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In Kooperation mit dem dänischen Label Hay lancierte Suicoke dieses Modell in Rosé- und Terracotta-Tönen. Bild: Hersteller

Trekkingsandalen von Suicoke : Damit sieht man auch auf der Couch abenteuerlich aus

  • -Aktualisiert am

Seit Jahren liegen Trekkingsandalen auch bei Großstädtern im Trend. Mit diesen Tretern aus Japan kann man sich das Abenteuer nach Hause holen, ganz ohne das Sofa verlassen zu müssen.

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          Glaubt man aktuellen Trendprognosen, dann heißt es auch in diesem Sommer wieder: Der Berg ruft. Sein Echo hat schon vor einer Weile eine Lawine an Funktionskleidung ausgelöst, welche modisch Interessierte mit Outdoor-Jacken, Cargo-Hosen und vor allem Trekking-Sandalen überschüttet — letztere poppten pünktlich mit den ersten Sonnenstrahlen an den Füßen hipper Menschen in Szenebezirken einschlägiger Großstädte auf. Sogar im flachen Berlin, dessen höchster Berg gerade mal schnuffige 120 Meter misst.

          Überhaupt braucht es anscheinend noch nicht mal Natur, um einen Grund zu haben, in die klobigen Trekking-Sandalen zu schlüpfen, die noch vor kurzem ausschließlich deutschen Touristen vorbehalten waren, welche in ihnen den Schmähblicken trotzen wie Eichen dem Sturm. Natürlich nicht ohne die obligatorische Socke in der Sandale, die modisch besonders Waghalsige jetzt ebenfalls tragen — allerdings ironisch.

          Trekking-Sandalen hat man in den vergangenen zwei Jahren sowohl bei Luxusmarken, als auch Fast-Fashion-Retailern finden können. Mal mit Strasssteinen verziert, derbe klobig oder im Dunkeln leuchtend. Und anscheinend haben sie den Gipfel längst noch nicht erreicht. Eher mausert sich der Funktionsschuh für alle Geschlechter gerade zu einem bequemen wie respektierten Klassiker, wie die Latschen von Birkenstock. Der „Birkenstock“ der Trekking-Sandalen kommt allerdings aus Japan vom 2006 in Tokio gegründeten Label Suicoke.

          Bringen die weite Welt auch ins Homeoffice: Trekkingsandalen der japanischen Marke Suicoke
          Bringen die weite Welt auch ins Homeoffice: Trekkingsandalen der japanischen Marke Suicoke : Bild: Hersteller

          Suicoke ist deshalb so spannend, weil es über die Marke nichts zu sagen gibt. Klingt nach einem Widerspruch, ist es aber nicht: Jinichi Leung, der Managing Director in Japan, möchte eben ganz bewusst den Fokus auf die Produkte legen und nicht mit Marketing-Gesülze über Designer und Inspirationen nerven. Es geht um Funktion. Fashion. Und Verkauf. Deshalb ist Leung gleichzeitig auch Verkaufsperson Nummer Eins.

          Schlichte Trekking-Varianten und modische Upgrades

          Nur so viel weiß man: Suicoke war anfangs nicht auf Funktions-Fashion-Footwear spezialisiert, sondern auf nischige Accessoires und hatte seinen größten Erfolg außerhalb Japans mit einer Lampe in Form einer russischen Matroschka. Bei so viel Kauzigkeit ist man als Marke dann doch prädestiniert für Bergsteigerwelten. Wie solche, die es — neben Schuhen — auf Suicokes Webshop zu sehen gibt. Bislang hat das Label nämlich erst einen physischen Store, in Tokio.

          In Suicokes Sortiment findet man verhältnismäßig schlichte Trekking-Varianten ebenso wie saisonal wechselnde modische Upgrades, vom modernen Future-Look bis zum quietschbunten ugly chic. Wer das mit dem urbanen Lebensstil ernst nimmt, dem kommt derzeit keine andere Marke an den Fuß. Wobei: „Wir schätzen jeden Konsumenten, vom Wanderer bis zum Modebewussten“, sagte Leung kürzlich. Mit Suicoke ist eben kein Laufsteg zu lang. Und kein Berg zu hoch.

          Der momentane Hype um die Trekking-Sandale liegt aber folglich kaum daran, dass jetzt überall die Wanderlust ausgebrochen ist. Weiter, schneller, steiler hinauf: Wer heute in urbanen Gefilden solche Schuhe trägt, tut das aus naturverklärenden Distinktionsgründen und als Ausdruck eines Lebensstils der Beschleunigung und Extreme: Es reicht nicht mehr, im Office erfolgreich zu sein und danach eine Runde durch den Park zu Joggen. Heute muss man im Büro gleich mal einen Berg versetzen. Und den nach Feierabend auch noch erklimmen.

          Weil Mode also Stil genauso wie Funktionalität versprechen muss, wird bei Suicoke deshalb seit 2014 mit dem Gesundheitssohlenhersteller Vibram zusammengearbeitet. Und weil es in der Mode auch dann noch etwas zu sagen geben muss, wenn es nichts zu sagen gibt, frischt Suicoke seine Kollektionen immer wieder mit Kooperationen auf, das bringt frischen Wind und neue Zielgruppen. In diesem Jahr kooperierte das Schuhlabel zum Beispiel mit A.P.C. und der Designerin Cecilie Bahnsen. Und ganz aktuell mit dem dänischen Designlabel HAY — und man ist versucht zu sagen, dass es modisch derzeit weniger gibt, was so gut den Zeitgeist trifft.

          HAY stellt normalerweise Möbel und Wohnaccessoires her, die man sich genauso vorstellen kann, wie die skandinavische Familie, die darin lebt: modern, emanzipiert, glücklich und kreativ erfolgreich. Deshalb kommt alles, vom Sofa bis zum Ziertablett, in einer angenehmen, beizeiten wechselnden Farbpalette daher. Die Trekking-Sandale, die HAY nun gemeinsam mit Suicoke lanciert, spiegelt das in matten Tönen zwischen Sand, Flieder, Altrosé und Terrakotta wider.

          Passt auch ins Homeoffice

          Im diesem Frühjahr des großen „Eigentlich“ sollte die Kooperation zur Mailänder Möbel- und Designmesse Salone del Mobile präsentiert werden. Stattdessen schafft der Schuh sinnbildlich jetzt die Versöhnung von häuslicher Quarantäne mit sommerlichem Sturm und Drang. Schließlich ist es doch so: Jetzt, wo sukzessive Lockerungen ein soziales Leben draußen wieder möglich machen — will man das überhaupt? Immerhin ist nach Wochen der Lieferengpässe endlich der neue Sessel angekommen, genauso wie der Beamer und die schicken Knabberschüsseln. Man könnte sagen, das Leben zu Hause geht doch gerade erst los. Da ist das einzige, was ruft, der Berg unbezahlter Rechnungen!

          Die Trekking-Sandalen von HAY und Suicoke passen deshalb auch genauso hervorragend zu den neuen Heimtextilien wie zum Lebensstil der extremen Lethargie. Gleichzeitig hat man sich mit einer japanisch-dänischen Kooperation die Welt ja auch eigentlich schon nach Hause geholt. Wen es doch nach draußen lockt — der trägt mit einer Trekking-Sandale natürlich einen modischen Schrei am Fuß, der garantiert unter keiner Maske verstummt.

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