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Mit Frank Goosen durch Bochum : Sein Revier

Das macht dich aus: Elfriede Fey und Frank Goosen Bild: Alexander Haneke

Ruhrpott-Romantik im grauen Bochum: Die Stadt hat viele Geschichten zu erzählen und sehnt sich nach einer Aufwertung durch junge Künstler. Schriftsteller und Kabarettist Frank Goosen zeigt uns die authentischen Ecken seiner Heimat.

          6 Min.

          Am Ende musste es dann doch sein. Bei Elfriede Fey am Tresen stehen, die Deckenbalken mit Fußball-Schals geschmückt, an der Wand die Knobelbecher der Stammgäste, jeder mit Namen versehen. Unzählige Fotos, Karten, Uhren, Prütt. „Ich muss ja alles sammeln“, sagt Elfriede. Hinten im Eck die Puzzles, die Elfriede vollendet hat. Eine Dschungelansicht mit exotischen Vögeln und einem Jaguar, 18.000 Teile. In der kleinen Küche nebenan brutzeln die Reibekuchen. Es ist kurz nach sechs. Bald kommen die ersten Stammgäste, und die haben meistens Hunger. Elfriede schenkt erst einmal Bier aus und erzählt.

          Alexander Haneke
          Redakteur in der Politik.

          Zu Besuch in Bochum. Der Kabarettist und Autor Frank Goosen soll durch seine Heimatstadt führen. Das Ruhrgebiet, Heimat für fünf Millionen Menschen und riesiger Ballungsraum im Herzen Europas, bot schon immer Stoff für Geschichten. Vom harten Leben unter Tage und den Jahren des Wirtschaftswunders. Später dann vor allem Strukturwandel, Arbeitslosigkeit. Doch es mehren sich die Beschreibungen, die das Ruhrgebiet wieder in positiven Farben malen. Zechen, die zu Kulturdenkmälern wurden, atemraubender Industrieschick. Unverfälschte Menschen, viel Platz für Ideen und billige Mieten. Und hat nicht Berlin seine Zeit als bester Ort für Künstler längst überschritten?

          Frank Goosen guckt belustigt, er hört das nicht zum ersten Mal. „Ja. Dieser Reiz wird jetzt irgendwie an uns herangetragen.“ Aber es sei wirklich nicht so, dass die Künstler plötzlich hordenweise ins Ruhrgebiet zögen. „Die billigen Mieten allein reichen nicht.“

          Goosen führt gleich hinaus aus der Innenstadt, in der viel westdeutsche Fußgängerzone und wenig Urbanität das Bild prägen, und hinein ins Bermudadreieck, ein Ausgehviertel nahe dem Hauptbahnhof, für das Bochum tatsächlich im ganzen Ruhrgebiet und darüber hinaus bekannt ist. Über zwei Blocks reiht sich in einer kleinen Fußgängerzone Kneipe an Kneipe. Robuste Biertische und lange Bänke zeugen von den Massen, die jeden Abend kommen. Ein Einerlei von Happy-Hour-Angeboten, Werbung großer Brauereiketten, dazwischen aber auch kleine Kneipen mit langer Tradition. „Hier hat die Stadt seit den siebziger Jahren einiges richtig gemacht“, sagt Goosen. Den Pionieren der Kneipenszene legte die Verwaltung nie Steine in den Weg. Fragen wie Lärmschutz wurden hintangestellt. „Eine Kernkompetenz von Bochum war immer Freizeit, Kneipen, Theater.“

          Leider total verbaut: Das Bergbaumuseum ragt heraus. Bilderstrecke
          Leider total verbaut: Das Bergbaumuseum ragt heraus. :

          Frank Goosen ist ein Anhänger der Idee, das Ruhrgebiet zu einer Metropole zusammenzuführen. „Die gemeinsame Identität gibt es“, sagt er. Die Rivalität zwischen den Städten und ihren Fußballvereinen werde gerne von den Medien hochgespielt, doch der Zusammenhalt sei da. „Es wird ja gerne vergessen, dass die Leute in allen Stadien 'Ruhrpott, Ruhrpott' skandiert haben, als Dortmund und Schalke in den neunziger Jahren die Europapokale gewonnen haben.“ Die Menschen seien da weiter als die Politik, was das Zusammenwachsen betrifft. Der Autor meint damit nicht nur, dass die Region in drei Regierungsbezirke getrennt ist. „Die eine Sache, die wirklich verhindert, dass wir 'ne Metropole werden, das sind die 24 Verkehrsunternehmen, die ihr eigenes Ding machen, mit unterschiedlichen Schienenbreiten in Dortmund und Bochum.“

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