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Blumenhandel boomt : Mit Stil und Blüte

  • -Aktualisiert am

Auch Instagram hilft dabei, bekannter zu werden

Ruby Barber lebt erst seit vier Jahren in Berlin, gehört inzwischen aber zweifelsohne zu den bekanntesten Floristen der Stadt. Was dabei geholfen hat? Nicht nur ihre eigene Art, Blumen zu arrangieren und ihre Intuition, mit Menschen umzugehen, sondern auch Instagram. Dort hat sie 38000 Follower. Das ist zwar wenig im Vergleich zu anderen Floraldesignern wie Amy Merrick aus New York mit 158000 Followern, Sarah Winward aus Salt Lake City mit 166000 oder Kiana Underwood aus San Francisco (181000 Follower).

Trotzdem: Instagram, Pinterest und andere Internetseiten sind für viele Menschen nicht nur eine riesige Quelle der Inspiration, sondern dienen gleichzeitig als Schaufenster für Unternehmen, die dadurch ihre Geschäfte ankurbeln. Auch bei Ruby Barber war das so. Wer sich inspirieren lassen will, geht auf ihre Internetseite, wer von ihr lernen will, besucht einen ihrer Workshops, wer selbst kein Händchen für Dekoration hat, beauftragt sie für ein Werkstück. Eines befeuert das andere. Nichts davon funktioniert ausschließlich.

Die Australierin bezeichnet sich übrigens auch nicht als Floristin, sondern als Beraterin und Stylistin. Sie sagt: „Ich glaube, die innovativsten Werke kommen von Autodidakten, die mit ihrem kreativen Instinkt arbeiten. Neues wird nicht von denjenigen geschaffen, die durch vorgefertigte Meinungen darüber, wie Dinge zu sein haben, in ihrem Denken eingeschränkt werden.“

In Mode sind Sträuße, die wie frisch gepflückt aussehen

Björn Kroner-Salié, im Gegensatz zu Ruby Barber ausgebildeter Floristmeister, sieht das anders. Er selbst glaubt daran, dass eine Ausbildung wichtig ist und dass man die Farb- und Gestaltungslehre kennen und verinnerlichen sollte, bevor man anfängt, damit zu spielen und sie vielleicht bewusst zu brechen. Da geht es um Farbverteilung, Höhen, Tiefen, Schwerpunkte und Proportionen, die man kennen sollte.

Trotzdem gibt er jeder Blume in seinen meist lockeren und filigranen Sträußen den nötigen Freiraum, ihre Schönheit zu entfalten. Was er derzeitig feststellt: „Viele Sträuße sehen aus wie frisch von der Wiese gepflückt. Gestalterisch sind sie der Horror. Da ist keine Grundlage vorhanden. Das ist aber gerade Mode, vor allem in größeren Städten.“

So unterschiedlich ihre Ansätze auch scheinen, eines verbindet Ruby Barber, Björn Kroner-Salié, das Team von Marsano und viele andere Menschen, die erfolgreich mit Blumen arbeiten: die Wertschätzung, die sie jeder Blume entgegenbringen. Es ist die Leidenschaft, die sie in ihre Werkstücke legen. Es ist ihr Gespür für den Zeitgeist und die Erkenntnis, dass viele Großstädter sich zuerst die Natur in ihre Wohnungen und in ihr Leben holen und sie dann mit der ganzen Welt teilen wollen: „Die Leute wollen sich im Moment immer und überall mit Blumen fotografieren“, sagt Annett Kuhlmann von Marsano. „Warum das so ist, weiß ich auch nicht.“

Sehnsucht nach Entschleunigung und einer Auszeit von der digitalen Welt

Und so entsteht ein zweites Paradoxon: Die neuen Blumenfreunde wollen Sträuße wie frisch von der Wiese gepflückt, wollen wieder mit den Händen im Dreck wühlen, haben Sehnsucht nach Natur, wollen kochen, gärtnern, stricken, töpfern, nähen, mit den Händen richtig arbeiten, nicht nur auf einer Tastatur tippen. Sie wollen Entschleunigung und eine Auszeit von der digitalisierten Welt. Doch dann wiederum lassen sie die Flora kaum auf sich wirken oder halten wirklich mal inne. Sofort wird das, was man sich gerade an Natur ins Leben geholt hat, wieder verbreitet – und zwar digital.

Katrin Jahn von Marsano ist gespannt, wie dieser Trend weitergeht. Sie ist skeptisch. Die Quereinsteiger, die sich bei ihnen im Laden bewerben, geben zumindest häufig nach einiger Zeit wieder auf. Sie merken schnell, dass der Beruf des Floristen doch nicht so romantisch ist wie eine Blumenwiese: Man muss um 4Uhr aufstehen, um zum Großmarkt zu fahren, man muss richtig anpacken können, denn Blumenkübel können mitunter sehr schwer sein – und am Ende wird man auch noch schlecht bezahlt. Da ist es einfacher, wieder nur zur nächsten Blumenveranstaltung zu gehen, vereinzelt Workshops zu besuchen, auf Instagram nach den neuesten Trends zu schauen und sich mit Blumen zu fotografieren. Zwischen der floralen Sehnsucht und der Leidenschaft des Profi-Floristen liegt eben immer noch ein großer Unterschied.

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