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Klimawandel als Chance : „Wer Parks entwirft, baut für die Zukunft“

Louafi findet, dass Landschaftsarchitekten nicht genug Anerkennung bekommen. (Symbolbild) Bild: Gerd Kittel

Der Beruf des Landschaftsarchitekten wird als banal angesehen. Doch gerade sie sind wichtig für die Zukunft. Die klimatischen Veränderungen könnten eine Chance für den Beruf sein – warum erklärt Kamel Louafi.

          In Zeiten des Klimawandels ist viel die Rede davon, wie man Grünflächen in Städten erhalten oder sogar noch vergrößern kann. Wenig wird allerdings darüber gesprochen, dass es bereits Experten gibt, die sich mit Pflanzen und deren Nutzen für das städtische Klima auskennen. Und die zudem noch darauf spezialisiert sind, das Grün auch noch ästhetisch ansprechend zu arrangieren: die Landschaftsarchitekten.

          Mechthild Harting

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Einer von ihnen hat jetzt im Deutschen Architekturmuseum zum Auftakt einer Vortragsreihe – die in Zusammenarbeit mit dem Bund Deutscher Landschaftsarchitekten Hessen stattfindet und im September und Oktober fortgesetzt wird – unter dem Titel „Internationale Landschaftsarchitektur – im Kontext des gesellschaftlichen Wandels und der Herausforderungen nachhaltiger urbaner Entwicklung“ von seiner Arbeit berichtet: der deutschalgerische Landschaftsarchitekt Kamel Louafi. Sein internationales Renommee hat der heute Siebenundsechzigjährige mit der Gestaltung der Gärten der Weltausstellung Expo 2000 in Hannover begründet.

          Nötige Beachtung für Beruf

          „Der Beruf des Landschaftsarchitekten wird überhaupt nicht gewürdigt“, sagte Louafi zu Beginn seines Vortrags. Er und seine Berufskollegen, von denen viele unter den Zuhörern waren, würden immer nur als Gärtner eingestuft, deren Arbeit zudem auch noch sehr vergänglich sei. Es heiße immer, der Beruf sei „banal“. Er persönlich sei „sauer“ auf die Hochbauarchitekten, die den Anspruch formulierten, sie allein könnten Dinge für die Ewigkeit erschaffen. Dabei sei es seine Zunft, die ganze Landschaften gestalten könnte. Das gelinge heute wie auch schon vor Jahrhunderten, als etwa der preußische Gartenkünstler Peter Joseph Lenné Parklandschaft in und um Berlin geschaffen habe, die wahre Gartenschöpfungen seien. Louafi, der bis vor einem Jahr sein Büro in Berlin hatte, ehe er sich aus dem Alltagsgeschäft zurückgezogen hat, sagte, er habe jedem Berlin-Besucher die Lennéschen Parklandschaften als etwas Einmaliges gezeigt.

          Kamel Louafi ist Landschaftsarchtitekt und der Meinung, dass sein Beruf nur von wenigen wertgeschätzt wird.

          Für Louafi sind die aktuellen klimatischen Veränderungen eine Chance für die Landschaftsarchitekten, „endlich unseren Beruf nach vorne zu bringen und die notwendigen Akzeptanz in der Gesellschaft zu finden“. Allerdings müssten die Landschaftsarchitekten, die es gewohnt seien, im Stillen und ohne große öffentliche Beachtung zu arbeiten, „auch die Kraft haben, die Herausforderung anzunehmen“. Es sei an der Zeit, offensiv Dinge auszuprobieren, dann bekäme die Berufsgruppe auch irgendwann die notwendige Anerkennung. „Wir müssen uns jetzt Gedanken machen, wie wir uns einbringen und Beachtung finden können“, forderte er. Denn gerade Landschaftsarchitekten „bauen für die Zukunft“.

          „Gärten im Wandel“

          Seinen Vortrag hatte Louafi unter die Überschrift „Das Imaginäre artikulieren“ gestellt. Denn sie, die Kenner von Pflanzen, Gräsern und Gehölzen, hätten die Vorstellungskraft, wie eine Parklandschaft zu den verschiedenen Jahreszeiten aussähe, welche Größe und Form Bäume über Jahrzehnten entwickeln könnten.

          Seinen Kollegen riet er, ihre Planungen unter eine Leitidee zu stellen. Für die Gestaltung des Königsplatzes in Kassel, der in den Jahren 2003 und 2004 neu entstand, habe das Thema „Krone“ gelautet. Die runde Form werde durch eine Wasserfläche aufgenommen, die Wasserspeier wie die Zacken einer Krone angeordnet. Bei den Expogärten in Hannover habe er die Fließbewegung eines Flusses aufgenommen. Das 750 Meter lange Band der „Gärten im Wandel“ mündet in einen See, der das Regenwasser des Expogeländes aufnimmt und mit dessen Wasser bis heute die Gärten gewässert werden.

          Es genüge allerdings nicht, Ideen zu haben. „Unsere Arbeit besteht aus Kommunikation.“ Zudem sei Gestaltung auch mit geringen Mitteln möglich. Gerade Europa sei ein Paradies. Denn hier, anders in Algerien, wo Louafi aufwuchs, könne man einen Baum pflanzen, „und der wächst dann“. Für Louafi steht fest: „Ein Garten ist der letzte Luxus, den wir haben.“

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