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Schließung des Ulurus : Der Berg ruht

Der Uluru ist eines der bekanntesten Wahrzeichen der Welt. Bild: MATTHEW ABBOTT/The New York Time

Touristen dürfen auf Wunsch der Aborigines den Uluru in Australien nicht mehr besteigen. Die Schließung des heiligen Berges bedeutet ein Ende der ewig langen Touristenkarawanen – und Frieden für die Ureinwohner.

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          Fast wäre es mit dem letzten Aufstieg nichts mehr geworden. Wegen starken Windes war der Kletterpfad, der den Uluru hinaufführt, am Freitag zunächst aus Sicherheitsgründen geschlossen. Aber gegen zehn Uhr morgens, drei Stunden später als üblich, wurde er doch noch einmal geöffnet. Wie in den Tagen zuvor warteten Hunderte Touristen darauf, das Heiligtum der Aborigines, das früher als Ayers Rock bekannt war, in Zentralaustralien zu besteigen. In den vergangenen Tagen und Wochen waren die Besucherzahlen in die Höhe geschnellt. Der Andrang in letzter Minute hat empörte Reaktionen hervorgerufen. Internetnutzer warfen den Touristen Respektlosigkeit vor.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Doch an diesem Samstag ist endgültig Schluss mit der Besteigung des 348 Meter hohen Felsens. Der rote Brocken, der sich majestätisch aus dem Outback erhebt, wurde aus Rücksicht auf die Ureinwohner am Freitag 16 Uhr Ortszeit endgültig für Besteigungen geschlossen. Nur wer um diese Zeit schon auf dem Felsen war, durfte noch bis zum Sonnenuntergang oben bleiben. „Wir haben lange darauf gewartet. Viele Leute sind sehr emotional vor Freude. Denn dies ist für uns die heiligste Stätte. Und es wird Zeit, dass der Felsen eine Ruhepause bekommt“, sagte Donald Fraser dem australischen Fernsehsender SBS; er gehört zum Volk der Anangu, das seit Jahrtausenden in dem Wüstengebiet lebt.

          Die Anangu hatten schon seit Jahren darum gebeten, darauf zu verzichten, den wohl mehr als 500 Millionen Jahre alten Berg zu betreten. Doch viele Touristen ließen sich davon nicht abhalten. Rund eine Viertelmillion Menschen besuchten pro Jahr den Uluru, in diesem Jahr werden es noch wesentlich mehr sein. Nur ein Teil entschied sich aber auch für den Aufstieg. Nach Angaben der Nationalparkverwaltung kamen in den zwölf Monaten bis Juni 2019 fast 400.000 Menschen zum Uluru, etwa 13 Prozent kletterten auch auf den Felsen. Die Aborigines hatten einst angekündigt, den Berg zu schließen, wenn der Anteil der Kletterer unter 20 Prozent falle. Das war ein Wert, der offenbar schon seit einigen Jahren erreicht wurde.

          Ab dem Jahrestag wird nicht mehr geklettert

          Die Entscheidung zur Schließung wurde 2017 getroffen. Damals erklärte Sammy Wilson, der den dazugehörigen Nationalpark leitet und selbst zu den Anangu gehört, dass der Berg kein Disneyland sei. „Wenn wir in ein anderes Land reisen, und dort gibt es einen heiligen Ort, ein Gebiet, in dem der Zugang beschränkt wird, dann respektiere ich das und gehe nicht hinein oder besteige ihn. Das Gleiche gilt hier für die Anangu. Wir heißen Touristen willkommen. Wir stoppen nicht den Tourismus, nur diese eine Aktivität.“ Der 26. Oktober wurde damals als Datum für das Ende der Kletterpartien gewählt, weil an diesem Tag im Jahr 1985 das sogenannte Handback stattgefunden hatte. Damals war das Heiligtum, bei dem es sich um einen Inselberg handelt, der kilometerweit unter dem Boden weitergeht, offiziell an die Anangu zurückgegangen.

          Pure Freude: Rangerin Lynda Wright und der Vorsitzende des Uluru-Kata Tjuta-Rates, Sidney James, feiern die Schließung des Berges. Bilderstrecke
          Uluru : Der rote Brocken

          Für die Touristen war der Felsen aber weiter zur Besteigung offen geblieben. Um Unfälle zu vermeiden und die Besucher von den heiligsten Stätten fernzuhalten, war der Aufstieg einst mit Pfosten und einer Metallkette befestigt worden. Die Kletterpartie ist nicht ungefährlich. Schon mancher Tourist musste unter hohem Aufwand gerettet werden. Insgesamt sollen 37 Personen an dem Berg ums Leben gekommen sein.

          Respektlosigkeiten der Touristen nahmen zu

          In den vergangenen Jahren hatte der Tourismus auch zu einer zunehmenden Vermüllung geführt. Einige Touristen benahmen sich besonders respektlos und verrichteten ihre Notdurft an dem heiligen Ort. Eine Französin führte auf der Spitze des Berges sogar einen partiellen Striptease auf, weil sie angeblich der Aborigine-Kultur Tribut zollen wollte. Hunderte Touristen wollten nun die wohl letzte Chance nutzen, den Felsen noch einmal zu betreten. Manche wurden von schlechtem Gewissen geplagt. Andere sehen es als ihr gutes Recht an, den Felsen zu besteigen. Sie verstehen nicht, warum er den Aborigines und nicht allen Australiern gehören sollte.

          Zum Unverständnis trägt auch bei, dass sich die Anangu mit genauen Erklärungen, warum und was an dem Felsen für sie heilig ist, zurückhalten. In ihrer Tradition darf bestimmtes Wissen über die Spiritualität des Landes nur an Auserwählte weitergegeben werden. „Wir wollen an unserer Kultur festhalten. Wenn wir das nicht tun, könnte sie in 50 oder 100 Jahren verschwunden sein. Wir müssen stark sein, um das zu verhindern“, so Wilson. Die Anangu hätten sich eingeschüchtert und gezwungen gefühlt, den Aufstieg offen zu halten. „Als ob uns jemand eine Waffe an die Schläfe hielte.“ In Zukunft droht eine Mindeststrafe von 630 Dollar für die Besteigung des Uluru. Bei besonders schweren Verstößen kann es zu Gefängnisstrafen kommen. Am Wochenende soll an dem Berg eine Zeremonie stattfinden, in der kommenden Woche wird dann die Kette entfernt. Auch danach dürfen Touristen den berühmten Felsen besuchen. Sie müssen sich aber damit zufriedengeben, ihn in respektvollem Abstand zu umrunden.

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