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Guerilla-Aktion am Städel : „Kunst fragt nicht um Erlaubnis“

Inszeniert: Luzius Ziermann bringt sich und seinen Wagen in Position. Bild: Marcus Kaufhold

Luzius Ziermann inszeniert seinen Jaguar E-Type in Frankfurt am Städel. Er will mit seiner Kunst überraschen – und nicht mehr auf Genehmigungen warten.

          Der Abschleppwagen piept laut, während er zurücksetzt. Fast könnte man meinen, dass er zur Baustelle am Städelmuseum in Frankfurt gehört. Die Fassade wird saniert. Doch ein Arbeiter ist vom Gerüst geklettert und fragt: „Ist das Auto die Kunst, oder kommt da noch was?“ Die Antwort ist: beides.

          Vor dem Städel parkt ein Jaguar E-Type, ein schnittiges Modell in Weiß mit bunten „Regenbogenkreisen“ aus Acryllack. Luzius Ziermann, ein Frankfurter Künstler, hat ihn vor einigen Jahren so bemalt. Autoliebhaber schrieen auf. Der Bauarbeiter am Städel sagt: „Das tut schon weh.“

          Doch Ziermann wollte mit „ET“ – so heißt sein Auto – Kunst machen und für seine Ausstellung „Signatur des Lichts“ werben. Er hat das Auto vor drei Jahren schon einmal auf einer Gondel über den Canal Grande schippern lassen. Im Video sieht es aus, als würde es die Stadt als Tourist besuchen.

          An diesem Montagnachmittag im Nieselregen inszeniert er den Jaguar am Zaun des Städels. Der Kran des Schleppers zieht ihn hoch und setzt in auf eine Rampe. Dann steigt seine Schnauze in den Himmel.

          Als würde er zur großen Kunst dazugehören wollen

          „ET“ hat sich auf die Hinterräder gestellt, so, als wolle er den Zaun zum Städel überwinden. Als würde er Einlass begehren, am Zaun rütteln, „Lasst mich rein!“ brüllen, Teilhabe verlangen, zur großen Kunst dazugehören wollen. Ziermann hält sein Auto an einer Leine, zwischen den Lippen eine Zigarette, in der freien Hand ein paar Papiere, auf denen er aufgeschrieben hat, was die Aktion bedeuten soll. Von hinten sieht es aus, als ginge der Künstler mit „ET“ Gassi, und der Jaguar wolle ins Museum. Darf er aber nicht.

          Kunst vor Kunst: Der bemalte Jaguar E-Type des Künstlers Luzius Ziermann vor dem Zaun des Städel-Museums

          Ziermann hatte lange mit dem Städel verhandelt, ob er nicht eine Installation auf den Treppen aufbauen dürfe. „So, als wolle der Jaguar sich für ein Ticket anstellen“, sagt er. Als Frankfurter Künstler bespielt er gern Plätze, die wichtig für die Stadt sind. Gleich um die Ecke vom Städel, am Schweizer Platz, wird er demnächst Acrylplastiken ausstellen, die einen Wunderwald darstellen sollen. Zweimal habe das Museum ihn hingehalten oder gar nicht reagiert. „Jetzt hab ich einfach den Ranzen voll. Ich kämpfe seit Menschengedenken für Genehmigungen.“ Aber Kunst entstehe so nicht, sie sei etwas Neues, Unerwartetes: „Kunst fragt nicht um Erlaubnis.“ So wie die Impressionisten mit ihren Werken revolutionär gewesen seien, so sei auch zeitgenössische Kunst nur, was auch überrasche und Bestehendes hinterfrage.  

          2000-Euro-Konstruktion: Die Vorrichtung baute Ziermann zusammen mit Freunden.

          Luzius Ziermann plante die Guerrilla-Aktion zwei Monate lang, engagierte 15 Freunde und Bekannte, um eine Vorrichtung zu bauen, die „ET“ Männchen machen lässt. Die Aktion kostete ihn etwa 2000 Euro. Mit acht Helfern stellte er das Auto senkrecht an den Zaun. „Es ist nicht bequem und kostet Mut.“ Bevor der Kran das Auto hochgezogen hatte, fürchtete er, dass es kippen könnte. Es ist seitlich nicht gesichert, damit es so aussieht, als stemme der Jaguar sich von alleine hoch. Doch die Konstruktion hält. Ziermann nimmt „ET“ an die Leine und posiert für Fotos.

          Die paar Passanten, die vorbeikommen, schauen und fotografieren. Die Autofahrer umkurven die Installation vorsichtig. Keiner ruft die Polizei, keiner beschwert sich. Wahrscheinlich denken die meisten, dass „ET“ zum Städel gehört, meint ein Beobachter. Dass die Aktion eigentlich subversiv ist und zuvor streng geheim gehalten wurde, merkt kaum einer.

          Nach einer knappen Stunde wird der Jaguar wieder heruntergelassen. „Wir müssen unser Glück ja nicht zu sehr herausfordern“, sagt Ziermann und packt die Papiere in den Kofferraum. Für ihn ist die Aktion ein Erfolg. Er hofft, dass sie den Jaguar noch bekannter macht.

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