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Schlechte Gerüche : Wenn das Zuhause einem stinkt

Was da wohl alles drin sein mag? Wandfarben enthalten oft Lösemittel, die penetrant ausdünsten. Bild: Imago

Welcher Geruch in den eigenen vier Wänden herrscht, beeinflusst unser Wohlbefinden - vor allem, wenn er unangenehm ist. Da hilft es nur, der Sache auf den Grund zu gehen.

          Manchmal sitzt das Haus in jeder Pore. Besser: sein Geruch. Er dringt innerhalb weniger Stunden in Kleidung, Haare, bis in die Haut, und dort bleibt er, auch wenn man ihn selbst gar nicht mehr wahrnimmt. Andere riechen ihn dafür umso mehr - und stören sich daran.

          Anne-Christin Sievers

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          So ergeht es manchem Bewohner von Fertighäusern aus den Siebzigern. Der Grund sind Holzschutzmittel mit Pentachlorphenol, die damals in Gebäuden mit Holzständerbauweise eingesetzt wurden, nun aber verboten sind. "Gelangt Feuchtigkeit in die Wände, wandelt es sich über die Jahre in Pentachloranisol um, das penetrant muffig riecht", erklärt Martina Clemens-Ströwer. Betroffene rufen die Sachverständige für Gerüche aus Welver in Nordrhein-Westfalen, wenn sie es in ihrem eigenen Mief nicht mehr aushalten. Und wer klug ist, der lässt sich von einem Experten auch beraten, bevor er ein Haus aus dieser Zeit kauft. Oft wird der abgestandene Geruch darauf geschoben, dass ältere Menschen darin gelebt haben, aber er geht bei diesen Fertighäusern weder durch Lüften noch Renovieren weg. Bemerkt man den Mangel zu spät, kommt das teuer: "Diese Gebäude so zu sanieren, dass der Geruch verschwindet, kann mehrere Zehntausende kosten - oder gar zum Abriss der Häuser führen."

          Ein extremes Beispiel, zugegeben. Mit schlechten Gerüchen im Wohnraum und den Folgen haben jedoch viele Menschen zu kämpfen. Normale Haushaltsgerüche wie die Bio-Mülltonne, der Wäschesack, Zigarettenrauch oder Bratenfett sind schnell verflogen, sobald die Wäsche gewaschen, der Raum gelüftet und die Tonne geleert ist. Um zwischenzeitlich die olfaktorischen Konsequenzen zu mildern, wird gesprüht und geduftet, was das Zeug hält: Mit Raumsprays, Lufterfrischern und Duftkerzen sucht man den Gestank künstlich zu übertünchen. Dabei enthalten diese laut Umweltbundesamt Chemikalien, die als mögliche Ursache von Allergien und Unverträglichkeiten gelten und deren Wirkung im Körper, speziell aufs Gehirn, kaum erforscht ist.

          Schlechte Gerüche nicht ignorieren

          Ökologisch Bewusste greifen zu bewährten Hausmittel: Da stellt man eine Schale mit abgekochtem Essigwasser auf, tut Lavendelsäckchen in die Schränke, saugt Kaffee auf, wenn der Staubsauger stinkt, oder schüttet Backpulver in müffelnde Sportschuhe. Doch richten diese Maßnahmen nichts aus und riechen die Räume weiterhin unangenehm, gibt es wahrscheinlich gravierende Gründe.

          Kommen Bewohner aus dem Urlaub in die wochenlang verschlossene Wohnung zurück, fällt ihnen besonders auf: Es müffelt irgendwie komisch. "Wenn es zu Hause auf Dauer schlecht riecht, ist das meist ein Zeichen, dass etwas nicht stimmt", sagt Diplomingenieur Mathias Heine, der als Bausachverständiger in Kreischa bei Dresden tätig ist und sich mit Gerüchen gut auskennt. "Dem sollte man nachgehen, die Ursache finden und konsequent beseitigen." Den unangenehmen Geruch empfinden Bewohner nicht nur als belästigend, er könne auch darauf hinweisen, dass gesundheitsschädliche Schadstoffe, Gifte oder Schimmelsporen durch den Raum schwirren. "Als Erstes sollte man sich fragen: Was hat sich verändert, seit die Gerüche aufgetreten sind?", ergänzt Clemens-Ströwer. Vielleicht gab es in letzter Zeit eine Sanierung, bei der etwas schiefgegangen ist, oder der Bewohner nutzt die Wohnung anders als zuvor?

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