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SUV-Boom in Deutschland : Höher, schneller, breiter

Stadt, Land, Fluss: Der erste Range Rover wurde von 1970 bis 1995 gebaut und brachte Luxus in den Geländewagen. Bild: Felix Schmitt

Bald ist jedes vierte neue Auto in Deutschland ein SUV. Auf seinem Siegeszug erobert der Geländewagen nicht nur deutsche Garagen. Die Geschichte eines erstaunlichen Aufstiegs.

          Auf Deutschlands und Europas Straßen findet zur Zeit eine kleine Revolution statt. Nein, es geht nicht um den Wechsel vom klassischen Verbrennungsmotor zur smarten Elektromaschine, den haben wir noch vor uns, wie schnell auch immer er kommen wird. Wir stecken mitten in einer Entwicklung, die vor wenigen Jahren kein noch so guter Auto-Experte vorausgesagt hätte: Wir werden zu einem SUV-Land. Der Anteil der hochbeinigen Autos, die neu zugelassen werden, steigt seit Jahren kontinuierlich. Und ein Ende ist nicht abzusehen. Wahrscheinlich wird in Deutschland in diesem Jahr jedes vierte neu gekaufte Auto ein SUV oder Geländewagen sein. Damit wäre das Segment der Kompaktklasse (VW Golf und andere) überholt. Sollte es dieses Jahr noch nicht dafür reichen, dürfte es spätestens 2018 so weit sein. Eine Fortsetzung des Booms wird bis mindestens 2020 erwartet.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Die Gründe für den Aufstieg sind schnell aufgezählt. SUV-Fahrer lieben die erhöhte Sitzposition, das bequemere Ein-und Aussteigen, den guten Überblick über das Verkehrsgeschehen, vielleicht auch den Blick von oben herab auf die Fahrer in Kleinwagen. Die Fahrzeuge sind in der Regel geräumig, bieten Platz für Kinderwagen, Wochenendeinkäufe und Getränkekisten zugleich. Und dann sind da noch die guten Zug-Eigenschaften, auf die Wohnwagenbesitzer und Reitfreunde Wert legen. Neben dem schwer in Worte zu fassenden Sicherheitsgefühl, das so eine SUV-Burg nun mal vermittelt.

          Besonders Frauen lieben das. In England nennt man die SUV (also Sports Utility Vehicle, sportliches Nutzfahrzeug), mit denen die Mutter ihre Kleinen zur Schule fährt, gerne auch Chelsea Tractor, nach dem vornehmen Stadtteil von London. Der deutsche Begriff Hausfrauen-Panzer ist da weniger schön. Immerhin jedes vierte SUV gehört hierzulande einer Frau. Dass große Wagen in Mode sind, hilft dem Trend zusätzlich. Dazu kommt: SUV haben einen überdurchschnittlich hohen Wiederverkaufs-wert, eben weil sie so gefragt sind. Das SUV scheint die eierlegende Wollmilchsau dieses Auto-Jahrzehnts zu sein.

          Ein Geländewagen für die Oper

          Kein Wunder also, dass sich der SUV-Gedanke nun auch immer weiter nach unten fortsetzt – wobei der Vorteil des guten Platzangebots und der Anhängertauglichkeit dabei etwas auf der Strecke bleibt. Beispiele dafür sind der Seat Arona oder der Jaguar E-Pace, die in den Startlöchern stehen. Und wenn erst die SUV-Varianten des neuen VW Polo und des VW Golf kommen, dann heben die Zahlen wohl endgültig ab.

          Beeindruckend sind sie schon jetzt. In den achtziger und frühen neunziger Jahren war das Phänomen SUV in dieser Form noch gar nicht bekannt. Damals waren alle Hochbeiner noch echte Geländewagen und hießen auch so. Sie verkauften sich etwa zwischen 50.000 und 60.000 Mal pro Jahr in Deutschland. Die wichtigsten Modelle waren der Mitsubishi Pajero, der Suzuki Vitara und der Nissan Patrol. Dann stieg Opel mit dem Frontera (der ein umgearbeiteter Isuzu war) in das Geschäft ein und wurde auf Anhieb Marktführer. Damals, 1993, genügten dafür noch gut 15.000 Einheiten.

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