mit diesem Tag, an dem das Bild entstand. Tenzing Norgay hatte mit dem Neuseeländer Edmund Hillary als Erster den „dritten Pol“ erreicht, den Gipfel des Mount Everest. Und weil nur Hillary dort oben fotografierte und die Selfie-Sucht noch fern war, ist auf den Gipfelfotos, die es von diesem Tag gibt, immer nur einer zu sehen: Tenzing Norgay.

          Jahrzehntelang schwiegen sich die Erstbesteiger darüber aus, wer wirklich den ersten Fuß eines Menschen auf den höchsten Gipfel gesetzt hatte. Sie trotzten all den Nachfragen, hinter denen sich oft nationale Ruhmsucht verbarg, mit der die Bergsteiger selbst wenig anfangen konnten. 1993 gab Hillary das Geheimnis doch preis – er sei es gewesen, der den Gipfel zuerst erreicht habe.

          Leitfigur für viele Sherpas

          Tenzing Norgay war da längst ein Nationalheld. Er hatte Nepal und das Volk der Sherpas bekannt gemacht. Er hatte sich mit der Besteigung des Everest, der Chomolungma, wie die Sherpas den Berg nennen, auch persönlich einen Traum erfüllt. Doch auf das Ausmaß der Reaktionen war er nicht im Geringsten vorbereitet. Die Empfänge, Ehrungen, Interviews nahmen kein Ende, er traf den König von Nepal und die Königin von Großbritannien. Tenzing Norgay wurde ein Idol, seine Geschichte zum Vorbild. Er wurde eine Leitfigur für viele Sherpas. Auch für seinen Enkel.

          Ein Sommertag in Mandarfen am Ende des Pitztals. Tashi Tenzing ist für ein paar Tage nach Österreich gekommen, um mit einem Aufstieg auf die Wildspitze, den höchsten Berg Tirols, unter anderem für die Nepalhilfe Tirol zu werben. Tashi Tenzing, 51 Jahre alt, spricht exzellent Englisch, er hat in Indien studiert, lebte lange in Australien. Er hat ein Buch geschrieben, ist ein gewandter Vortragsredner, arbeitet als Bergführer im Himalaja und führt ein Unternehmen für Berg- und Wanderreisen. Es heißt: Tenzing Asian Holidays. „Es ist eine unglaubliche Verantwortung, die der Name Tenzing mit sich bringt“, sagt er.

          Das verheerende Erdbeben 2015

          Dieser Verantwortung versucht er gerecht zu werden, auf viele Arten. „Edmund Hillarys Arbeit in Nepal hat mich immer inspiriert“, sagt er über das Engagement des Neuseeländers für den Bau von Schulen und Krankenhäusern. Deshalb will auch er helfen, unter anderem mit der Green Tara Foundation. „Viele Familien in Nepal sind so arm, dass ihre Mädchen keine Bildung erhalten, oft gar von ihren Familien als Prostituierte nach Indien verkauft werden.“ Die Stiftung baut Kindergärten, damit die Eltern ihre Kinder dorthin bringen und währenddessen Geld verdienen können. Sie baut Schulen, „weil die Grundschule einer der wichtigsten Schritte im Leben ist, wenn die Kinder vorankommen wollen“. Sollte es überhaupt eine Art Trost gegeben haben nach dem verheerenden Erdbeben in Nepal im April 2015, war es für Tashi Tenzing die Gewissheit, dass die beiden Schulen der Stiftung die Katastrophe unversehrt überstanden haben.

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