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Der Wandertipp für Rhein-Main : Nicht nur Räuber

  • -Aktualisiert am

Über ein Tretrad blickt man von Burg Bartenstein auf Partenstein. Bild: Thomas Klein

Der Spessart war anders als sein Ruf. Kulturwege wie der „Fuhrleute und Wallfahrt“ erhellen Seiten jenseits von Wipfelrauschen und Wilddieben.

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          Wenn im allgemeinen Bewusstsein der Spessart für etwas steht, dann seinen Waldreichtum. Historisch scheint das nur folgerichtig, nachdem die Mainzer Erzbischöfe als größter Eigner kaum Niederlassungen erlaubten und allenfalls Jagdfrönern oder Forstarbeitern ein karges Auskommen gestatteten. Schließlich tat die populäre Vorstellung der Hauffschen Spessarträubern ein Übriges, den Mythos einer urwüchsigen Landschaft zu prägen.

          Oder war es anders? Fern der Klischees von Wipfelrauschen und Wilddieben erweist sich das Mittelgebirge seit dem Wirken des 1998 begründeten „Archäologischen Spessart-Projekts“ (ASP) als ein Raum, der über Jahrtausende besiedelt und verändert wurde. So massiv, das schon zur Jungsteinzeit übernutzte Böden erodierten und noch im 18. Jahrhundert wegen zahlloser Meiler und Glashütten Holzmangel herrschte. Erst als der stark zurückgehende Brenn- und Baustoffbedarf von 1820 an nachhaltiges Wirtschaften ermöglichte, wuchs zwischen Main, Sinn und Kinzig eines der dichtesten Waldgebiete Deutschlands.

          Mehr als 100 Themenwege

          Diese Erkenntnisse verdanken sich dem Anspruch des Projekts, die vielerorts verwehten Spuren menschlicher Eingriffe zu erforschen. Was in Archiven oder im Gelände vier Haupt- und viele Ehrenamtliche ausgraben – darunter einige zuvor unbekannte Burgen und Klöster – wird anschließend für sogenannte Kulturwege aufbereitet. Mehr als 100 zwischen vier und zwanzig Kilometer lange Themenwege sind es jetzt. Der erste wurde vor 20 Jahren unter dem Motto „Fuhrleute und Wallfahrt“ in Frammersbach eröffnet. Dort verliefen früher die wichtigsten Fernstrecken von Ost nach West, vom Kinzig- ins Maintal.

          Wegen ihrer Tagesleistung genossen die dortigen Spediteure einen legendären Ruf. Wo 30 Kilometer als guter Durchschnitt galten, schafften sie, die wichtigsten Träger des Handels bis Antwerpen, bis zu 100. Noch heute sind tiefe Fahrrinnen und Hohlwege in den Wäldern sichtbar. In Frammersbach erinnert ein Museum an die Fuhrleute, ein weiteres in Partenstein widmet sich der Volkskultur.

          Wegbeschreibung

          Nicht nur der Bahnanbindung wegen empfiehlt sich, den Frammersbacher ASP-Weg in eine erweiterte Runde von Partenstein aus einzubeziehen. Zu entdecken gibt es dann zudem eine Burg sowie das auenartige Lohrtal. Natürlich lässt sich der acht Kilometer lange Kulturweg auch alleine nutzen, beginnend am Fuhrmann-Museum in der Straße Hinterdorf.

          Bei Start in Partenstein gehen wir vom Bahnhof – dort auch Parkplätze – hinab zur Lohrer Straße (B276), an ihr rechts zum Ortsmittelpunkt, einem kastanienbestandenen Platz und der spätklassizistischen Christuskirche (geöffnet). Wenige Schritte heißt es dann zurück, rechts über die Lohr, in den Treppenweg und mit dem nachfolgenden Pfad hinauf zur teilrestaurierten Burgruine Bartenstein.

          „Schneewittchen-Weg“ im Blick

          Von den Markierungen wird ab dem Gemäuer der „Schneewittchen-Weg“ relevant. Das schemenhafte Bildnis der Märchenfigur weist an der Rückseite entlang, wo der eigentliche Zugang liegt, und weiter aufwärts in den Wald. Spessartuntypisch öffnet er sich für lichte, von Kiefern und Ginster gesäumte Partien. Bald aber wird der Anblick vertrauter angesichts endloser Eichen und Buchen. Eine fast meditative Stimmung übt ihr zartes Grün aus, insbesondere bei einer längeren, lauschigen Passage. En passant erinnert sie daran, dass die historischen Straßen fern der versumpften Täler über die Höhen verliefen.

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