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Oströhre des Alten Elbtunnels : Neues altes Denkmal unter der Erde

Wieder geöffnet: Erste Besucher durchqueren am Freitag die sanierte Oströhre des Alten Elbtunnels. Bild: EPA

Die Oströhre des Alten Elbtunnels ist wieder eröffnet worden. Die Sanierung hat mehr als doppelt so lange wie der Bau des gesamten Tunnels gedauert – auch die Kosten sind explodiert.

          Nach achteinhalb Jahren Sanierung ist am Freitag in Hamburg die Oströhre des Alten Elbtunnels wieder eröffnet worden. Schon am Nachmittag konnten Fußgänger die 426,5 Meter lange Fluss-Untertunnelung durchqueren. Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) bezeichnete das Bauwerk bei der Eröffnung als herausragende ingenieurtechnische Leistung. Es sei damals der erste Tunnel dieser Art in ganz Europa gewesen. Der 1911 fertiggestellte Elbtunnel war gebaut worden, um den Hafen- und Werftarbeitern als Verbindungsweg zwischen den Landungsbrücken und Steinwerder zu dienen. Auch Pferdefuhrwerke und Kraftfahrzeuge waren zugelassen. Heute, so Tschentscher, sei der St.-Pauli-Elbtunnel ein Denkmal, aber zugleich ein Verkehrsweg mit neuer Funktion für Fußgänger und Radfahrer.

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Allein die Sanierung der Oströhre, ursprünglich auf fünf Jahre veranschlagt, dauerte mehr als doppelt so lange wie der Bau des gesamten Elbtunnels zwischen 1907 und 1911. Auch die Kosten explodierten: Anfangs sollte die Restaurierung des seit 2003 unter Denkmalschutz stehenden Tunnels 16 Millionen Euro kosten. Nun hat allein die Sanierung der Oströhre fast 60 Millionen Euro gekostet. Ähnlich teuer soll die am 2. Juni beginnende Sanierung der Weströhre werden, die 2024 fertiggestellt sein soll. Man habe nun das Knowhow, heißt es von Seiten der Hamburg Port Authority (HPA). Darum rechne man damit, schneller fertig zu werden.

          Die Bauarbeiten gestalteten sich laut HPA „anspruchsvoller als gedacht“. Da keine Baupläne der von Otto Stockhausen geplanten Tunnelröhren mehr vorhanden sind, traten immer wieder Unwägbarkeiten auf, etwa Giftstoffe im Straßenbelag und Blei in den Fugen. Mehrfach mussten die Arbeiten unterbrochen werden. Zugleich wurde mit großer Detailliebe und handwerklicher Präzision gearbeitet: Die Kacheln, 360.000 an der Zahl, wurden aufwendig nachgefertigt, 1700 Stahlträger freigelegt, 200.000 Niet- und Schraubverbindungen erneuert. Sorgfältig restauriert wurden die 104 Lampen, die mit den glasierten Kacheln das Elbtunnel-typische Schummerlicht erzeugen. Hinzu gekommen sind 80 große Keramikplatten mit 14 unterschiedlichen, für den Hafen relevanten Tiermotiven.

          Bis Juni sind nun erstmals beide Röhren wieder geöffnet, unentgeltlich für Fußgänger und Radfahrer, die mit Fahrstühlen nach unten gebracht werden, und eingeschränkt auch für Autos, die für die hydraulisch betriebenen Fahrkörbe eine Gebühr von zwei Euro zahlen. Allerdings soll der Alte Elbtunnel, der seit Eröffnung des Neuen Elbtunnels in den siebziger Jahren zunehmend an Bedeutung verlor, nach dem Willen der rot-grünen Stadtregierung bald völlig autofrei werden.

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