https://www.faz.net/-hrx-8j7aw

Hausboote : Auf Wasser gebaut

Blickfänger: So idyllisch wie auf dem Hamburger Eilbekkanal lebt es sich auf Hausbooten nur selten. Bild: Hauke Dressler / LOOK-foto

Schwimmende Häuser sollen gegen Wohnungsmangel helfen, triste Quartiere beleben und Holländer vor Überflutung bewahren. Einfach ist das nicht.

          7 Min.

          Hamburg hat 2500 Brücken, aber nur eine bietet diesen Ausblick: Auf einen Kanal, gesäumt von hohen Laubbäumen, auf dem sich nicht nur Stehpaddler und Enten tummeln, sondern auch neun Häuser schwimmen. Immer wieder bleiben Passanten auf der Brücke stehen, die über den Eilbekkanal verläuft, um einen Blick auf die Szenerie zu werfen: Auf das alte DDR-Wohnschiff „Peißnitz“, an dessen Deck eine gutgelaunte Hochzeitsgesellschaft feiert.

          Judith Lembke

          Redakteurin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Auf das elegante Holzhaus „Traumfänger“ mit seinen abgerundeten Ecken und das futuristische Büroschiff zwei Liegeplätze weiter, dessen metallische Fassade sich silbrig im Wasser spiegelt. „Das ist schon schick“, sagt eine Radfahrerin, die extra abgestiegen ist und auf den „Traumfänger“ weist. Ihr Begleiter nickt: „Stimmt, aber das hat bestimmt eine Million gekostet“, mutmaßt er. „Außerdem kriegt man das Ding im Winter nicht warm und im Sommer stinkt der Kanal.“ Dann steigen die beiden wieder auf und radeln weiter.

          „Ein schwimmendes Haus ist genauso gut gedämmt wie jeder andere Neubau, und einen unangenehmen Geruch habe ich im Sommer nie bemerkt“, sagt Jörg Niderehe. Der Architekt muss es wissen, denn er hat den „Traumfänger“ nicht nur gebaut, sondern auch jahrelang auf ihm gewohnt, bis seine Freundin und er sich vor ein paar Monaten trennten und er wieder an Land zog. Gekostet hat das Haus mit 450.000 Euro auch deutlich weniger als eine Million.

          Wenn Niderehe über das Wohnen auf dem Wasser spricht, räumt er erst einmal mit ein paar Vorurteilen auf: Zum Beispiel der Vorstellung, man könne mit einem Hausboot einfach überall anlegen, wo es einem gefällt. Oder damit, dass das Genehmigungsverfahren genauso schnell geht wie bei einem Einfamilienhaus im Neubaugebiet. Doch vor allem schwärmt er von dieser Art zu leben: „Ein riesiges Geschenk“ sei es gewesen, dass seine damalige Freundin und Büropartnerin Amelie Rost und er 2006 in einem Architekturwettbewerb einen von zehn Liegeplätzen auf dem Eilbekkanal gewonnen hatten und dann mit ihrem schwimmenden Zuhause dort andocken durften.

          „In einer anderen Welt“

          „Wenn ich das Schiff betreten habe, war ich in einer anderen Welt“, erzählt der Planer. Auf dem Kanal lebe man in der Großstadt inmitten der Natur - mit Enten, die im Blumenkasten auf dem Oberdeck brüten, und Schwanenfamilien, die am Schlafzimmerfenster vorbeiziehen. Aber auch auf einem Untergrund, der niemals vollkommen ruhig ist. „Es ist immer etwas Bewegung auf einem Hausboot“, sagt Niderehe und zeigt an die Decke, wo ein paar Pendelleuchten kaum merklich, aber stetig wackeln.

          Bei Kapitaleignern beliebt: Hausboot „Floating 100“
          Bei Kapitaleignern beliebt: Hausboot „Floating 100“ : Bild: FHG Floating House

          Jetzt schläft Niderehe zwar nicht mehr auf dem Wasser, dafür arbeitet er dort. Seit ein paar Wochen ist er mit seinem Architekturbüro auf das Hausboot „Lore“ am Viktoriakai-Ufer gezogen. Ein knappes Dutzend Häuser schwimmen auch hier in Hammerbrook. Die Nachbarschaft ist jedoch weniger lieblich als am Eilbekkanal.

          Anstatt bürgerlicher Stadtvillen umgeben große Straßen und Gewerbebauten die Hausboote. Auf Wasserhöhe hört man von den Autos, die drei Meter über einem über die Brücke brausen, allerdings nicht viel. Und auch die Blesshühner lassen sich weder von den neuen Nachbarn noch vom Bürohund beim Tauchen stören.

          Weitere Themen

          Zerstobene Revolution

          Radiofeature über Ägypten : Zerstobene Revolution

          Ägypten ist eine der härtesten Militärdiktaturen Afrikas. Bei den Einheimischen heißt es: „Mubarak ließ uns wenigstens Luft zum Atmen“. Exzellente Innenansichten aus dem Land liefert ein Feature des SWR.

          Topmeldungen

          Ilhan Omar spricht bei einem Auftritt im Vorwahlkampf in Minneapolis vergangenen August mit der Presse.

          Wahlkampf in Amerika : Trump attackiert muslimische Abgeordnete

          Sie hasse Amerika, sagt der Präsident über die Amerikanerin Ilhan Omar, und greift auch noch die demokratische Gouverneurin von Michigan an. Joe Bidens Unterstützer setzen unterdessen auch auf Staaten, die eigentlich als sichere Bank der Republikaner gelten. Und Melania Trump hat ihren ersten Solo-Auftritt.
          Friedrich Merz in Berlin am Sonntag auf dem Weg zu den Beratungen über den CDU-Parteitag.

          Soll er verhindert werden? : Merz spaltet die Partei

          Es gibt genug Staatsmänner in der Welt, die mit Populismus, Narzissmus, Schaumschlägerei und Verschwörungsdenken glänzen. Will nun auch die CDU einen solchen Mann an ihrer Spitze haben?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.