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Weniger Zimmer, mehr Personal : Legendäres Hotel „Lutetia“ wieder offen

  • Aktualisiert am

Das Hotel der großen Namen: Grandhotel „Lutetia“ in Paris. Bild: Reuters

Nach vier Jahren öffnet das „Lutetia“ in Paris wieder seine Pforten. Das Haus hat eine wechselvolle Geschichte: Während der Besatzung im Zweiten Weltkrieg saß der deutsche militärische Geheimdienst in dem Grandhotel.

          Das „Lutetia“ ist in Paris das Hotel der großen Namen. Der spätere Staatspräsident Charles de Gaulle und seine Frau Yvonne verbrachten hier ihre Hochzeitsnacht. Schriftsteller und Künstler gingen ein und aus. Unter ihnen waren die Chansonlegende Juliette Gréco, die Kinostars Catherine Deneuve und Isabelle Huppert sowie Schauspieler und „Obelix“-Darsteller Gérard Depardieu. Und der berühmte Komiker Coluche („Brust oder Keule“) warf von einem Hotelbalkon aus volle Joghurtbecher auf Polizisten, die Strafzettel an sein geparktes Auto hefteten.

          Nach vierjährigen Bauarbeiten hat das Grandhotel im Stadtviertel Saint-Germain-des-Prés an diesem Donnerstag mit rund zweimonatiger Verspätung wieder seine Pforten geöffnet. „Die ersten Kunden sind angekommen“, sagte eine Mitarbeiterin am Donnerstag. Eigentlich sollte das komplett renovierte Traditionshaus im Art-déco-Stil schon im Mai fertig sein. Im ebenfalls neu gestalteten Restaurant werden Gäste erst von September an wieder Platz nehmen können.

          Das „Lutetia“ ist das einzige große Luxushotel der französischen Hauptstadt auf dem linken Ufer der Seine – und pflegt auch deshalb den Unterschied zu anderen Häusern mit klingenden Namen, unter ihnen sind das „Ritz“, das „Crillon“ oder das „Meurice“.

          Generaldirektor Jean-Luc Cousty sieht es als Vorteil, etwas abseits der Touristenströme der quirligen Hauptstadt zu liegen. „Auf dem linken Ufer kann man noch Einheimische treffen“, meint er. Für das Restaurant kündigt der Hotelchef schon einmal eine Spezialität an, die eigentlich nach Marseille gehört: die Bouillabaisse, die Traditionssuppe aus der Provence mit Mittelmeerfisch.

          Weniger Zimmer, mehr Personal

          Das siebenstöckige Haus an einer großen Straßenkreuzung baut zwar auf den lässigen Charme des Saint-Germain-Viertels mit seinen Kunstgalerien, Bistros und alten Adelspalästen. Doch die Edelherberge aus der „Belle Époque“ vor dem Ersten Weltkrieg setzt ganz klar auf den Luxusboom in Paris.

          Eigentümer ist seit acht Jahren die Gruppe des israelischen Immobilienunternehmers Alfred Akirov. Rund 200 Millionen Euro flossen für den Umbau, den der Architekt Jean-Michel Wilmotte leitete.

          Nobel: Gut 420 Mitarbeiter beschäftigt das Tophotel seit seiner Renovierung. Bilderstrecke

          Die Zahl der Zimmer und Suiten schrumpfte auf 184. Das Personal wurde hingegen kräftig aufgestockt. Es arbeiten hier nun gut 420 Menschen, vor der Schließung 2014 waren es noch 280 gewesen. Etwa ein Drittel der Beschäftigten war schon im alten „Lutetia“ dabei. „Wir sorgen damit für eine gewisse Kontinuität“, sagt Direktor Cousty der Deutschen Presse-Agentur. „Stammkunden werden wiedererkannt, das ist sehr wichtig.“

          Das „Lutetia“ strebt nach der Wiedereröffnung das prestigeträchtige Label „Palace“ (etwa: „Hotelpalast“) an. Damit kann sich in Paris nur ein knappes Dutzend Tophotels schmücken. Ein Schwimmbad ist für die Bewerbung ein Muss. All das hat für den Kunden seinen Preis, 850 Euro sind im Schnitt für ein Zimmer fällig, in den ersten Monaten gibt es Angebote von 650 bis 700 Euro.

          Im Zweiten Weltkrieg beschlagnahmt

          Die Neueröffnung wirft ein Schlaglicht auf die wechselvolle Geschichte des „Lutetias“, die manche einmalig nennen. Das Haus wurde 1910 auf Initiative des Kaufhauses „Le Bon Marché“ eröffnet, um zahlungskräftige Kunden in der Nähe unterzubringen. Von 1935 an trafen sich hier Hitler-Gegner aus Deutschland. Einer der Initiatoren des sogenannten Lutetia-Kreises war der Kommunist und Medienunternehmer Willi Münzenberg. Er strebte – letzten Endes ohne großen Erfolg – eine sehr breite Vertretung der politischen deutschen Emigration an.

          Dann kam der Zweite Weltkrieg. Die deutschen Besatzer der Hauptstadt beschlagnahmten das Hotel – wie viele andere auch. Im „Lutetia“ wurde die „Abwehr“, der militärische Geheimdienst von Wilhelm Canaris, untergebracht.

          Die Pariser Autorin Cécile Desprairies erinnert daran, dass die „Abwehr“ vor allem gegen „résistants“ (Widerstandskämpfer) vorging, mit Hilfe der Geheimen Feldpolizei, die ebenfalls im „Lutetia“ Quartier bezogen habe. Im Hotel gibt es laut Direktor Cousty keine Zeugnisse aus dieser Zeit mehr. Ob er davon gehört habe, dass Weinkeller zugemauert wurden, um sie vor den Deutschen zu schützen? „Soweit ich weiß, ist es keine Legende, dass versucht wurde, wertvollen Wein zu verstecken, um ihn nach dem Krieg wiederzufinden“, lautet die diplomatische Antwort.

          Befreiung und Kriegsende brachten dann eine weitere Wende für das „Lutetia“. Eine Tafel unweit des Eingangs am Boulevard Raspail erinnert daran, dass Überlebende der Nazi-Konzentrationslager vom April bis August 1945 im Hotel untergebracht waren.

          Juliette Gréco fand hier laut Tageszeitung „Le Monde“ ihre Mutter und ihre Schwester wieder, die wegen Widerstands deportiert worden waren. „Die Tatsache, dass dieses Hotel beschlagnahmt wurde, um Rückkehrer aus den Lagern aufzunehmen, ist sehr wichtig für die emotionale Bindung mit den Bewohnern von Paris“, bilanziert Cousty.

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