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Unterwegs mit wenig Gepäck : Urlaub für Minimalisten

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Outdoor- und Trekking-Reisende üben schon lange Verzicht. Jetzt erreicht der Trend „ultraleicht““ normale Touristen. Bild: Wikinger Reisen / obs

Je weniger Gepäck, desto besser: Outdoor- und Trekking-Reisende üben schon lange Verzicht. Jetzt erreicht der Trend „ultraleicht“ normale Touristen. Doch nicht jede Reiseform eignet sich dafür.

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          An manche Worte müssen sich Reisende erst gewöhnen. Etwa an den „persönlichen Gegenstand“, von dem man derzeit häufiger hört. Gemeint ist damit jenes Gepäck, das kleiner ist als der Rollenkoffer und in etwa die Größe eines Schuhkartons hat – oder eben einer Handtasche. Wichtig ist er deshalb geworden, weil er bei manchen Flugreisen das Einzige ist, was noch mit darf.

          Immerhin ist nun Schluss mit dem nervigen Kampf um die Gepäckfächer im Flugzeug. Wer ein einfaches Ticket besitzt, darf keine Rollenkoffer mehr mit an Bord nehmen. Nur so ist es möglich, dass Fluggesellschaften Kampfpreise um die 50 Euro von Frankfurt oder Berlin nach Reykjavík (von Wow Air) anbieten. Wer würdevoll reisen möchte, zahlt drauf. Oder man packt eben sehr, sehr leicht. Ultraleicht.

          Besonders junge Menschen reisen mit immer weniger Gepäck, wofür es verschiedene Gründe gibt. Viele sind gern auch im Urlaub mobil, bewegen sich von einem Ort zum nächsten und möchten möglichst unabhängig sein. Das klassische Hotel ist längst nicht mehr die einzige Unterkunft, die in Frage kommt: Es gibt schließlich Airbnb oder Serviced Apartments. Man kocht auf Reisen eher mal selbst und tauscht Komfort gegen Freiheit ein.

          Gewicht reduzieren, nicht die Nützlichkeit

          Die Produktpalette für Reisende kommt diesem Trend entgegen. Es gibt Zahnbürsten, deren Griff innen hohl ist und die lediglich acht Gramm leicht sind. Man kann Titantöpfe kaufen, die einen Liter Wasser fassen, aber nur ein Zehntel davon wiegen. Es existieren Bestecke, die Messer, Gabel und Löffel in einem sind. Eine Wasserflasche mitzunehmen ist von gestern. Die Faltflasche aus PET wiegt fast nichts und ist im leeren Zustand beinahe so dünn wie eine Buchseite.

          Der Trend kommt aus dem Trekking. Wo jedes Gramm zählt, ist etwa ein fingernagelgroßer Kompass hochwillkommen. Doch das Ultraleicht-Prinzip erreicht inzwischen das Reisen überhaupt. Etliche Bücher, Youtube-Kanäle und Blogs widmen sich der Frage, wie man mit noch weniger Gepäck unterwegs gut zurechtkommt.

          Dieser Artikel stammt aus der Frankfurter Allgemeine Woche

          Selbst kleine Koffer dürfen inzwischen oft nicht mehr als Handgepäck mit an Bord.
          Selbst kleine Koffer dürfen inzwischen oft nicht mehr als Handgepäck mit an Bord. : Bild: dpa

          Tipps für Outdoor-Reisende sind indes besonders streng. Stets geht es um die „großen vier“: Rucksack, Isomatte, Schlafsack, Zelt. Gegenstände, die kritisch unter die Lupe genommen werden müssen, um Raum und Gewicht zu sparen. Manch einer reist also mit einer Matte, die wie ein Karton aussieht, aber aus gewelltem Schaumstoff besteht und sich falten lässt, bis sie nur noch so groß wie eine Computertastatur ist.

          Der amerikanische Autor James Clear, ein Guru der Selbstoptimierung, nennt drei Prinzipien, an die der Ultraleicht-Reisende sich zu halten habe. Erstens: weniger mitnehmen. Zweitens: Gewicht reduzieren, aber nicht die Nützlichkeit. Also kein Schweizermesser einpacken, dessen Säge man doch nie braucht, sondern eine simple Klinge, die in einer einfachen Scheide aus Pappe steckt. Drittens: Design und Komfort nicht vergessen, weil die allgegenwärtigen Cargohosen mit den Seitentaschen schlicht mies aussehen.

          Besitz ist ohnehin nur Ballast

          Ultraleicht passt zur Bewegung des Minimalismus. Die Verschlankung des Lebens ist derzeit äußerst populär. Dabei handelt es sich gar nicht um eine neue Idee. Die Japaner praktizieren seit den siebziger Jahren mit ihrem Kai-Zen nichts anderes, und in Amerika kam die Idee Anfang der Achtziger auf.

          Der Künstler und Soziologe Duane Elgin kreierte den Begriff  „Voluntary Simplicity“, freiwillige Einfachheit, als Gegenmodell zum konventionellen, üppigen Lebensstil seiner Landsleute. Das alles passt heute wieder zum Lifestyle, wie er besonders im Silicon Valley praktiziert wird: eine Mischung aus Arbeitsethos und trendiger Öko-Zugewandtheit – selbstverständlich verbunden mit dem Wunsch nach Effektivität und puristischem Design.

          Monatlich erscheinen Ratgeber zum Thema Minimalismus. Meist geht es um Einrichtung, Kleidung, Auto und Fahrrad – um materielle Dinge also, die eingeschränkt werden sollen. Das Buch „Einfach leben: Der Guide für einen minimalistischen Lebensstil“ der Werberin Lina Jachmann zielt gleich auf das komplette Leben ab, von der Zahnpasta über das Kochen bis hin zum Reisen.

          Besitz bedeute nur unnötigen Ballast. Und das wahre Glück verbirgt sich ohnehin nicht im Konsum. Wer wenig hat, fühlt sich frei. Klein, effektiv und wohlgestaltet – exakt darauf gründet der Erfolg von Apples Verkaufsschlagern MacBook Air oder dem iPad.

          Es gibt freilich Reiseformen, bei denen der Ultraleicht-Trend an seine Grenzen stößt: das Skifahren zum Beispiel. Oder wenn man mit kleinen Kindern unterwegs ist. Die nämlichen haben mit Minimalismus nichts am Hut und wollen unbedingt ihre liebsten Teddys und Holzspielsachen mitnehmen. Da hilft nur noch intelligentes Gepäck. Die neusten Taschenmodelle sind ultraleicht.

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