https://www.faz.net/-hrx-8k43i

Modernes Wohnen : Allein zu Haus

  • -Aktualisiert am

Stahlwürfel mit Dachterrasse: Singlehaus von Sascha Haas Bild: Techmetall

Singlehäuser sind der neue Trend im Wohnungsbau. Möglichst flexibel und platzsparend sollen sie sein. Für junge Erwachsene entworfen, ziehen vor allem Senioren ein.

          Die Idee war gut, das Interesse riesig - doch der Start trotzdem holprig. Als sich der Österreicher Sascha Haas Anfang 2007 entschied, nicht der Familientradition zu folgen, und begann, im eigenen Stahlbaubetrieb kleine Kompakthäuser zu bauen „statt nur Geländer“, war er seiner Zeit noch voraus.

          Zwar gibt es in anderen europäischen Ländern wie der Schweiz oder Italien schon lange Häuser, die gerade groß genug für eine Person sind. Doch in Österreich und Deutschland werden Häuser in der Regel für Familien konzipiert. Singles und junge Paare orientieren sich auf dem Wohnungsmarkt.

          Haas hatte die Idee in den Vereinigten Staaten aufgeschnappt. Dort führte das Platzen der Immobilienblase dazu, dass die Architekten nach kleinen, finanzierbaren Alternativen suchten. Der Wiener Unternehmer hatte seine Zielgruppe klar vor Augen: junge Menschen, die die Vorteile, im eigenen Haus zu leben, schätzen, ein großes Haus aber weder brauchen noch sich leisten können - und die zudem flexibel bleiben wollen.

          Markt entwickelt sich rasant

          Der Prototyp seiner Stahlhäuser war 26 Quadratmeter groß, kostete gerade einmal gut 36 000 Euro und war sogar leicht transportierbar. Denn ein Fundament war nicht nötig. Doch trotz vieler Anfragen musste Haas eine lange Durststrecke überwinden, bis Mitte 2008 endlich der erste Verkauf zustande kam.

          Fast zehn Jahre später kann Haas über seine Anfänge nur noch schmunzeln. 20 Mitarbeiter beschäftigt er mittlerweile, hat 110 Einheiten seiner Mikrohäuser gebaut und schwimmt voll mit auf der Erfolgswelle, die sich rund um das sogenannte „Singlehaus“ aufgetürmt hat.

          Kleines Haus, große Dachterrasse: Das Singlehaus von Sascha Haas

          „Marketing? Brauchen wir nicht“, freut sich der Unternehmer. Auch nach Deutschland liefert er inzwischen seine Häuschen und ist dabei, einen Lizenzverkauf in ganz Europa aufzubauen.

          „Seit etwa zwei bis drei Jahren“, schätzt auch Isabella Bosler, „entwickelt sich der Markt rasant.“ Bosler selbst ist vor fünf Jahren auf das Thema gestoßen - durch einen Zeitungsartikel. Erst hat sie für sich selbst recherchiert, dann so viel Zukunftspotential gesehen, dass sie begann, eine eigene Website aufzubauen.

          Singlebörsen, Singletickets, Singlehäuser

          Der Hintergrund war, dass sie zwar schon damals viele Informationen zum Begriff Singlehaus fand. Doch was darunter verstanden wird, ist von Fall zu Fall unterschiedlich. Oft, so sagt sie, gehe es bei der Verwendung des Begriffs wohl nur um die Suchmaschinenoptimierung.

          In Zeiten von Singlebörsen, Singletickets und Singlepizzas machen sich auch Singlehäuser gut und treffen den Nerv der Zeit. Doch eine 400-Quadratmeter-Luxusvilla, die unter diesem Stichwort dem betuchten Alleinlebenden angeboten wird, hat weder etwas gemein mit den Stahlwürfeln von Sascha Haas, noch mit anderen Kleinhäusern, deren Ansatz es ist, wenig Raum optimal auszunutzen.

          Inzwischen geht Boslers Engagement sogar noch deutlich weiter, und sie verhandelt in Berlin mit Grundstückeigentümern über den Aufbau einer Kleinhaussiedlung. Eine Dauerwohnanlage entsteht auf dem Gelände bereits, Bosler möchte aber auch einen Musterpark intergrieren, der die ganze Vielfalt der Minihäuser abbildet. „Nicht nur zum Anschauen, sondern auch zum Probewohnen.“

          Minimalistisch und autark

          Denn wie ein „Singlehaus“ aussieht und wozu es genutzt wird, erläutert die Expertin, hat in erster Linie damit zu tun, von welcher Seite man sich dem Thema nähert. Drei Ansätze zählt sie auf.

          Da ist zum einen der Wunsch, minimalistisch und möglichst auch autark zu leben, Ressourcen zu schonen und sich auch beim Wohnen auf das wenigste zu beschränken. Perfekt hat dies ein Architekt aus Tel Aviv umgesetzt und ein Haus entworfen, das gerade einmal vier Quadratmeter hat. Schlafen, Duschen und Kochen ist darin ohne Probleme möglich, so der Konstrukteur in Interviews.

          Klein, aber alles drin: Viele Mikrohäuser sind sogar mobil.

          Geht es um diesen Ansatz, verwendet Bosler eigentlich gar nicht gerne den Begriff Singlehaus, sondern spricht nur von Mikro- oder Kleinhäusern. Diese können für Singles konzipiert sein, aber auch 25 oder 60 Quadratmeter haben - und werden dann auch von Paaren oder sogar Kleinfamilien bewohnt, die sich bewusst beschränken. Gemeinsam ist ihnen, dass ökologische Baustoffe verwendet werden und sie so konstruiert sind, dass wenig Energie benötigt, mitunter sogar autark gewonnen wird.

          Weitere Themen

          Gut drauf Video-Seite öffnen

          Mopedfahrer in Hanoi : Gut drauf

          Bälle, Blumen, Eier, Wasserflaschen oder Fische: In Hanoi wird einfach alles auf Rollern transportiert. Unser Fotograf hat ein paar der Mopedfahrer in der Nacht aufgehalten und im Bild eingefangen.

          Das kostet mich die Grundsteuer

          FAZ Plus Artikel: Reform : Das kostet mich die Grundsteuer

          Jedes Bundesland entscheidet künftig selbst, wie es die Grundsteuer erhebt. Doch ist die Grundsteuer wirklich so gerecht, wie behauptet wird? Wir haben die beiden Hauptmodelle durchgerechnet.

          Road Movie Video-Seite öffnen

          Modestrecke in Italien : Road Movie

          Jella Haase, Clemens Schick und Max von der Groeben sind ab Mitt Juli im Kriminalfilm „Kidnapping Stella“ auf Netflix zu sehen. Mit uns sind sie an den Lago Maggiore gefahren.

          Topmeldungen

          Eurofighter-Absturz : Nur ein paar Meter vom Kindergarten entfernt

          Ein Schock für die Menschen in Nossentin ein Schock für die Luftwaffe: Was über den Absturz der Eurofighter bislang bekannt ist – und wie die Bevölkerung reagiert. Ein Besuch vor Ort.
          Interims-Führung: Manuela Schwesig, Thorsten Schäfer-Gümbel und Malu Dreyer (v.l.) am Montag im Willy-Brandt-Haus in Berlin

          Mitgliederentscheid : Das gefährliche Spiel der SPD

          Mit einem „Fest der innerparteilichen Demokratie“ will die SPD ihre neue Parteiführung bestimmen. Doch das birgt diverse Risiken – und könnte die neue Spitze schnell wieder in die Bredouille bringen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.