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Restaurierte Gutshäuser : Herrenhaus als Lebensform

Das Gutshaus in Schönhausen (nicht zu verwechseln mit Bismarcks Geburtsort in Sachsen-Anhalt) passte besonders gut zu ihren Vorstellungen. Erbaut wurde es 1842 von Friedrich Wilhelm Buttel, einem Hofarchitekten, der das Herzogtum Mecklenburg-Strelitz geprägt hat. Das Gutshaus liegt als einziges Gebäude direkt am See und war mit den breiten Dielen, den Flügeltüren und den hohen, lichtdurchfluteten Fenstern noch ziemlich gut erhalten. In der DDR-Zeit war es als Schule genutzt worden, die Eingangshalle diente als Turnhalle. Sauer und Schmidt, die sich in Hamburg in einer Werbefirma kennengelernt hatten, beschlossen, das Gutshaus im unbekannten Niemandsland zwischen Mecklenburg, Vorpommern und Uckermark zu kaufen.

Sie zogen nach Schönhausen, bauten fünf Ferienwohnungen im Gutshaus aus und sich selbst eine eigene Wohnung - denkmalpflegerisch perfekt und ohne sich größere Eingriffe in die Raumstruktur zu erlauben. Das macht die Wohnungen angenehm weitläufig. 2003 kamen die ersten Gäste. Viele von ihnen reisen inzwischen jedes Jahr an, Schriftsteller, Maler, Journalisten, Manager. Mancher Künstler hat eines seiner von Schönhausen inspirierten Werke hinterlassen, an den Wänden der Ferienwohnungen, in den Fluren, im Park. Die Stille wirkt überwältigend. Dabei liegt Schönhausen nahe der Küstenautobahn 20 und ist von Berlin und Hamburg aus gut zu erreichen.

Nicht aus jedem Schloss, jedem Herren- oder Gutshaus kann eine Ferienanlage werden. Dafür sind es zu viele, etwa 2000 allein in Mecklenburg-Vorpommern. Viele von ihnen verfallen, etwa 100 gelten als akut bedroht. Jede Nutzung hilft. Plüschow wurde von Künstlern gerettet. Plüschow war tatsächlich ein Schloss, das Gut gehörte dem Erbherzog Friedrich Ludwig zu Mecklenburg. Von den alten Schätzen der Innenausstattung sind nur noch Reste zu sehen: ein Stück bemalte Tapete, zwei Öfen, Ofenfragmente, ein Tisch, die zweiläufige imposante Holztreppe, die Rokoko-Stuckdecken. Der Kunststudent Udo Rathke, gleich um die Ecke in Grevesmühlen aufgewachsen, entdeckte das Schloss in den achtziger Jahren und zog kurzerhand in zwei Räume ein. Rathke bekam viel Besuch von Künstlerfreunden. Auch die in Prag geborene Miro Zahra reiste so erstmals nach Plüschow, verliebte sich in die Endmoränenlandschaft, die sie an ihre böhmische Heimat erinnerte - und in den "Schlossherren" gleich mit. Sie blieb.

Heute leben sie im Gutshaus als Großfamilie

"In den Wintern sind uns fast die Füße erfroren", erzählt sie. "Die Fenster fielen heraus. Es zog überall, oben auf dem Boden standen Eimer, weil das Dach nicht dicht war. Aber wir haben das Haus geschützt, einfach weil wir da waren." Nach dem Ende der DDR wurde Rathke für kurze Zeit Bürgermeister des Dorfs. Ein Kunstverein wurde gegründet, mit dem die Gemeinde einen Nutzungsvertrag schloss. Heute ist Plüschow ein Künstlerhaus, Stipendiaten aus aller Welt bewohnen die oberen Räume, die unteren sind von Ostern bis Ende Oktober für Ausstellungen geöffnet. "Eine abenteuerliche Schleuse raus aus der Urbanität", schrieb einer der Stipendiaten.

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