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Restaurierte Gutshäuser : Herrenhaus als Lebensform

Auch Andrea Ruiken-Fabich ist Architektin und hatte nur ein unscharfes kleines Foto, anhand dessen sie sich in das Gutshaus von Schmarsow nahe dem vorpommerschen Demmin verliebte. Die Liebe hatte damit zu tun, dass sie der Barockbau aus dem Jahr 1690 an ihre fränkische Heimat erinnerte, und sie hatte mit ihrem Mann Falk Fabich zu tun. Fabich kaufte das Haus auf einer Auktion. Als Hochzeitsgeschenk. Als Wissenschaftsmanager ist er bekannt geworden, viele Jahre lang unter anderem bei der Max-Planck-Gesellschaft. Fabich leitete den Forschungsverbund Berlin und arbeitete für die Leibniz-Gemeinschaft. Er ist ein hochgewachsener Mann und genießt die hohen Räume in Schmarsow, die großen Fenster und Türen, die weitläufige Diele mit dem großen Kamin.

"Wo immer man hier hinschaut, es ist schön."

Die Tafel im Speisezimmer hat 16 Plätze. Hier lasse sich wunderbar über Politik und Wissenschaft diskutieren, sagt Fabich. Im Saal gibt es manchmal Konzerte. Der eine Flügel des Hauses bietet Ferienwohnungen, jede von ihnen sieht anders aus. Fabich liebt den Trubel. Seine Frau hingegen liebt das Haus vor allem um seiner selbst willen, wenn es still darin geworden ist und sie das genießen kann, was ihr über die Maßen gefällt - die Geschlossenheit, die schönen Proportionen, die solide Handwerkerarbeit. "Wo immer man hier hinschaut", sagt sie, "es ist schön."

Mehr als eine Million Euro sind in das Haus geflossen, auch Fördergelder. Es wäre aber falsch anzunehmen, dass allein Gutbetuchte sich solche Häuser leisten könnten. Die Ganzower beweisen, dass es auch anders geht. Was die heutigen Besitzer eint, sei ein Lebensgefühl, sagt Fabich. Respekt gegenüber den Vorfahren, Liebe zum Alten, die Freude an der Landschaft, das Gefühl, etwas für die Umgebung zu tun. Familie Bassewitz in Dalwitz kümmert sich - bei drei Kindern auch aus eigenem Interesse - um die Grundschule im Nachbarort und der Graf im Stiftungsbeirat auch gleich um alle 17 evangelischen Schulen im Land. Gräfin Lucy arbeitet einige Stunden in der Woche als Hilfslehrerin. Reimanns Tochter Wiebke kümmert sich ehrenamtlich um die Freie Schule in Dreschvitz und die Kirchgemeinde Schaprode. Die Fabichs gehören zu einer Bürgerinitiative gegen "Tierfabriken" und sehen mit Unwillen, wie in ihrer Umgebung immer mehr Windanlagen entstehen. Petra Sauer hat in Schönhausen die Kinderfeste organisiert, als es dort noch Kinder gab. Die Stürkens sind zu einem wichtigen Arbeitgeber geworden. Das Gutshaus Ganzow und das Künstlerhaus Plüschow sind die kulturellen Mittelpunkte in ihren Dörfern.

Und dann gibt es Gutsanlagen, die so groß sind, dass ein privater Investor sie nicht retten könnte. Das merkwürdigste Herrenhaus überhaupt, eine Barockanlage nahe der Ostsee bei Klütz, wurde vom Land Mecklenburg-Vorpommern erworben, restauriert und zu Pfingsten eröffnet. Benannt ist die Anlage nach ihrem Bauherrn, der nie dort wohnte und vor der Fertigstellung starb: Hans Caspar Graf von Bothmer, einem in London lebenden Diplomaten des 18. Jahrhunderts in kurhannoverschen Diensten, der in Downing Street 10 lebte. Mit Bothmer wollte er sich unsterblich machen. Und siehe da: Es ist ihm gelungen.

Literaturhinweise

Die Herrenhaus-Forscherin Sabine Bock hat in einem drei Bände umfassenden Standardwerk sämtliche "Herrschaftlichen Wohnhäuser" im früheren Mecklenburg-Strelitz beschrieben. Dem Schloss Plüschow hat sie eine eigene Monografie gewidmet. Beide Bücher sind im Schweriner Thomas-Helms-Verlag erschienen.

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