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Ökoweinbau : Der Kampf um das Kupfer

  • -Aktualisiert am

Der Feind des Ökowinzers: Falscher Mehltau auf dem Blatt. Bild: dpa

Aufgrund von der Europäischen Union geänderten Pflanzenschutzverordnung fürchten Ökowinzer um ihre Existenz. Auf die prekäre Lage wurde mehrmals hingewiesen.

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          Es ist Geduld gefragt. Im Spätsommer, etwa drei Wochen vor Beginn der Hauptlese des Rieslings, Deutschlands wichtigster Rebsorte, legen die Winzer die Hände in den Schoß. Eine weitere Bekämpfung von Schädlingen und Pflanzenkrankheiten mit tiefenwirksamen Pflanzenschutzmitteln verbietet sich wegen der vorgeschriebenen Wartezeit vor der Lese.

          Oliver Bock

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

          Noch wäre jedes Urteil über den Weinjahrgang 2016 eine verfrühte Spekulation. „Es ist noch alles drin“, sagen Spitzenwinzer wie der Kiedricher Wilhelm Weil. Der Witterungsverlauf in den wenigen Wochen vor und während der Lese ist entscheidend für Ertrag und Güte.

          Während überwiegend konventionell wirtschaftende Winzer wie Weil der Lese gelassen entgegenblicken, fürchten Ökowinzer um ihre wirtschaftliche Existenz. Denn der verregnete Frühsommer hat den größten Feind der Reben, den Falschen Mehltau (Plasmopara viticola), in einem bislang unbekannten Ausmaß zur Bedrohung werden lassen.

          Pflanzenschutzverordnung änderte alles

          Bis vor drei Jahren hatten die Ökowinzer, die knapp acht Prozent der deutschen Rebfläche von 102.000 Hektar bewirtschaften, ein wirksames Instrument zum Schutz der Reben gegen den gefürchteten Pilz zur Hand: Kaliumphosphonat. Es löst auf den Blättern der Rebpflanze Resistenzmechanismen aus, die ihre Widerstandskraft erhöhen.

          Doch 2013 änderte die Europäische Union ihre Pflanzenschutzverordnung, und das bislang als Pflanzenstärkungsmittel etikettierte Kaliumphosphonat wurde als Pflanzenschutzmittel eingestuft. Damit war es für Ökowinzer tabu – obwohl es seit Mitte der achtziger Jahre als besonders geeignet galt, den Einsatz von Kupferpräparaten wirksam zu ergänzen und so deren Verwendung zu minimieren.

          Auch der ökologische Weinbau kann auf Pflanzenschutz nicht verzichten. Zwar gibt es gegen Schadinsekten rein biologische Bekämpfungsstrategien wie beispielsweise das Aufhängen von Pheromon-Ampullen gegen die Massenvermehrung des Traubenwicklers. Pilze wie Mehltau erfordern allerdings andere Mittel.

          Kupferpräparate als Mittel gegen Mehltau

          Die Erfahrungen der Winzer reichen dabei bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts zurück. Der Falsche Mehltau war um das Jahr 1880 aus Nordamerika nach Europa eingeschleppt worden – vermutlich im Zuge der Bekämpfung der Reblaus durch den Import resistenter amerikanischer Unterlagsreben. Die europäischen Reben erwiesen sich zum Leidwesen der Winzer als außerordentlich anfällig gegen den neuen Feind des Ertragsweinbaus.

          Die Winzer wehrten sich zunächst mit der sogenannten Bordelaiser Brühe, einer Suspension von gebranntem Kalk in wässriger Kupfersulfatlösung, die sich seit 1885 als erstes wirksames Fungizid bewährte.

          Seitdem gelten Kupferpräparate als Mittel der Wahl gegen den Mehltau. Doch Kupfer ist ein Schwermetall – und sein Einsatz deshalb ein wunder Punkt in jeder Diskussion über ökologischen Weinbau.

          Ohne Kupfer aber geht es nicht. Von den Unmengen, die bis zum Zweiten Weltkrieg und teilweise auch noch danach im Weinbau eingesetzt wurden, sind die Winzer immerhin längst abgekommen.

          Kupfereinsatz stetig minimieren

          Es gibt in der Politik und in der Bioweinbranche einen Konsens, den Kupfereinsatz stetig zu minimieren und intensiv nach Alternativen zu forschen. Kaliumphosphonat erwies sich da als ideales Kombinationsmittel.

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