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Blumenhandel boomt : Mit Stil und Blüte

  • -Aktualisiert am

Stillleben aus Blumenarrangements: Der junge Florist Björn Kroner-Salié kombiniert in seinen floralen Werken Kunst, Design und Lifestyle. Bild: Katrin Blum

Mit 08/15-Blumenschmuck kann man keinen Strauß mehr gewinnen. Es braucht schon ein florales Konzept, um die Wohnlandschaft zu begrünen. Und Floristen, die es in Szene setzen.

          Blumen besitzen Anziehungskraft. Wie groß diese ist, kann man auch an Veranstaltungen wie dem diesjährigen „mint&berry Flower Market“ in Berlin ablesen. Wer den besuchte, brauchte Geduld. Viel Geduld. Denn nicht nur am Eingang bildeten sich lange Schlangen, auch drinnen war es zeitweise so voll, dass die Besucher kaum stehen bleiben und in Ruhe die Schönheit der ausgestellten Blumen genießen konnten.

          An verschiedenen Ständen verkauften lokale Floristen ihre Sträuße oder einzelne Blumen, es gab passende Accessoires, Mode, Do-it-yourself-Workshops, Essen und Musik. Die Veranstaltung war so gut besucht, dass selbst die Beteiligten ins Staunen kommen: „Unser Stand war nach zwei Stunden ausverkauft“, sagt Annett Kuhlmann vom Berliner Blumen- und Interiorladen Marsano im Rückblick. Zwar konnte sie noch für Nachschub sorgen, aber mit diesem Erfolg hatte sie vorher nicht gerechnet.

          Trotzdem merken Annett Kuhlmann und ihre Partner Katrin Jahn und Andreas Namysl, dass sich in der Blumenbranche gerade einiges verändert. Veranstaltungen wie der Flower Market, bei denen Blumen im Mittelpunkt stehen oder Floristen in Workshops zeigen, wie man Blumenkränze oder Sträuße bindet, sind vor allem bei Großstädtern beliebt wie nie. Man sieht Blumen in der Kunst oder Mode, im Design- oder Wohnbereich – eigentlich sieht man Blumen momentan fast überall.

          „Wir bemerken auch eine größere Wertschätzung für Blumen“

          „Und so wie Köche vor einigen Jahren gefeiert worden sind und prominent wurden, sind es jetzt Floristen“, sagt Annett Kuhlmann. „Wir merken auch eine größere Wertschätzung für Blumen.“ Ihre eigene Arbeit, erzählt die Floristin, habe sich dadurch nicht verändert – abgesehen davon, dass sie und ihre Kollegen mehr Aufträge bekommen als früher.

          „Aber sie hat vielleicht einen größeren Stellenwert bekommen.“ Das geht inzwischen so weit, dass sich bei Marsano Menschen bewerben, die studiert haben und in sehr guten Jobs arbeiten, jetzt aber etwas ganz anderes machen wollen. „Wir haben sehr, sehr viele Bewerbungen von Quereinsteigern.“ Und das in einer Branche, in der eigentlich händeringend nach Auszubildenden gesucht wird.

          Es ist paradox: Auf der einen Seite müssen viele Blumenläden schließen, weil es keine Kunden oder Nachfolger mehr gibt. Auf der anderen Seite, scheint es, waren Blumendeko und hübsche Sträuße noch nie so angesagt wie jetzt. „Dieser Wandel vollzieht sich seit einigen Jahren“, beobachtet der Florist Björn Kroner-Salié. „Das Kaufverhalten der Kunden und unsere Blumenkultur haben sich komplett verändert. Deshalb trennt sich da gerade die Spreu vom Weizen.“

          Es kommt darauf an, was ein Florist aus den Blumen macht

          Die Gründe? Es geht darum, wie ein Florist mit den Blumen umgeht, und vor allem, was er daraus macht. Wer seit Jahren nur 08/15-Sträuße anbietet, die man inzwischen in jedem Supermarkt, an der Tankstelle oder im Baumarkt für weniger als zehn Euro kaufen kann, muss früher oder später schließen. Wer aber eigene Wege in der Floristik geht, wer es schafft, seinen Kunden mit den Blumen ein Lebensgefühl zu vermitteln, ihre Sehnsucht nach Natur zu stillen und etwas Außergewöhnliches zu kreieren, der wird von Kunden förmlich überrannt.

          Floraldesigner wie Marsano stillen die Sehnsucht nach Natur.

          So wie Ruby Barber. Die gebürtige Australierin hat ihre Liebe und Leidenschaft für Blumen zum Beruf gemacht und das Label Mary Lennox gegründet. Es hat seinen Sitz in Berlin und ist spezialisiert auf florale Konzepte, die Kunst, Design und Lifestyle mit einbeziehen. Das können kleine Sträuße sein oder große Veranstaltungen. Am Ende entstehen immer vorübergehende Kunstwerke, die oftmals an barocke Stillleben erinnern.

          Dabei ist es ihr wichtig, immer unterwegs zu sein und an verschiedenen Ort zu arbeiten: „Es würde nicht funktionieren, wenn wir jeden Tag an einen einzigen Platz gebunden wären. Wir fahren viel herum, um neue, interessante Lieferanten kennenzulernen, und tauchen so oft wie möglich auch in unterschiedliche Landschaften ein.“ Ihre Arbeit mit Blumen und Pflanzen bezeichnet sie als eine Hommage an die Natur.

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