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LED-Leuchten : Das neue Licht

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Die Bogenleuchte Twiggy von Marc Sadler für Foscarini leuchtet mit Halogenstrahlern oder noch effizienter mit LED. Das ist allerdings wesentlich kostspieliger. Bild: Kasia Gatkowska

Wir alle sehnen uns nach einer gemütlichen Raumatmosphäre, besonders im Herbst. Jetzt schicken sich LED-Leuchten an, Räume stimmungsvoll zu beleuchten – bis vor kurzem galt das noch als Ding der Unmöglichkeit.

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          Die Tage werden kürzer, und im Bad hängt immer noch die Deckenleuchte, für die der vergangene Winter der letzte hätte sein sollen. Im Wohnzimmer ist es jetzt auch wieder viel zu düster. Und überhaupt, wo bleibt zu Hause die Gemütlichkeit? Im Herbst tritt all das zum Vorschein, was die Sonne den Sommer über überstrahlt hat. Denn wenn es kälter und dunkler wird, sehnen wir uns nach Raumatmosphäre. Die aber lebt maßgeblich von Kontrasten, Lichtfarbe und der Helligkeit. Mittlerweile sind die Parameter weitgehend bekannt, mit denen Kunstlicht eine Wohlfühlstimmung erzeugt. Kaltes Licht fördert die Konzentration, warmes trägt zur Entspannung bei. Das Problem: Die Auswahl ist riesig. Sollen es Hängeleuchten sein oder die angeblich immer beliebter werdenden Leuchtstoffröhren? Wandleuchten, Fluter oder Einbaustrahler? Und welche Technik soll uns erleuchten?

          Die Antwort beginnt meist mit drei Buchstaben: LED. Viele deutsche Wohnzimmer hat in den vergangenen Jahren eine kleine Revolution heimgesucht - und einen ganzen Markt durcheinandergebracht. Fachleute vergleichen die Umwälzung gar mit dem Aufkommen des Internets. Die LED, die Licht emittierende Diode, besteht aus einem Halbleiterkristall, der vom Strom zum Leuchten gebracht wird. Gegen sie sieht eine herkömmliche Glühbirne, deren Ende die EU im Jahr 2008 einläutete, ziemlich alt aus. Heute zeichnet sich ab, dass alle konventionellen Leuchtmittel wie Halogenstrahler, Leuchtstoffröhren und Energiesparlampen von der LED verdrängt werden. Ikea nutzt seit September ausschließlich LED – im Verkauf und auch bei der Beleuchtung der Märkte.

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          Dabei hatte diese Technik keinen leichten Einstand. LED-Technik kannten die meisten Leute nur von kalten, oft blinkenden Signallampen. Diese Zeit ist vorbei. „Das Ausräumen von Vorurteilen ist über die Jahre unser Spezialgebiet geworden“, sagt Dieter Brennenstuhl aus Stuttgart. Mit seiner Firma Nimbus kreierte er vor zehn Jahren die weltweit erste LED-Stehlampe. Tausende weitere LED-Projekte folgten.

          Ein Blick auf die Zahlen spricht für sich: Eine LED-Leuchte ist bis zu 90 Prozent energiesparender als eine Glühbirne, sie hält bis zu 50 000 Stunden durch. Das sind bei einer Tagesbetriebsdauer von sechs Stunden gut 23 Jahre. Bei einer Halogen-Glühlampe sind es 2000, bei einer Leuchtstofflampe 18 000. Die Unternehmensberater von McKinsey prognostizieren, dass LED-Leuchten im Jahr 2020 einen Marktanteil von knapp 70 Prozent erreichen werden.

          Tobias Grau aus Hamburg ist einer der profiliertesten deutschen Lampendesigner und Lichtgestalter. Anfangs war er nicht von der LED überzeugt, weil ihm die Qualität des Lichtes nicht gefiel. Mit zunehmender Entwicklung änderte er seine Meinung. Seit fünf Jahren stellt Grau nur noch LED-Leuchten her. „Selbst wenn man eine LED mit einer Halogenleuchte vergleicht, kann das der Endverbraucher heute oft nicht mehr unterscheiden. Ich gehe so weit, dass ich sage: LED-Licht ist besser als alle Alternativen.“ Grau glaubt, dass die Bedeutung von Licht und Wahrnehmung für die Psyche und das Wohlbefinden in Gestaltung und Architektur mit dem Aufkommen der LED stark zugenommen hat, was auch ihn überzeugte. Entwürfe wie seine Hängeleuchte „Falling“ können nur mit LED umgesetzt werden, weil sie kleiner sind und weniger Wärme emittieren.

          „Wir können heute Leuchten im Raum integrieren in einem Maße, das früher undenkbar war“, sagt Oscar Peña, der 28 Jahre bei der Lichtsparte von Philips gearbeitet hat und zuletzt deren Leiter war. Seit einigen Wochen arbeitet er mit seiner Frau, der Londoner Einrichterin Ilse Crawford, zusammen, um neue Lichtkonzepte für Räume zu erarbeiten. „Licht erfährt erst langsam eine öffentliche Wertschätzung“, urteilt Peña. „Ich glaube, das liegt daran, dass uns die Sonne keine Rechnung schickt. Wir nehmen das einfach so hin. Jetzt auf einmal wird den Menschen vor Augen geführt, wie vielfältig Licht eingesetzt werden kann. Und manche werden sentimental. Sie sagen: Oh! Meine geliebte Glühbirne! Aber so setzen sie sich zumindest mit der Materie auseinander.“

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