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Richtige Gartenplanung : Großer Wurf im Kleinen

  • -Aktualisiert am

Es geht nicht nur ums große Ganze, auch Details wie die Gestaltung der Terrasse müssen geplant sein. Bild: Picture Press/Sabrina Rothe

Einen Landschaftsarchitekt engagieren? Viele denken, dafür müssten sie gleich eine Parkanlage besitzen. Doch gute Planung zahlt sich auch in zimmergroßen Gärten aus.

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          Ein großer Garten – wer hat den schon? Nicht nur in der Stadt, auch auf dem Land werden die Grundstücke immer kleiner. Da bleiben fürs Grün oft nur ein paar Quadratmeter übrig. Um die wirkungsvoll in Szene zu setzen, muss man den begrenzten Platz optimal nutzen. Wie das geht, wissen Gartenfachleute. Nur, kann man für ein Fleckchen Garten einen Landschaftsarchitekten engagieren?

          Angelika Droll kennt die Bedenken. Die Landschaftsarchitektin, die mit ihrem Mann Götz Lauenstein das Planungsbüro Droll & Lauenstein im oberfränkischen Coburg betreibt, plant auch kleine Gärten, die manchmal kaum größer als ein Zimmer sind. Deshalb nennt sie sich selbst auch lieber Gartenarchitektin: „Viele Menschen haben sonst Berührungsängste und denken, sie müssten einen Park besitzen, damit ein Landschaftsarchitekt für sie tätig wird. Das stimmt natürlich nicht.“ Manchmal entwirft Droll auch nur Teile eines Gartens wie die Terrasse oder den Vorgarten neu. Private Hausgärten machen rund die Hälfte der Aufträge ihres Büros aus. Ein hoher Wert – die Mehrheit der Kollegen bearbeiten, überwiegend größere Projekte wie die Außengestaltung für Wohnanlagen oder Aufträge der öffentlichen Hand.

          Droll ist eine von rund 7000 Landschaftsarchitekten in der Bundesrepublik und in der Bayerischen Architektenkammer registriert. Nur wer in einer der insgesamt 16 Architektenkammern Mitglied ist, darf sich als Landschaftsarchitekt bezeichnen. Aufgenommen wird, wer das entsprechende Studium erfolgreich abgeschlossen und mehrjährige praktische Berufserfahrung nachweisen kann.

          In Eigenregie wächst der eigene Garten oft über den Kopf

          Die meisten Gärten entstehen in Eigenregie und oft auch in Eigenleistung ihrer Besitzer. Das kann klappen, manchmal wächst der eigene Garten aber förmlich über den Kopf oder erfüllt die gestiegenen Erwartungen nicht mehr. Gärten werden zunehmend als erweiterter Wohnraum genutzt, müssen viele Funktionen erfüllen und eine hohe Aufenthaltsqualität haben. Kurz: Man möchte dort gerne und so oft wie möglich sein. Auch die meisten Auftraggeber von Angelika Droll haben bereits einen „fertigen“ Garten und sind unzufrieden mit ihm. Mal wurde er vom Vorbesitzer gestaltet und passt nicht zu den eigenen Wünschen, mal ist er einfach in die Jahre gekommen, und das Bild im Kopf passt nicht zur Realität. Für Angelika Droll ist Letzteres der Klassiker: „Der Hausbau verschlingt meist das ganze Budget, und dann wird der Garten irgendwie noch ,grün gemacht‘.“ Mit der Zeit wächst die Unzufriedenheit und mit ihr der Wunsch nach einem professionell geplanten Garten. Planung vom Profi bieten auch die meisten Garten- und Landschaftsbaubetriebe an. Ohnehin setzt diese Branche die Entwürfe der Landschaftsarchitekten in die Tat um und legt viele Hausgärten an. Warum also nicht Planung und Umsetzung von einem Betrieb erledigen lassen?

          Gerade in der Trennung dieser beiden Aufgaben liegt ein Vorteil für den Gartenbesitzer. Der Landschaftsarchitekt agiert unabhängig als Bindeglied zwischen Bauherr und ausführender Gartenbaufirma, kennt die voraussichtlichen Kosten für Materialien und Umsetzung und holt mehrere Angebote ein. Das kann in der Bauphase viel Geld sparen.

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          Das ist die wirtschaftliche Seite, doch von einem Landschaftsarchitekten wird in erster Linie die kreative Leistung, die gestalterische Qualität eines individuellen Entwurfs erwartet. Ob man einen Garten letztlich als schön und gelungen empfindet, ist eine Frage des persönlichen Geschmacks. Bei der Suche nach einem Planer für den eigenen Garten ist deshalb zunächst das eigene Urteil gefragt. Kontaktadressen von Landschaftsarchitekten bekommt man über die Architektenkammer des jeweiligen Bundeslandes oder den Bund Deutscher Landschaftsarchitekten (BDLA). Die meisten Büros bieten auf ihren Websites einen Überblick über ihre Projekte und stellen, sofern Privatgärten dazu gehören, diese oft auch vor. So wie Brigitte Röde, die auf ihrer Homepage über ein Dutzend von ihr entworfener Privatgärten vorstellt. Die Landschaftsarchitektin führt das Planungsbüro Garten und Freiraum in Köln und hat sich vor rund zehn Jahren ganz auf das private Grün spezialisiert: Viele Auftraggeber kommen zudem auf Empfehlung von Freunden und Kunden, die schon mit Röde zusammengearbeitet haben. Einige haben auch aus Büchern, Zeitschriften oder Internetportalen von ihren Projekten erfahren. Von der Arbeit und dem Stil vieler Anbieter kann man sich also im wahrsten Sinne des Wortes schon vorab ein Bild machen.

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