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Schlag auf Schlag : Das Spiel der Golf-Extremisten

  • -Aktualisiert am

Mag der Start noch schwungvoll ausfallen – nach 100 Grüns sind Geist und Körper des Hulopo-Helden schwer aus der Bahn geraten. Bild: Alex Westhoff

Golf ist kein Sport? Der Hundert-Loch-Pokal beweist, dass es doch so ist. Ein Tag jenseits des grünen Bereichs.

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          Einer nach dem anderen, in theatralisch weiten Sätzen, springen sie hinein in die dunkle Tunke. Wie eine La-Ola-Welle der Frösche. Was streunt auch dieser Mann mit kurzer Hose im Morgengrauen dort am Ufer umher? Ist in diesem Teich jemals vor sechs Uhr in der Früh ein Golfball versenkt worden?

          Dreizehneinhalb Stunden später. Derselbe Teich, in warmes Abendlicht getaucht, die Frösche singen ihr Abendlied. Derselbe Mann mit kurzer Hose sucht seinen Ball am Ufer. Findet ihn nicht. Es macht ihm längst nichts mehr aus. Nimmt er halt einen neuen. Hinstellen, gucken, ausholen, schlagen – so selbstverständlich geworden wie atmen und schlucken. Der neue Ball fliegt und fliegt und landet dort, wo Brennnesseln bauchnabelhoch stehen. Er sucht ihn gar nicht erst. Macht nichts, neuer Ball. Sein Spiel ist verkümmert, zerbröselt, von der Sonne verdorrt, in Einzelteile zerlegt. An den Unterschenkeln klebt ein Mus aus Gras, Insektenkadavern und krümelig gewordener Sonnencreme. Es sind noch immer über 30 Grad. Und noch immer liegen zig Spielbahnen vor mir. Ist das noch Golf oder schon Ironman?

          Ein zackiger Schmerz durchzuckt die Wade. Tatsächlich, der Vorbote eines Krampfs! Beim Golfspielen! Ein Wadenkrampf beim Golf ist in etwa so lächerlich wie Muskelkater vom Schachspielen oder Dehydrierung beim Kegeln. Schließlich ist Golf ein Auto oder eine Meerenge, aber gewiss kein Sport. Golf ist ein spielerischer Spaziergang älterer, superreicher Herrschaften, die karierte Hosen tragen. Ein elitärer Freizeitvernichter für diejenigen, die nicht wissen, wohin mit ihrer Zeit und ihrem Geld. Oder? So, dann hätten wir die Klischees mit unendlichem Haltbarkeitsdatum und unzureichendem Wahrheitsgehalt schon mal abgehandelt.

          Hulopo als mentale Grenzerfahrung

          Nur: Das hier hat mit Golf, wie man es kennt oder zu kennen glaubt, nichts zu tun. Das hier ist Hulopo! Hulopo ist Neuland, mental; Hulopo ist eine Grenzerfahrung, körperlich. Der erste Hulopo ist wie der erste Autokauf, Kuss, Job oder Marathon – den vergisst man nicht.

          Hulopo steht für Hundert-Loch-Pokal. 100 Spielbahnen an einem Tag. Eine sehr rare und sehr spezielle Golfturnierform, aber eine mit Tradition. Die Idee hatten 1966 fünf Männer an der Theke. Wie kann es anders sein: eine Schnapsidee.

          Man sollte früh anfangen. Otto-Normal-Golfer planen für eine 18-Loch-Runde dreieinhalb bis viereinhalb Stunden ein. Für einen Hulopo sind fünfeinhalb Runden zu absolvieren. Man sollte also auch flott unterwegs sein. Hulopos finden sinnvollerweise immer Ende Juni statt, wenn die Tage am längsten sind. Jährliche Ausgaben gibt es nur im Hamburger Golfclub Falkenstein und im Stuttgarter Golfclub Solitude.

          „Keine Ahnung, was mich erwartet“

          Ich stehe also an einem Dienstagmorgen um kurz vor fünf am Morgen auf dem Parkplatz der Anlage in Mönsheim, 25 Kilometer nordwestlich von Stuttgart gelegen. Den Kofferraum baue ich um zu einem Versorgungszentrum. Ich drapiere all die Wasserflaschen mit dem isotonischen Pulver, die Müsliriegel, das Trockenobst, die Reservebälle, die Wechselschuhe und -socken. Es wirkt wie die Vorbereitung eines Ultramarathons oder einer Expedition in unbekanntes Terrain. Ist es ja auch. 100 Löcher an einem Tag sind mehr als ich Gelegenheitsgolfer bisher in diesem Jahr gespielt habe. Es ist ein Gefühl von: "Keine Ahnung, was mich da erwartet, aber Bock drauf."

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