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Fahrradtour mit Paul Smith : By Bike

Mal gucken: An die Bar des Delaunay geht der Modemacher mit dem Fahrrad. Bild: Helmut Fricke

Den Designer Paul Smith lernt man am besten auf einer kleinen Radtour durch London kennen – wenn er nicht gerade davonfährt.

          Kleine Anmerkung vorab, Sir Paul: Sie sind jung, aber wir sind alt. Also bitte Vorsicht, bitte nicht so schnell fahren! „Nein, nein“, sagt er und lacht – und wirkt dabei so unbekümmert, als könnte er uns auf seinem mattschwarz lackierten schmalen Rennrad ohnehin nicht entwischen.

          Alfons Kaiser

          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Könnte ja auch sein. Vielleicht ist er gar nicht mehr im Training? Von Notting Hill aus, wo er wohnt, fährt er morgens nicht mehr mit dem Rad zur Arbeit in die Stadt. „Zu gefährlich. Und ich trage oft einen Anzug. Oder es regnet.“ Inzwischen nimmt er meist den Mini. Ein anderes Auto ginge gar nicht. Denn auf den Parkplatz neben dem Haus an der Kean Street, in dem seine Modemarke sitzt, passt genau – ein Mini. Oder ein Smart. Aber der wäre nicht so britisch. Also ein Mini.

          Und wie sieht jetzt das Programm aus? Ganz einfach: „Wir fahren hier um die Ecke, zum Aldwych-Theater, in dem gerade das Tina-Turner-Musical läuft, und dann weiter rund um Covent Garden.“

          Also los. Wir sitzen auf geliehenen Rädern mit der Werbe-Aufschrift „Santander“, als wären wir ein Geldlieferdienst. Er sitzt im grünen Anzug mit Fensterkaromuster auf dem Sattel seines Rennrads, fährt los und ruft noch „This is WC2...“, um die Gegend hier im Stadtteil Westminster korrekt zu benennen. Dann erstmal nur noch Knattern, Knistern, Rauschen auf dem Band. Am Rest seines Satzes hat sich das Mikrofon verschluckt.

          Eine Radtour mit Paul Smith in seinem Londoner Viertel, das klingt wie eine nette Idee. Schließlich sieht man von dieser Stadt oft nur den Untergrund. Und man erfährt vielleicht auch etwas über das Leben dieses unermüdlichen Zweiundsiebzigjährigen. Denn seine Karriere begann – mit einem Fahrradunfall.

          Liebe zum Radsport hält an

          In seiner Heimatstadt Nottingham fuhr der Siebzehnjährige, der die Schule schon verlassen hatte, in Kleiderläden jobbte und Radrennfahrer werden wollte, gegen ein Auto. Sechs Monate lang lag er mit komplizierten Brüchen im Krankenhaus. Seine Bettnachbarn: Kunststudenten, die den lebenshungrigen Jugendlichen nach der Entlassung in die Szene einführten. Sie stellten ihm auch ihre Kommilitonin Pauline vor – seit mehr als 50 Jahren ist er nun mit ihr zusammen. Paul und Pauline: klingt fast wie ausgedacht.

          Er kam vom Rad-Weg ab, verkaufte wieder Klamotten, eröffnete 1970 seinen ersten Laden in Nottingham und gründete eine Männermodemarke. Aber Fahrrädern blieb er trotzdem treu. Er sammelt Räder, historische Rennfahrertrikots und Radliteratur, er hat ein Radfahrerbuch geschrieben, und er fährt noch gern selbst. Sein Leben: noch immer ein Rennen.

          Auf geht’s: Neun Uhr morgens in London, aber Paul Smith ist längst bereit zu einer Tour.

          Aber im Winter fegt der Wind um die Ecken. Und Sir Paul auch. Gerade erklärt er das West End, das Theaterviertel, das hier beginnt, und schon sieht man nur noch seine fliegenden Rockschöße. Auf dem Band Knattern und Flattern, einmal immerhin ein Fahrradklingeln.

          Also hinterher. Kean Street, Drury Lane, Strand. Um die Ecke wartet er. Aber was heißt warten? Dieser Mann verliert keine Sekunde. „Da drüben“, sagt er, „das Bush House, wo der BBC World Service sitzt. Da, das Tina-Musical! Und hier das Delaunay!“ Das ist ein Café-Restaurant, vor dem jetzt schon eine Menschenschlange wartet, entweder, weil das Frühstück hier so gut ist, oder weil sich die Engländer einfach überall gerne anstellen.

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