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Picknick im Herbst : So wird es auch im Wald muckelig

Bild: Imago

Auf zum Picknick! Im Sommer kennt das jeder. Im Herbst aber macht es Kindern mindestens genauso viel Spaß. Dafür genügen mit der richtigen Vorbereitung wenige Handgriffe.

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          Allmählich wird es draußen kühl und nass. Doch das heißt nicht, dass die Familie sich in den eigenen vier Wänden verkriechen muss. Auch im Herbst können kreative Eltern eine Mahlzeit im Freien zum Erlebnis für ihren Nachwuchs machen.

          Am besten in den Wald

          Ursula Kals

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.

          Wo findet sich der schönste Platz zum Picknicken? Wer wenig Zeit hat, der breitet einfach die Decke im Garten aus. Das ist besser als nichts. Kinder finden es aufregend, Ungewohntes zu tun; im Schneidersitz bei Nieselregen draußen zu hocken ist für die Generation Nintendo schon ein Ereignis. Schöner ist es, mit dem Bollerwagen in den nächsten Stadtteilpark zu ziehen oder Richtung Schrebergarten. Inzwischen dürfte fast jeder eine junge Familie kennen, die sich dort eingemietet hat. Noch beglückender ist ein Ausflug in den Wald. Denn der Wald ist tatsächlich ein wunderschönes Naherholungsgebiet, das wird heutzutage nur flotter besungen: Da entdecken C-Promis das Wandern, da hält sich das Rauschen der Wipfelkronen in den Bestsellerlisten, und da sagen Psychologen, dass hibbelige Kinder vom Naturerlebnis profitieren und beim Kastaniensammeln Stress abbauen. Und alle haben recht.

          Vom Austoben in der Natur profitieren Kinder sehr, sagen Psychologen. Am besten in herbstlichen Wäldern.

          Vom Schönreden des Regens

          Ein Herbstpicknick ist gerade deshalb exotisch und einmalig, weil eben nicht im Sommerwiesenrausch die Sonne gleißt. Bei Sonnenschein kann jeder - bei nasskaltem Regen hilft nur Schönreden mit dem abgenutzten Spruch: „Schlechtes Wetter gibt es nicht, nur falsche Kleidung.“ Die Kinder haben sich aufs Schmuddelpicknick gefreut, die Freunde wären fürchterlich enttäuscht, ausgeladen zu werden. Da müssen die Großen jetzt durch, vielleicht kann man noch sportliche Nichten, dynamische Paten oder andere Kinderlose als Begleitpersonal einspannen. Oft lassen gerade sie sich auf Unkonventionelles ein.

          Es ist eine Binse, aber bewährt: Bei der Kleidung auf den Zwiebellook setzen, die Kleinen schlüpfen in Matschhosen, die Erwachsenen streifen, falls vorhanden, Regenhosen über, das gereicht optisch nicht zur Freude, sondern zum Hüftgold, aber lieber unförmig statt feucht feiern. Außerdem stört es Eichelhäher und Specht herzlich wenig, wie diejenigen gewandet sind, die unter ihnen wuseln. Ersatzsocken für die Heimfahrt kann man übrigens nicht genug vorrätig halten.

          Bei herbstlichem Regenwetter kommt es auf die richtige Kleidung an: Bei Kindern sind Matschhosen beliebt.

          Improvisierte Ausrüstung

          Picknickdecken einpacken, die gab es im Sommer billig beim Discounter oder gibt es ganzjährig in Campingabteilungen, Hauptsache, sie sind auf einer Seite mit Folie beschichtet. Zur Not tun es auch geräumige Plastiktüten, etwa karierte Osteuropatüten oder die blauen von Ikea, die man unter Fleecedecken packt, damit sie nicht durchweichen. Auch faltbare Sitzkissen sind nicht nur was für Senioren. Mehrere Decken einpacken - die leisten später gute Dienste beim Hüttenbauen im Wald.

          Hüttenzauber mit Lakendach

          Denn wir brauchen ein Dach über dem Kopf; auch wenn es nicht stürmt, ist das schön muckelig und ein attraktiver Teil des Picknick-Projekts. Packen alle mit an, sind aus stabilisierenden Ästen und Zweigen rasch Hütten gebaut oder eben das, was Fünfjährige unter gelungener Architektur verstehen mit Farnwedelfassaden und Kriechtunneleingang. Decke oder ausrangiertes Laken drüber, schon stellt sich im Zwergendorf ein Wigwamgefühl ein. So, als wäre das Wort Hüttenzauber eigens dafür erfunden. Ein Tipp für Baufaule: Praktisch sind regendichte Planen aus dem Baumarkt, die man zwischen Bäume spannt, Ösen sind vorgestanzt. Oder man nimmt Wurfzelte, die jüngst die Strände eroberten. Mit wenigen Griffen entsteht so ein windiges Dach über dem Kopf. Auch Strandmuscheln schützen gegen Wind. Irgendwann kapitulieren die dünnen Wände zwar vor heftigem Prasselregen. Aber dann ist es ohnehin Zeit, die Zelte abzubrechen.

          Suppe aus der Thermoskanne

          Draußen essen, noch dazu im Schneidersitz, lieben alle Kinder. Toben im Freien macht hungrig. Jetzt schlägt die Stunde der Thermoskanne. Auch Henkelmänner, die es aus Protest gegen den Plastikwahn wieder zu kaufen gibt, lohnen die Anschaffung. Kannen mit heißem Kakao und Kinderpunsch füllen, der wird aus einem Mix aus Apfelsaft, Wintertee und Zimtstangen gekocht.

          Aus Trauben lassen sich Obstspieße herstellen.

          Daheim wird Suppe zubereitet, etwa Nudelsuppe, eine cremige Kartoffelsuppe oder die in diesen Wochen unvermeidliche Kürbissuppe. Suppen halten sich in der Thermoskanne zumindest lauwarm. Das ist allemal spannender, als nur Stullen einzupacken. Die gibt es natürlich auch. Möglichst klein und fein. Zum Beispiel halbierte Laugenstangen oder Roggenbrötchen, belegt mit Mozzarella, Schinken, Gurken, Tomaten. In ungewohnter Umgebung stehen die Chancen gut, dass auch Gemüseverweigerer zulangen. Statt der üblichen Apfelschnitze peppen Obstspieße das Naturbuffet auf. Die Kinder helfen mit und spießen Trauben, Birnen, Pflaumen, was halt Saison hat, auf Schaschlikstäbe.

          Muffins gehen immer. Waffeln werden heiß geliebt, auch wenn sie längst erkaltet sind. Wer gerne backt, tut das am Vortag des Ausflugs. Wer dazu weder Zeit noch Lust hat, der langt ins Süßwarenregal und entledigt sich des Do-it-yourself-Drucks mancher Vorzeigeeltern. Wenn Supermutti mag, kann sie ja um fünf Uhr in der Küche stehen und Cupcakes zaubern. Wir gönnen uns lieber eine Mütze Schlaf und sammeln Kraft für später. Und das Kinderglück hängt weiß Gott nicht davon ab, ob die Waffeln eigenhändig angerührt - oder mit Liebe gekauft sind.

          Im Glanz des Feuers

          Wie war das eigentlich in den siebziger, achtziger Jahren? Einer hatte Streichhölzer dabei und machte ein Feuerchen an. Daheim wurde zwar kritisch nachgefragt, weshalb die Cordhose so geräuchert roch, aber das war’s. In den Top Ten der Kindheitserinnerungsverklärung taucht das illegale Kartoffelfeuer mit Sicherheit auf. Heute ist die unkontrollierte Zündelei undenkbar. Bevor ein Feuer entzündet wird, muss dafür die Genehmigung eingeholt werden. Ein Anruf bei der zuständigen Gemeinde klärt, wo was erlaubt ist. Wer das ignoriert und erwischt wird, zahlt bis zu 5000 Euro. Wer trotzdem auf das Herbstfeuer nicht verzichten möchte, kann den Ausflug zweiteilen: erst Toben im Wald, dann Grillen auf dem Spielplatz mit gemauerter Feuerstelle oder mit der Feuerschale im Garten. Dass ein Erwachsener das Feuer im Blick hat, ist selbstverständlich.

          Am besten hält man es wie beim Grillen: Einer ist Chef und hat die Verantwortung, dass sich kein Knirps zu nah ranwagt. Kartoffeln in Alufolie wickeln und in die Glut legen, das erfordert Geduld, bis die Knollen weich sind, die dann aber mit Salz unvergleichlich schmecken. Vorsichtshalber Kartoffeln vorkochen. Was schneller geht, zwar keinen Originalitäts-, aber den Beliebtheitspreis gewinnt, sind Stockbrot und Würstchen. Fürs finale Trappergefühl eine alte, möglichst gusseiserne Pfanne einpacken und Schupfnudeln aus dem Kühlregal, wahlweise mit Speck und Sauerkraut, erwärmen. Beim Pfannenhalten abwechseln. Das verheißt unübertroffene Romantik für Groß und Klein. Wer mag, schlitzt Bananen auf, bestückt sie mit Bitterschokolade und grillt das Ensemble.

          Spiele- und Basteltipps für den Tag im Wald

          Ein Ball muss mit. Der ist und bleibt ein Selbstläufer - oder ein Stimmungskiller, weil sich die Fußballnarren absetzen und die anderen außen vor bleiben. Deshalb nach der Halbzeit abpfeifen und zum Versteckspiel aufrufen; sich vorher waschtechnisch darauf einstellen, dass sich so mancher ausgiebig in Matschkuhlen suhlt.

          Klammerdiebe spielen. Jeder Mitspieler bekommt sechs Wäscheklammern an die Kleidung gesteckt. Nun schnappen sich die Kinder die Klammern gegenseitig weg. Wer selbst keine mehr hat, ist raus. Gewonnen hat der, der die meisten Klammern geschnappt hat.

          Den Animateur geben. Einer turnt temperamentvoll vor, springt in die Luft, rudert mit den Armen. Die anderen müssen nun genau das Gegenteil davon machen, also am Boden bleiben, die Arme an sich pressen. Wem es nicht gelingt, umzuschalten, der scheidet aus. Alle paar Minuten wechselt der Animateur.

          Fabeltiere aus Naturmaterial bauen gehört völlig zu Recht zum Programm jedes Kiga-Ökoseminars. Die Aufgabe: Grüppchenweise bauen Kinder ein Kunstwerk aus Material, das sie im Wald auftreiben. Die Fundstück- Favoriten des jüngsten Ausflugs: ein zauberhafter Eichhörnchen-Sportparcours mit Hängematte, Sprungturm und von Kastanien gesäumtem Vestibül, ein heiterer Waldschrat mit Astgeweih, Totholzleib und verstörender Knochennase; die offenkundig vom Biergarten nebenan entwendete Haxe löste Jubelschreie aus - aber nur bei den Kindern.

          Stichwort Sammeln: Blätter, Eicheln, Zapfen und Federn suchen, Zweige zu einem Kreis biegen, mit Bindfaden fixieren und die Schätze dranhängen. Fertig ist der Traumfänger und macht mehr Freude als Blätterbilder. Also Taschenmesser mitnehmen, Lupengläser und Taschenlampen - irgendwas wuselt immer in irgendwelchen Löchern, was beobachtet, nicht aber berührt werden kann.

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