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Regisseur Marc Munden : „Die subtropischen Pflanzen fanden wir in Cornwall“

Spielt wie eine Erwachsene: Regisseur Marc Munden im Gespräch mit Dixie Egerickx Bild: AP

„Der geheime Garten“ erzählt die Geschichte eines kleinen Mädchens, dessen Phantasie Pflanzen zum Blühen bringen kann. Für den Dreh ist das Filmteam um „Utopia“-Regisseur Marc Munden durch ganz Großbritannien gereist.

          3 Min.

          Guten Morgen Herr Munden, Sie führen dieses Zoom-Gespräch von zu Hause aus?

          Maria Wiesner

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Oh ja, ich bin zu Hause in Nordlondon.

          In Deutschland sind Sie für „Utopia“ bekannt, eine Thriller-Serie mit schwarzem Humor.

          Echt? Ich sitze hier direkt neben einem Poster davon. (Er deutet auf die Wand neben seinem Schreibtisch, an der das gelbe Plakat der Serie hängt.)

          Was hat Sie dazu bewogen, jetzt ein Kinderbuch auf die Leinwand zu bringen?

          Jack Thorne, der Drehbuchautor, ist daran Schuld. Ich habe mit ihm zuletzt für „National Treasure“ zusammengearbeitet, eine Fernsehserie über einen Komiker, dem mehrere Frauen Vergewaltigung vorwerfen – auch ein hartes Thema. Aber es war sehr angenehm, mit ihm zu arbeiten, das Drehbuch war großartig. Als er mir erzählte, dass er „Der geheime Garten“ adaptiert, war ich Feuer und Flamme.

          Haben Sie es als Kind gelesen?

          Nein, aber ich hab den Film von Agnieszka Holland aus dem Jahr 1993 gesehen. Der gefiel mir damals sehr gut. Und als ich nun das Drehbuch von Thorne dazu las, war es so komplett anders. Mir gefiel die Idee, dass es um vernachlässigte Kinder geht, um diejenigen, die nicht dazugehören. Es geht um Erlösung, darum, Freundschaften und Liebe in den Beziehungen zueinander zu finden. Und mir gefiel sehr gut, dass er die Kinder mit der gleichen Intelligenz geschrieben hat, wie sie den Erwachsenen Figuren zukommt. Sie müssen sich genauso durch ihre Erlebnisse arbeiten, wie es sonst die Erwachsenen müssen. Und es geht darum, was wir von den Kindern lernen können. All das macht die Geschichte auch heute noch interessant.

          Das Buch erschien 1911 zum ersten Mal und erzählt die Geschichte der kleinen Mary, die nach dem Tod ihrer Eltern von Indien zu ihrem Onkel nach England ziehen muss. Sie verlegen den Film ins Jahr 1947, warum?

          Das Buch verweist immer wieder auf Trauma und 1947 ist für Indien, wo die Geschichte unserer Protagonistin Mary beginnt, ein wichtiges Jahr. Es ist die Zeit der Abspaltung von Pakistan, es gab einen Exodus, viele Menschen versuchten über die neuen Grenzen zu kommen. Und vor diesem Hintergrund lässt sich die Geschichte noch plausibler erzählen. Es geht ja um traumatische Erlebnisse und deren Bewältigung.

          Lassen Sie uns ein wenig über den titelgebenden Garten sprechen. Sie haben hier kaum auf digitale Nachbearbeitung gesetzt, die meisten Aufnahmen sind an Originalschauplätzen entstanden – was man kaum glauben kann.

          Oh, es gibt durchaus ein paar CGI-Szenen, also computerbearbeitete Aufnahmen. Wenn die Kinder durch den Garten rennen und die Blätter der Bäume und Pflanzen auf ihre Stimmung reagieren etwa. Doch davon abgesehen, sind die anderen Aufnahmen in echten Gärten entstanden, die im Schnitt zu einem einzigen Schauplatz zusammengeführt werden. Wir haben dafür eine Vielzahl von großen Gärten in den unterschiedlichen Regionen Großbritanniens besucht. Es gibt da zum Beispiel diesen subtropischen Garten in Cornwall, an der Südküste dort herrscht ein Mikroklima, dass es tropischen Pflanzen erlaubt zu gedeihen. Der Teil mit dem Bergbach ist im Snowdonia Nationalpark in Nordwales aufgenommen. Und die Moore haben wir in der Gegend von Yorkshire gefunden, die sehr hoch liegt und kalt und karg ist. Einige Aufnahmen sind in einer alten römischen Eisenerzmine entstanden, wo seit 2000 Jahren kein Erz mehr geschürft wurde und sich die Natur seitdem ihren Lebensraum zurückerobert hat. Die Idee war, das alles zu einem grenzenlosen Garten zusammenzusetzen. Das steht zwar etwas dem Garten hinter den engen Mauern entgegen, von dem das Buch spricht und den frühere Verfilmungen zeigen, aber wir wollten den Garten als Teil von Marys Phantasie zeigen.

          Es gibt eine Szene, in der die Kinder unter übergroßen Rhabarberblättern hindurchlaufen wie durch einen Wald. Ist das echt?

          Das sind echte Mammutblatt-Pflanzen. Und wir hatten Glück, dass Dixie Egerickx, die die Hauptrolle in „Der geheime Garten“ spielt, noch so zierlich war.  Mittlerweile ist sie eine junge Erwachsene, aber zur Zeit des Drehs hat sie noch unter die Blätter gepasst. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass wir diesen Teil ganz naturalistisch drehen könnten, denn ich hatte gleich am Anfang das Bild im Kopf, wie sie unter den Blättern hindurchläuft. Und das hat geklappt.

          Klingt, als hätten Sie eine Kinderphantasie festgehalten.

          Und es war gar nicht so einfach. Diese Stengel sind ganz schön hart und stachelig, ein bisschen wie die Durionfrucht.

          War es schwer für diese Rolle die richtige Kinderdarstellerin zu finden, das Drehbuch verlangt ja, dass die Kinder sehr erwachsen spielen.  

          Ich vergesse immer die genaue Zahl, aber die Castingmitarbeiter hatten mehr als 1000 Kinder angesehen. Ich habe dann immer noch die Mitschnitte von hunderten Kinderdarstellern gesichtet und am Ende noch einmal ungefähr 70 eingeladen für die finale Entscheidung. Dixie war ein seltsames Amalgam, sie hatte noch das verspielte Kindliche, aber man konnte mit ihr wie mit einer Erwachsenen reden. Das machte die Regiearbeit sehr einfach. Wenn sie über die Rolle sprach, redete sie von Mary in der dritten Person. Obwohl sie damals gerade einmal zwölf Jahre alt war, konnte sie bereits bewusst entscheiden, sich in den Charakter, den sie spielt, zu begeben. Ein unfassbar waches, aufmerksames Mädchen.

          Eine kleine Abweichung zum Buch haben Sie sich erlaubt. Sie haben statt eines Fuchses, der Mary den Weg zum Garten weist, einen Hund genommen. Warum?

          Haben Sie mal versucht, einen Fuchs zu trainieren? Wir haben darüber nachgedacht, einen zu besorgen, der die Erfordernisse der Rolle erfüllen würde. Aber das war zu umständlich. Und der Hund konnte bereits alle Tricks, die wir brauchten. Er kam ans Set gehumpelt, obwohl er nichts hatte, wie sein Trainer uns dann versicherte. Er beherrschte es einfach, so zu tun, als wäre sein Bein verletzt. Das ist für die Szene ja sehr wichtig. Also haben wir ihn auf der Stelle gecastet.

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