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Südafrika : Garten der Genüsse und Geschichten

Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft: Im Babylonstoren Garden treffen sie zusammen. Bild: Babylonstoren

Ein reicher Südafrikaner hat mit seiner Frau in den Weinbergen bei Kapstadt einen Biogarten der Superlative geschaffen. So ein Paradies wollen jetzt alle.

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          Gundula Deutschlander sieht man die Freude an der Natur sofort an: breitkrempiger Sonnenhut, weiter bunter Rock, rotes T-Shirt, die Füße stecken in geblümten Birkenstock-Sandalen. Die zierliche Südafrikanerin mit deutschen Vorfahren ist Chefgärtnerin auf dem Gut Babylonstoren, 50 Kilometer östlich von Kapstadt. Jeden Morgen führt sie Besucher leichtfüßig durch den Garten, lässt sie essbare Seerosenblüten – Waterblommetjies – kosten, in die fleischigen Blätter des Speckbaums beißen, orangefarbene Mini-Quitten pflücken, wilden Thymian schnuppern und barfuß über eine duftende Wiese aus Kamillepflanzen laufen. Schilder mit der Aufschrift „Betreten des Rasens verboten“ gibt es hier nicht.

          Claudia Bröll
          Freie Afrika-Korrespondentin mit Sitz in Kapstadt.

          Babylonstoren ist ein Prachtstück einer Obst- und Gemüseplantage. Obwohl erst sieben Jahre alt, macht die Anlage international von sich reden, hat zahlreiche Preise gewonnen – und einen neuen Trend in Südafrikas Weinbergen, dem Lieblingsdomizil vieler Superreicher, ausgelöst. Bisher investiert die gut betuchte Klientel vornehmlich in Weingüter. „Doch heute will jeder zusätzlich sein eigenes Babylonstoren haben“, sagt der Kapstädter Gartenbau-Architekt Heimo Schulzer. Dem Original den Rang abzulaufen, hat aber noch keiner geschafft: Mehr als 300 Sorten Obst, Gemüse, Kräuter- und Heilpflanzen auf acht Morgen Land, alles essbar, alles bio. Ein Genuss für alle Sinne, hatte Deutschlander zu Beginn ihrer Tour erklärt.

          Als Koos Bekker 2008 das 300 Jahre alte Gut kaufte, ließ sich all dies kaum erahnen. Die Farm war heruntergewirtschaftet, der Boden ausgelaugt, Haupthaus und Ställe befanden sich in erbärmlichem Zustand. Doch die Kombination von Geld, Kreativität, Expertise und der Lust am Schönen bewirkte das Wunder: die brachliegende Fläche verwandelte sich in einen blühenden und fruchtbaren Flecken Erde. Ein Nutzgarten wie ein Kunstwerk.

          Klare Achsen, gerade Wege, rechteckige Beete

          Bekker ist Chef eines Medienkonzerns und der viertreichste Mann in Südafrika. Seine Frau Karen Roos hat mehrere Bücher zu Innenarchitektur und Design veröffentlicht, ist als Herausgeberin einer Fachzeitschrift bekannt. Mit dem Entwurf des Gartens beauftragten sie den französischen Architekten Patrice Taravella. Er hatte vorher im Loire-Tal den Prieuré Notre-Dame d’Orsan Garten angelegt, der oft als einer der schönsten Gärten Frankreichs bezeichnet wird.

          Den Besitzern ging es jedoch nicht nur um Ästhetik. Sie wollen mit ihrem Garten auch einen wichtigen Teil südafrikanischer Geschichte wiederaufleben lassen. Zur Inspiration diente ein mehr als 300 Jahre alter Plan von einem Mann namens Jan van Riebeeck. Er hatte 1652 als einer der ersten europäischen Siedler am „Kap der Stürme“ mit seinem Segelschiff angelegt. Sein Auftrag: Auf der stark frequentierten Gewürzroute zwischen Europa und Asien eine Versorgungsstation aufbauen. Viele Seeleute waren bei früheren Expeditionen an Unterernährung und Vitaminmangel gestorben. Das Resultat war der berühmte Company’s Garden in Kapstadts Innenstadt, den man noch heute besichtigen kann.

          Wie das historische Vorbild hat Babylonstoren eine streng geometrische Struktur: klare Achsen, gerade Wege, rechteckige Beete, umsäumt von offenen Wasserrinnen zu Bewässerungszwecken. Van Riebeeck füllte dieses nüchterne Raster in kürzester Zeit mit verschiedenen, teils exotischen Sorten. Er importierte Samen, Knollen, Pflanzenableger aus aller Welt, experimentierte mit heimischen Gewächsen. In seinen akribischen Aufzeichnungen sind allein 160 verschiedene Zitrusarten vermerkt. Die erste Saat wurde zwar weggeschwemmt. Doch als die holländische Flotte ein Jahr später anlegte, konnte sie immerhin schon Kohl, Karotten, Fleisch und Milch an Bord nehmen. Die Südspitze Afrikas bekam den Spitznamen „Taverne der Weltmeere“.

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