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Penthouse : Endlich oben angekommen

Penthouse im neuen Wohnturm One 57 am New Yorker Central Park: Wer es sich leisten kann, zeigt sich und anderen, dass er es zu etwas gebracht hat. Bild: FRED R. CONRAD/The New York Time

Was unter dem Etikett Penthouse läuft, erzielt oft Spitzenpreise. Für viele hat die oberste Etage mit Ausblick die Villa als Statussymbol abgelöst. Dabei kann der Bauplatz Dach auch jenseits des Luxussegments interessant sein.

          In diesen Tagen kann man im Kino Leonardo Di Caprio in der Rolle des Aktienhändlers Jordan Belfort dabei zusehen, wie sich ein unbedarfter junger Mann aus Queens in den Wolf von der Wall Street verwandelt. Das skrupellose Verkaufsgenie scheffelt mit zweifelhaften Methoden Millionen und kauft sich zum Beweis seines Erfolgs als Erstes einen sehr teuren Sportwagen - und, na klar, ein Penthouse. Eben sah man den Filmhelden noch in einem schlichten Einfamilienhäuschen am Rand der Großstadt, nun steht er vor einer gewaltigen Fensterfront, die nicht nur den Blick auf die Wolkenkratzer von Midtown Manhattan, sondern, was fast noch wichtiger ist, auch in den Himmel freigibt. Der Zuschauer weiß in dem Moment, in dem der Film das schicke Dachgeschoss mit Terrasse als Belforts neues Zuhause zeigt: Jetzt ist der Broker im wahrsten Sinne des Wortes oben angekommen.

          Birgit Ochs

          Verantwortliche Redakteurin für „Wohnen“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Als Penthouse bezeichnet man eigentlich ein frei stehendes Haus auf dem Dach eines hohen Gebäudes. Doch international hat sich längst der Begriff für die oberste Etage eines vornehmen Wohnhochhauses durchgesetzt. Makler und Projektentwickler verwenden ihn zunehmend inflationär auch für luxussanierte Dachwohnungen oder für das Obergeschoss exklusiver Mehrfamilienhäuser, um den besonderen Charakter dieses Stockwerks zu betonen. Denn kein anderer Ort eines Wohnhauses verkörpert heute den Aufstieg eines Menschen so gut wie der ganz oben liegende Wohnraum, keiner ist so symbolisch: Platz an der Sonne, dem Himmel so nah, über allem stehen, sich von der Masse abheben - nur die oberste Etage der vertikalen Wohnwelt kann dieses Gefühl bieten.

          Lange galt: Wer oben wohnt, steht in der sozialen Hierarchie unten

          Dabei galt, seit der Mensch baulich in die Höhe strebt: Wer oben wohnt, steht in der sozialen Hierarchie (fast) ganz unten. Das war schon in den Mietshäusern der Römer so. Je weiter oben, desto mühsamer, sich mit Wasser zu versorgen. Viele Jahrhunderte später, in der Romantik, malte Spitzweg den armen Poeten in seiner Dachkammer. Wie er hausten dort mittellose Studenten, Dienstmädchen, schlecht verdienende Handwerker. Wohingegen die Herrschaften bevorzugt in der Beletage beziehungsweise dem piano nobile, dem ersten Obergeschoss, residierten.

          Aufsteiger: Leonardo Di Caprio (rechts) als Skandal-Broker Jordan Belfort - Protagonist des Films Wolf von der Wall Street. Bilderstrecke

          Doch auch nachdem der Amerikaner Elisha Graves Otis den absturzsicheren Aufzug Mitte des 19. Jahrhunderts erfunden hatte und damit der Bau von Wolkenkratzern vorankam, sollte es noch gut 100 Jahre dauern, bis das Penthouse zum internationalen Statussymbol avancierte. Der Architekturhistoriker Hans-Georg Lippert von der Technischen Universität Dresden datiert den Beginn der Penthouse-Mode auf das Ende der sechziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Und nicht in der Hochhaus-Stadt Chicago nahm sie ihren Ausgang, denn dort war reichlich Platz, um in der Fläche zu wachsen, sondern im vom Wasser umgebenen Manhattan. „Von Midtown ausgehend, nahm der Bau von Wohnhochhäusern eine rasante Entwicklung - vor allem auch in Städten wie Hongkong, Tokio oder São Paulo“, sagt Lippert. Im Wohnhochhaus, das sich als Gebäudetyp erst Jahre nach den Bürowolkenkratzern durchgesetzt hat, übernahm man die Ordnung des Vorbilds: Für den Chef das Zimmer mit der besten Aussicht.

          Lebenserfolg krönen

          „Die oberste Etage ist etwas für jene, die ihren Lebenserfolg krönen wollen“, urteilt der Projektentwickler Daniel Korn. Der Geschäftsführer der KSW Verwaltungsgesellschaft will in Frankfurts feinem Westend einen bald 50 Jahre alten und 13 Stockwerke zählenden Büroturm zum Luxusapartmenthaus umwandeln. Die Krönung des unter dem edlen Namen Onyx laufenden Vorhabens: ein auf dem Dach sitzendes ehemaliges Technikhaus, das umgebaut, mit mindestens einer, wenn nicht einer weiteren darunterliegenden Etage zusammengeschlossen werden soll und zu dem den Plänen nach eine 300 Quadratmeter große Terrasse gehört. Das Projekt sorgte dieser Tage für Aufsehen, weil ein Käufer für ein anderes Appartement fast 14 000 Euro je Quadratmeter gezahlt haben soll. Für Frankfurter Verhältnisse ist das ein Spitzenpreis. Er wolle nicht öffentlich darüber spekulieren, was womöglich das Penthouse einbringen könne, wehrt Korn die Frage nach seinen Preisvorstellungen ab, kommt dann aber auf München zu sprechen, wo Quadratmeterpreise für Penthousewohnungen von 23 000 Euro kursieren.

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