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Stadtbüros der Fluggesellschaften : Schauräume der Träume

  • -Aktualisiert am

High Noon in Down Under: Anfang der 20er Jahre des 20. Jahrhunderts eröffnete hier im australischen Queensland das erste Buchungsbüro der späteren Quantas Airways. Bild: Andreas Späth

Für die Fluggesellschaften waren ihre Stadtbüros das Schaufenster zur Welt und eine eigene Kunstform. Die Digitalisierung hat zu ihrem Aussterben geführt. Eine Hommage.

          Am Anfang war das Pferd. Es stand 1921 in der heißen Sonne von Longreach, mitten im australischen Outback, vor einer Holzbaracke. Dort befand sich das Buchungsbüro für ein damals ganz junges Verkehrsmittel, das Flugzeug. Der „Queensland and Northern Territory Aerial Service“, aus dem später die australische Fluggesellschaft Qantas werden sollte, bot hier seine Dienste an. Verheißungsvoll hing ein Werbeplakat mit der Aufschrift „Neuseeland“ an der Tür. In diesem staubigen Flecken muss es wie eine Offenbarung gewirkt haben.

          Ob der Fahrgast der leeren Kutsche, vor die das wartende Pferd gespannt war, in dieser Hütte gerade einen Flug ans schönste Ende der Welt buchte, verrät das historische Foto nicht. Klar ist aber, dass hier bereits ein Mechanismus wirkt, der später in aller Welt zur Anwendung kommen sollte: Fluggesellschaften lockten mit allen möglichen Mitteln über ihre Repräsentanzen in den Städten Kundschaft an. Oder zumindest Träumer, die sich vorzustellen versuchten, wie es wäre, wenn sie ein Ticket buchen würden zu einer aufregenden Flugreise in ferne Länder.

          Eleganz und Weltläufigkeit

          Zu Beginn war die Fliegerei vor allem eines: Improvisation. Entsprechend sahen viele frühe Verkaufsstellen für Flugtickets aus. Manchmal reichten in den Kindertagen der Luftfahrt ein im Schatten der Tragfläche neben einem Flugzeug aufgestelltes wackliges Holztischchen und ein Sonnenschirm. Genau so brachte um 1920 die Gesellschaft National Air Transport in den Vereinigten Staaten, eine Vorläuferin der späteren United Airlines, ihre Tickets an den Mann. Professionell wurde die Selbstinszenierung durch architektonisch und künstlerisch oft hochwertig gestaltete Verkaufsbüros in den Innenstädten erst nach dem Zweiten Weltkrieg.

          Am besten ließ sich das in New York beobachten, das zum weltweit wichtigsten Drehkreuz der Lüfte avancierte. Transatlantikflüge waren für Fluggesellschaften die Prestige-Strecken schlechthin, und entsprechend wichtig war die Imagepflege durch weithin sichtbare Präsenz in den Prachtstraßen Manhattans. Zum einen als Anlaufstelle für Kunden, die damals nirgendwo sonst ihre Flugpassagen buchen konnten als persönlich in einem solchen Airline- oder Reisebüro. Zum anderen auch als Schauraum der Träume für die große Mehrzahl, die damals noch nie geflogen war und magisch angezogen wurde von Eleganz und Weltläufigkeit dieser Vertretungen.

          Als erste nichtamerikanische Gesellschaft zeigte Air France 1946 mit einer eigenen Vertretung in New York Flagge, 1948 folgten KLM, Swissair und BOAC, die Vorgängerin von British Airways. PanAm startete 1952 mit der Eröffnung des ersten Airline-Stadtbüros an der Fifth Avenue einen Trend, der bald dazu führte, dass sich selbst Gesellschaften kleinerer Länder wie Israel oder Portugal hier niederließen. Bekannte Designer wie Raymond Loewy oder Finn Juhl, Charlotte Perriand, Gio Ponti und Jean Prouvé waren gerade gut genug, um mit ihrem Einfallsreichtum die Aufmerksamkeit auf die Fluggesellschaften zu richten.

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