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Fertighäuser werden beliebter : Das Haus kommt auf drei Lastwagen

So kann ein Fertighaus aussehen. Bild: Okal

Fertighäuser sind nicht gerade billig. Aber die Nachfrage nach ihnen wächst schneller als der Wohnungsmarkt. Woran kann das liegen?

          4 Min.

          Wer ein Gefühl dafür bekommen will, wie es den Herstellern von Fertighäusern geht, sollte in den Hunsrück fahren. Nach Simmern, einem Kreisstädtchen mit 8000 Einwohnern. Unweit des unglückseligen rheinland-pfälzischen Regionalflughafens Hahn nämlich sitzt der unumstrittene Marktführer in diesem Geschäft: die Deutsche Fertighaus Holding DFH, besser bekannt unter ihren Marken Massahaus, Okal und Allkauf.

          Bernd Freytag

          Wirtschaftskorrespondent Rhein-Neckar-Saar mit Sitz in Mainz.

          „Sitzen“ ist freilich das falsche Wort: denn die Firma ist in Bewegung, man könnte auch sagen in Wallung. In den neu gebauten Produktionshallen am Ortsrand herrscht Hochbetrieb, Sägen kreischen, Tacker bellen. Während die alten Fertigungsstraßen auf Hochtouren laufen, mühen sich Techniker eilends, die neuen in Gang zu bringen, um für Entlastung zu sorgen. Das neue vollautomatische Holzlager ist schon in Betrieb, riesige Balken werden von einem Roboterarm mit Saugnäpfen gegriffen und auf Sägestraßen verteilt, draußen rangieren die Stapler derweil mit beeindruckenden Holzpaketen um die Wette.

          Das Werk fährt unter Hochlast. 75 Häuser spuckt die Mega-Zimmerei zurzeit Woche für Woche aus. Die werden vom Hunsrück aus dann per Lastwagen in ganz Deutschland verteilt. Drei Sattelschlepper werden gebraucht, um das Haus an seinen Bestimmungsort zu fahren, keine Woche später kann Richtfest gefeiert werden.

          Der Auftragsbestand sei „gigantisch angestiegen“, sagt DFH-Vorstandsvorsitzender Thomas Sapper. Wegen des milden Winters habe es diesmal gegen die sonstigen Gewohnheiten auch zum Jahresbeginn keine Delle gegeben, sogar Nachtschichten habe man einlegen müssen, um den Nachfragen Herr zu werden.

          Ein dauerhafter Aufschwung für die Branche ist noch nicht absehbar

          Die Ziele des Unternehmens für dieses Jahr sind überaus ambitioniert: Die Zahl der ausgelieferten Häuser soll von 2100 auf 3000 steigen, ein schier unglaubliches organisches Wachstum. Wir hatten auch schon tränenreiche Zeiten, sagt Sapper, aber zurzeit laufe es eben glänzend. Die DFH ist ein Sinnbild der Branche. Die ehemalige Tochtergesellschaft des Einzelhandelskonzerns Metro gehört heute dem ehemaligen Metro-Finanzvorstand Siegfried Kaske, der sie 2003 für einen symbolischen Euro übernommen hatte. Damals war die Lage ganz und gar nicht rosig. Bis 2009 noch sollten die Baugenehmigungen für Fertighäuser zurückgehen, sechs bittere Jahre der Rezession, bis das Geschäft drehte.

          Jetzt brummt es. Alleine seit Jahresbeginn hat der Mittelständler 250 Mitarbeiter eingestellt, aktuell beschäftigt er in Simmern mehr als 1200, hinzu kommen etwa 600 freie Handelsvertreter. Die Geschwindigkeit, mit der der Marktführer wächst, ist außergewöhnlich und vor allem der Werkserweiterung geschuldet. Der Aufschwung hat zwar die gesamte Branche erfasst, doch nicht alle sind davon überzeugt, dass er lange andauert, und manche halten sich mit zusätzlichen Investitionen in neue Produktionskapazitäten zurück. Mathias Schäfer, Geschäftsführer des hessischen Fertighausbauers Finger, verweist auf den demographischen Wandel. „Der Markt wird in zehn bis fünfzehn Jahren schrumpfen“, sagte er kürzlich der F.A.Z. Vor diesem Hintergrund habe das Unternehmen Gedanken über eine Erweiterung der Kapazität wieder verworfen.

          Aktuell wächst die Nachfrage, und zwar schneller als die Nachfrage nach Häusern aus Stein. Seit mehr als zehn Jahren gewinnen die Fertighausbauer Marktanteile: von 14 Prozent auf 17 Prozent ist er in dieser Zeit gestiegen. Nach Zahlen des Branchenverbandes BDF sind Fertighäuser vor allem im Südwesten beliebt: in Hessen und Rheinland-Pfalz war 2015 fast jedes vierte neu gebaute Haus ein Fertighaus. In Baden-Württemberg lag der Anteil sogar bei 29 Prozent.

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