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Jugend in der Einkaufspassage : Im Zentrum

Kulisse für coole Selfies: Die Spiegelwand kommt den Kusinen gerade recht. Das Zentrum ist für sie Chill-Ort und Hobby in einem. Bild: Julia Schaaf

Shopping Malls sind für Jugendliche ein zweites Zuhause. Was machen die da eigentlich?

          7 Min.

          In der Rossmann-Tüte über Josis Handgelenk baumeln: eine Haarbürste, ein Kamm, Eyeliner. Fast zwei Stunden waren Josi und ihre Freundin für diesen Einkauf unterwegs. Erst bei Claire's, Modeschmuck und Accessoires. Weiter zum Drogeriemarkt dm. Dann bei Deichmann, „kurz gucken, was es für Schuhe gibt“. Schließlich Rossmann. Josi lächelt zufrieden, die Brackets auf ihren Zähnen blitzen. „Wir brauchen immer mega lange“, sagt die Vierzehnjährige.

          Julia Schaaf

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Ein Einkaufszentrum irgendwo in Deutschland: Wie ein Kreuzfahrtschiff im Hafen liegt der bullige Bau neben dem S-Bahnhof. Shoppen auf drei Etagen, eine Mischung aus Kunst- und Tageslicht, glattpolierter Marmor. Die beiden Mädchen sind vor einem Wäschegeschäft im Erdgeschoss stehengeblieben. Bikinis im Sale, aus den Lautsprechern singt Jennifer Lopez. Von einem Aktionsstand einige Meter weiter (“über 500 Düfte je 15 Euro“) zieht ein süßlicher Duft herüber. Nach der Schule haben die Freundinnen nur ihre Taschen zu Hause abgeworfen; Elain hat sich die Haare hochgesteckt. Dann ein paar Stationen mit der S-Bahn. „Wir wissen zwar, was wir wollen“, erklärt Josi. „Aber auf einmal sehen wir in einem anderen Laden was Schöneres.“ Daraufhin gucken die Freundinnen, was das Schönere kostet. Überlegen, welche Ware sie lieber haben wollen. Checken das Produkt, das sie ursprünglich im Sinn hatten. Manchmal wechseln sie mehrfach zwischen Geschäften hin und her. Wenn der Nachmittag dann immer noch nicht vorüber ist, setzen sie sich aufeine Bank oder essen etwas, am liebsten Kartoffelecken vom Fish-und-Chips-Laden. „Aber manchmal“, sagt Elain, „ist man einfach nur hier, um nach süßen Jungs zu gucken.“

          Mutter unterstützt Zeitvertreib in der Mall

          „Wir sind oft hier, um unsere Freizeit zu verbringen“, sagt ein Mädchen. „Einfach mit Freunden zusammen abhängen und dem Stress zu Hause entgehen.“ Manchmal gehen sie in den Buchladen, um in den Manga-Comics zu blättern. Manchmal probieren sie bei Saturn Handys aus.

          Ein zierliches Mädchen, das mit seiner XXL-Freundin Selfies macht, erzählt, dass ihre Mutter es gut finde, wenn sich die Tochter im Center die Zeit vertreibe. Die Zierliche hat fuchsiarote Fingernägel und Hennaherzen auf dem Handrücken. „Spielplatz ist nicht so gut“, sagt sie. „Da sind so viele Männer.“

          Zwei Zwölfjährige sitzen vor dem Eingang auf einer Treppe und beschäftigen sich mit ihren Handys. „Wir snappen immer“, sagen sie. Die Hübsche mit Kopftuch hat von der Langhaarigen gerade zwei kleine Filmchen gemacht, einmal Burgeressen im Zeitraffer, einmal Mähneschütteln, jeweils mit Mickymaus-Stimme unterlegt.

          Warum Jugendliche sich den Raum erobern

          Ganz gleich ob sie „Arkaden“ oder „Galerie“, „Center“, „Mall“ oder „Boulevard“ heißen: Einkaufszentren gehören heute zu den bevorzugten Orten, an denen Jugendliche ihre Freizeit verbringen. Dabei spielt es keine Rolle, dass solche Kreuzungen aus Kaufhaus und Fußgängerzone private Betreiber haben; Jugendliche nutzen sie, als handele es sich um öffentlichen Raum.

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