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Nachlass der Eheleute Reagan : Der Geschmack regierte nicht

  • -Aktualisiert am

Nicht aus Schokolade: Diese Statue ist dem ehemaligen amerikanischen Präsidenten Ronald Reagan nachempfunden und kommt jetzt bei Christie’s unter den Hammer. Bild: AFP

Bei Christie’s wird der Nachlass von Ronald und Nancy Reagan versteigert. Von Kunst bis Kitsch ist alles dabei. Man lernt mehr über das Paar und ihre verschiedenen Möbel-Faibles.

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          Kissen scheinen es ihm angetan zu haben, viele sind bestickt mit kurzen Sprüchen, Aphorismen, Blumen oder Monogrammen: R.R. - wie Ronald Reagan. Er bekam das rotweiße Kissen aus Nadelspitze, auf dem übergroß seine Initialen prangen, als Geschenk zu seinem siebzigsten Geburtstag, einen Monat nach seinem Amtsantritt als vierzigster Präsident der Vereinigten Staaten.

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          Bald könnte es den Besitzer wechseln, versehen mit einer Schätzung von 1000 bis 1500 Dollar - und zusammen mit rund 800 weiteren Dingen aus dem Besitz von Nancy und Ronald Reagan. Denn am 21. und 22. September versteigert Christie's in New York Möbel, Schmuck, Memorabilia, Kunst, Geschirr und Dekorationsobjekte der ehemaligen Präsidentenfamilie. Nach ihrem Auszug aus dem Weißen Haus im Jahr 1990 bezogen die Reagans ihr Anwesen in Bel Air, dem vornehmen Stadtteil von Los Angeles. Ausgestattet mit William-Haines-Mobiliar, Motiv-Tapeten, ganzen Galerien mit Tellern und Porzellanfiguren an den Wänden und mit pastellfarben gemusterten Sitzgarnituren, entspricht die Einrichtung dem Regency-Stil der amerikanischen Oberschicht.

          Nancy Reagan hatte eine Leidenschaft für Elefanten

          Ausgestattet wurde das 650-Quadratmeter-Hügelanwesen in neunmonatiger Arbeit von Ted Graber, dem Innenarchitekten und Designer, der schon für die Dekoration der Reagan-Wohnräume im Weißen Haus zuständig war. Etliche Gegenstände wanderten aus Washington mit ins Bel-Air-Domizil. Dort wurden sie schon zu Lebzeiten Nancy Reagans mit grünen Aufklebern versehen, zwecks Kategorisierung.

          Die ehemalige First Lady hegte eine Sammelleidenschaft für Elefanten, das Symboltier der Republikaner. Eine Menagerie aus 27 der kleinen Tiere aus Jade, Glas und Porzellan schmückte eine Tischplatte im Wohnzimmer (Taxe insgesamt 1000/2000 Dollar). Und zwei lustige große Elefanten-Ottomanen aus englischem Rindsleder, angefertigt von Dimitri Omersa für Abercrombie & Fitch, standen bereits im Weißen Haus; sie sollen jetzt für 2000 bis 3000 Dollar gut sein.

          Faible für Tiermotive und Initialen

          Überhaupt liebten die Reagans Tiermotive. Unter dem angebotenen Schmuck befinden sich Nancys goldene Ohrringe in Löwenform von Van Cleef & Arpels, die sie als Präsidentengattin bei ihrem Besuch in England 1988 trug (15.000/20.000 Dollar). Die passende Halskette dazu, eben mit größerem Löwenkopf, ist auf 30.000 bis 50.000 Dollar geschätzt. Auch viele Adler schmückten die Wandregale: Ein Porzellan-Modell des amerikanischen Weißkopfseeadlers von 1989 ist auf 3000 bis 5000 Dollar taxiert, die Adler-Lampe aus Walnussholz und chinesischem Porzellan von 1988 auf 5000 bis 8000 Dollar. Und was im Reagan-Haushalt nicht von und mit Tieren bedeckt war, wurde mit den Familien-Initialen versehen: RR, NR, RWR, NRD - etliche Buchstabenkombinationen zieren Teller, Schalen, Gläser, Kissen, Decken.

          Blick in die Bibliothek des Reagan-Hauses in Bel Air. Das rotweiße Kissen aus Nadelspitze mit den Initialen des Präsidenten wurde ihm zum 70. Geburtstag am 6. Februar 1981 von Ted Graber geschenkt. Der Schätzpreis liegt bei 1000 bis 1500 Dollar. Bilderstrecke
          Blick in die Bibliothek des Reagan-Hauses in Bel Air. Das rotweiße Kissen aus Nadelspitze mit den Initialen des Präsidenten wurde ihm zum 70. Geburtstag am 6. Februar 1981 von Ted Graber geschenkt. Der Schätzpreis liegt bei 1000 bis 1500 Dollar. :

          Auch die Stoffservietten, die beim Cocktail zum Einsatz kamen, sind personalisiert und mit „Reagan's Bar“ oder „The drinks are on the house at The Reagans“ bestickt (insgesamt 50/100 Dollar). Im Inneren der prachtvollen Tiffany-Tischuhr aus Holz, einem Geschenk von Frank und Barbara Sinatra zum Amtsantritt Ronald Reagans im Jahr 1981, findet sich eine goldene Plakette mit der Gravur „Good Morning, Mr. President“ - ausgezeichnet mit 5000 bis 10.000 Dollar, am Ende wird es wohl viel mehr sein.

          Das Arbeitszimmer des Country-Hauses in Bel Air erzählt von der ersten Karriere des späteren Präsidenten als Schauspieler. Cowboybilder hängen dicht gedrängt neben Pferdezeichnungen und Jagdgemälden, ein altes Holzgewehr an der Wand krönt die Kollektion. Ronald Reagan spielte bis Anfang der fünfziger Jahre in zahlreichen kleineren Western mit. Sein sonnengegerbtes Gesicht passte hervorragend zum Cowboyhut und brachte ihm den Ruf als „James Stewart für Arme“ ein. Erst von 1962 an wandte er sich der Politik zu, von 1967 bis 1974 war er Gouverneur von Kalifornien. Damit war Ronald Reagan der erste Filmstar in diesem Amt. Von 2003 bis 2011 führte Arnold Schwarzenegger die Tradition fort. Und hartnäckig hält sich das Gerücht, dass George Clooney, der Hollywood-Beau mit ernsthaften gesellschaftlichen Anliegen, 2018 antreten möchte - allerdings dann für die Demokraten.

          Insgesamt erwartet Christie's zwei Millionen Dollar für die Hinterlassenschaften der Reagans. Der Erlös soll dem „Ronald Reagan Presidential Institute“ zugute kommen, das er 1991 gegründet hat. Bleibt nur die Frage, warum bei so viel Amerika-Seligkeit die Wahl nicht auf die heimatliche Auktionsfirma Sotheby's fiel, sondern auf die französische Konkurrenz.

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