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Salvini in Strandlaune : Der italienische Innenminister gibt sich volkstümlich

Am Strand: Matteo Salvini posiert auf einem Polizei-Jetski. Bild: dpa

Der Populist Matteo Salvini mischt sich unters Strandvolk – und sieht aus wie das Strandvolk. Das soll ihm dann bei allfälligen Wahlen möglichst zahlreich seine Stimme geben. Sein Sohn leistet sich allerdings einen Fehlritt.

          Der August ist Ferienzeit in Italien. Alle Welt ist am Strand, auch die Politik. Innenminister Matteo Salvini von der rechtsnationalistischen Lega verbrachte das vergangene Wochenende in Milano Marittima in der Nähe von Cervia an der Adria. Das Seebad verdankt seine Entstehung und seinen Namen dem Umstand, dass vor gut 100 Jahren das Städtchen Cervia, das seinerzeit noch von der Fischerei und der Saline lebte, einen langen Abschnitt seines Sandstrandes an die feine Gesellschaft von Mailand verpachtete: Das „maritime Mailand“ war geboren.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Heute ist Milano Marittima einer der renommiertesten Badeorte an der Adria, womöglich in ganz Italien. Jedenfalls rühmt sich der dortige „Papeete Beach Club“ seit rund zwei Jahrzehnten, der „berühmteste Strand Italiens“ zu sein. In dem Strandclub feierte am Samstag auch der Mailänder Salvini, ordnungsgemäß mit nacktem Oberkörper und geröteten Schultern. Er versuchte sich zudem als Gast-DJ und zeigte sich sichtlich beeindruckt von den wiegenden Hüften der Strandtänzerinnen.

          Die Volkstümlichkeit des Populisten Salvini ist kalkuliert. Er mischt sich unters Strandvolk – und sieht aus wie das Strandvolk. Das soll ihm dann bei allfälligen Wahlen möglichst zahlreich seine Stimme geben. In der norditalienischen Region Emilia-Romagna, wo Milano Marittima liegt, finden bald Regionalwahlen statt. Salvinis Lega könnte dabei der Linken die Herrschaft über die seit Jahr und Tag „rote“ Emilia-Romagna entreißen.

          Nah an der Basis: Matteo Salvini

          In den italienischen Medien werden die Bilder vom halbnackten Innenminister von heute mit den legendären Fotos des damaligen Ministerpräsidenten Aldo Moro aus dem Jahre 1961 gegenübergestellt: Der hatte sich in Anzug und Krawatte, an der Seite von Töchterchen Agnesa im Sommerkleid, am Sandstrand von Terracina ablichten lassen. Der betreffende Strandabschnitt der Küstenstadt in Latium ist heute nach Aldo Moro benannt.

          Auch Salvinis 16 Jahre alter Sohn Federico war jüngst in den italienischen Schlagzeilen. Er hatte sich am vorletzten Wochenende in Milano Marittima von einem Polizeibeamten auf dessen Jet-Ski zu einer Spritztour aufs Meer hinausfahren lassen. Der Ausflug war von einem Mitarbeiter der linksliberalen Tageszeitung „La Repubblica“ beobachtet und protokolliert worden. Nicht nur die Opposition zeigte sich empört: Polizisten seien schließlich für die Sicherheit des Landes, nicht für die Bespaßung von Familienmitgliedern ihres obersten Dienstherren zuständig. Der Innenminister musste sich entschuldigen. Er übernehme die volle Verantwortung für „meinen Fehler als Papa“, teilte Salvini mit. Den betroffenen Polizisten, gegen welche die Quästur eine Untersuchung wegen missbräuchlicher Nutzung eines Dienstfahrzeugs einleitete, dürften aus dem Vorfall keine Nachteile erwachsen, bat der Minister.

          Für nachhaltige Zerknirschung sorgte die Jetski-Causa bei Salvini nicht: Eine Woche darauf präsentierte er sich im „Papeete Beach Club“ am Strand von Milano Marittima schon wieder in bester Feierlaune.

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