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Restaurierte Gutshäuser : Herrenhaus als Lebensform

Inzwischen lebt das Paar seit fast einem Vierteljahrhundert in den Tiefen Mecklenburgs. Drei Kinder sind hier geboren. Das Herrenhaus, in das die Familie 1992 einzog, war zu DDR-Zeiten - wie viele solcher Häuser - Dorf-Konsum, Kindergarten, Altenheim. Am Ende der DDR glich es mehr einer Ruine als einem Haus. Heute leuchtet es schon von weitem hell durch die Bäume.

Die wenigsten Herrenhäuser allerdings haben heute noch mit Landwirtschaft zu tun. Viele sind Ferienanlagen geworden. Einige nennen sich Schlosshotels, obwohl der Begriff Schloss nur für Häuser einst regierender Familien gilt. Und manches Schlosshotel ist inzwischen weit über Mecklenburg-Vorpommern hinaus bekannt. Stolpe etwa mit seinem Sternerestaurant, bei Anklam in Vorpommern gelegen. Kurt Stürken brauchte nicht die Erzählungen seiner Familie, er ist hier aufgewachsen und hat die Flucht 1945 miterlebt. Auch er erwarb den alten Familienbesitz zurück, erst durch Pacht, dann durch Kauf. Stürken spricht vom "wiedergewonnenen Familienbesitz". Vor allem aber, sagt er, sei es ihm darum gegangen, "etwas für den Wiederaufbau im Osten zu tun".

"Als wir in der Mohnblüte durch das Land fuhren, hatten wir Tränen in den Augen"

Hotel und Restaurant wurden 1996 eröffnet. Ein Jahr später war der erste Stern erkocht, seitdem wird er verteidigt, mit wechselnden Köchen. Gerade ist das Björn Swanson abermals gelungen. 1997 kauften die Stürkens noch den "Fährkrug", einen der ältesten Gasthöfe in Mecklenburg-Vorpommern, nur wenige Schritte vom Gutshaus entfernt und malerisch an der Peene gelegen. In Stolpe lässt sich romantisch heiraten. Alexander Otto, der jüngste Sohn des Versandhausgründers aus Hamburg, hat es ausprobiert. Von der in einer Achse liegenden kleinen neogotischen Kirche bis zum Gutshaus zog sich bei der Hochzeit damals über mehrere hundert Meter ein roter Teppich. Und auch Moritz heiratete 2001 hier, Stürkens jüngster Sohn. Vater Stürken, 80 Jahre alt, will seinen vier Söhnen Stolpe einmal so übergeben, wie er ihnen seine Firma in Geesthacht bei Hamburg schon übergeben hat: als erfolgreiches Unternehmen. Man kennt die Firma: "Leuchtturm" verkaufte ursprünglich vor allem Briefmarkenalben, später kamen Schreibwaren hinzu und seit einiger Zeit ein Versandhandel für schöne und teure Dinge namens "Torquato". Inzwischen gibt es eigene Filialen.

Petra Sauer und Peter Schmidt hatten nicht so eine Bindung an den Osten wie Bassewitz und Stürken. Sie wollten Anfang der neunziger Jahre nur den neu gewonnenen Osten kennenlernen. Dann verliebten sie sich in die stille, weite Landschaft Mecklenburgs. "Als wir in der Mohnblüte durch das Land fuhren, hatten wir Tränen in den Augen, so schön fanden wir das", erzählt Petra Sauer. Die Unterkünfte aber gefielen ihnen nicht. Und da sie beide ohnehin ihr Leben ändern und den hektischen Alltag in der Großstadt Hamburg hinter sich lassen wollten, kamen sie auf die Idee, Ferienwohnungen anzubieten.

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