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Jennifer Sieglars Ratschläge : „Logo“-Reporterin sagt Mikroplastik den Kampf an

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Plastikfrei: Hier trägt Jennifer Sieglar einen Jumpsuit von Armed Angels aus Bio-Baumwolle und Schuhe von Nine to Five aus vegetabil gegerbtem Leder. Bild: Laura Rodriguez

Wie viel Mikroplastik findet wegen uns den Weg in die Umwelt? Seit sie sich die Frage stellte, hat Moderatorin Jennifer Sieglar ihren Alltag umgekrempelt – und nutzt Social Media auf anderem Weg. Ein Kapitel aus ihrem Buch.

          Das Thema Mikroplastik hat mich persönlich betroffen gemacht. Im Frühjahr 2018 hatte ich im „Heute Journal“ einen Beitrag über eine unbewohnte Insel in Norwegen gesehen, die an der dem offenen Meer zugewandten Seite komplett voller Plastikmüll ist. Ich hatte so viele eigene Fragen dazu, dass ich dieses Thema unbedingt auch in den Kindernachrichten „logo!“ behandeln wollte. Ich bat meinen Chef, einen Beitrag darüber machen zu dürfen. Er stimmte zu, und ich reiste nach Norwegen, um mir diese Insel mit eigenen Augen anzuschauen.

          Nur wenige Menschen hatten sie in der Vergangenheit besucht, und trotzdem sah sie aus wie eine Müllhalde. Das Meer spült den Müll seit Jahrzehnten in die Bucht. Putzmittelflaschen, Schuhe, Plastikverpackungen von Süßigkeiten, undefinierbar verformtes Plastik – es gab keinen Quadratmeter, auf dem kein Müll lag. Auch wenn man auf Moos trat, hörte man, dass darunter Plastik war. Ich griff ins Moos, hob ein bisschen davon hoch, und was ich sah, machte mich fassungslos: Es war komplett voller Plastik. In diesem Moment wurde mir klar, dass wir das nie wieder aufräumen können. Das Plastik zwischen den ganzen Pflanzen, das Plastik tief unten im Ozean, das Plastik in der Arktis wird niemand mehr einsammeln können.

          Obwohl ich wusste, dass es nur ein Tropfen auf dem heißen Stein ist, versuchte ich von da an, Mikroplastik in Kosmetika einzusparen. Zwar sind die nur auf Platz 17 der schlimmsten Mikroplastikverursacher, aber ich finde es aus zweierlei Gründen trotzdem wichtig: Erstens macht Kleinvieh bekanntlich auch Mist. Und zweitens bin ich der Meinung, dass man die Hersteller von Produkten, die Mikroplastik enthalten, nicht unterstützen sollte. Spätestens seit einer großen Studie des Umweltschutzverbandes BUND wissen alle deutschen Kosmetikhersteller um das Problem mit dem Mikroplastik. Der BUND hat einen Einkaufsratgeber herausgebracht, in dem alle bekannten Produkte mit Mikroplastik aufgeführt sind. Mehrere namhafte Hersteller verzichten seither nur auf das „große“ Mikroplastik, also die sichtbaren Kügelchen in Zahncreme und Peelings. Alle anderen Arten von Mikroplastik, zum Beispiel das in flüssiger Form, verwenden sie weiterhin.

          Apps helfen bei der Auswahl

          In der Liste tauchen fast alle großen Namen auf und damit auch einige Hersteller, von denen ich schon Kosmetika benutzt hatte. Ich entdeckte drei Produkte, die es auch in unserem Haushalt gab: meine Sonnencreme für das Gesicht, meine Sonnencreme für den Körper und das Duschgel meines Freundes. Die waren ab sofort natürlich gestrichen beziehungsweise sowieso schon durch feste Seife ersetzt worden.

          Beim Kauf neuer Produkte helfen die Apps „Beat the Microbead“ oder „CodeCheck“. Sie zeigen an, ob in einem Produkt Mikroplastik enthalten ist. Wer keine Lust hat, die App zu verwenden, kann auch einfach ausschließlich zertifizierte Naturkosmetik kaufen, denn die enthält sicher kein Plastik. Ich kombiniere beide Varianten: Ich benutze hauptsächlich möglichst unverpackte zertifizierte Naturkosmetik, und wenn ich doch mal etwas anderes kaufen möchte, kann ich mir dank Einkaufsratgeber und App sicher sein, keine Produkte mit Mikroplastik zu erwischen.

          Auf Instagram wurde ich schon vor einiger Zeit auf eine, wie ich finde, grandiose Aktion aufmerksam. Sie heißt „2 Minute Beach Clean“, und ausgedacht hat sie sich Martin Dorey, ein Surfer aus Großbritannien. Er lebt in der Nähe eines Strandes, der im Winter 2013/2014 nach mehreren heftigen Stürmen voller Plastikmüll aus dem Meer war. Dorey kam auf die Idee, nur zwei Minuten lang am Strand Müll einzusammeln, das aber dafür jedes Mal, wenn er an den Strand kam. Er benutzte den Hashtag #2minutebeachclean und postete seine kleinen Aktionen auf Twitter und Instagram. Das brachte ihm viele Nachahmer ein. Mittlerweile wurden allein bei Instagram mehr als 90.000 Fotos mit dem Hashtag gepostet.

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