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Kulturelle Tücken in Japan : Airbed and Futon

Viele Tücken: Airbnb-Apartment in Japan Bild: Airbnb

Wie ist es in einer Airbnb-Wohnung in Japan? Darf man als Westler dort wirklich allein gelassen werden? In einem Land, in dem man ständig etwas falsch macht?

          5 Min.

          Als wir versuchen, in die allerletzte Wohnung in Tokio zu gelangen, beschleicht uns zum ersten Mal das typische Airbnb-Gefühl: die leichte Unsicherheit, ob es die Unterkunft, die man da gemietet und längst bezahlt hat, tatsächlich gibt. Hinter uns liegen Dutzende Treppenstufen, über die wir aus der U-Bahn bis auf die belebte Straße gestiegen sind. Eine weitere steile, enge Treppe haben wir noch vor uns, denn der Eingang zum Haus ist unmittelbar neben dem Ausgang der Akasaka-Station. An einer Rezeption einzuchecken und dann den Fahrstuhl in den soundsovielten Stock zu nehmen, wäre jetzt auch nicht schlecht. Stattdessen sind wir längst aus der Puste und quetschen uns mit unseren Koffern und Taschen den dunklen Gang in den ersten Stock hoch. Eine weitere Tür, dann ein Pincode, den wir zuvor aus dem seitenlangen Handbuch mit Erklärungen zur Wohnung herauskopiert haben, dann eine Schlüsselbox. Und wieder ein Pincode, dann ein Schlüssel. Nur: Zu welcher Wohnung soll der passen? Im Buch zum Apartment ist bis zur Handhabe der Sitzpolster für die Dachterrasse alles erklärt - nur nicht, zu welchem der beiden Apartments der Schlüssel passt.

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Also das typische Airbnb-Gefühl: Was, wenn er zu gar keinem gehört? Und kurz darauf die schöne Überraschung, dass es der Schlüssel zur Wohnung in der zweiten Etage ist; wir müssen unser Zeug also nicht in die dritte schleppen. Und die Erleichterung, dass die Wohnung auch noch so großartig aussieht wie auf den Bildern im Internet. Zugleich erfüllt sie das Airbnb-Klischee: dicke Holzplanken auf dem Boden, ein Riesen-Kronleuchter an der Decke, eine freistehende Badewanne, schick und industriell statt pragmatisch, wie es die meisten Airbnb-Wohnungen sind, gerade in Japan, dem Land der Wohnungspragmatiker. Und dann die Dachterrasse zwei Etagen höher, umrandet von bunten Leuchten. Und das alles zwischen den Hochhäusern von Tokio.

          Im Land der Wohnungspragmatiker... Bilderstrecke
          Im Land der Wohnungspragmatiker... :

          Gleich mehrere Bekannte hatten uns zu Airbnb in Japan geraten. Ausgerechnet in einem Land, in dem man ständig etwas falsch machen kann. Ach was: gleich falsch macht. Ein Land mit eigenen Regeln. In dem es unhöflich ist, andere Leute in der Öffentlichkeit anzuschauen und die Hand des Partners zu halten. In dem man in einem geradezu religiösen Ritual hinter der Wohnungstür seine Straßenschuhe gegen Hausschuhe tauscht. In dem man weder streitet noch allzu laut spricht.

          Darf man da als Westler allein gelassen werden? In einer japanischen Wohnung? Trauen Japaner einem das überhaupt zu? Oder überlassen sie ihre Bleiben gar nicht erst den fremden Ausländern?

          Andererseits hatte man uns auch gewarnt, Hotels in Japan seien so teuer wie in kaum einem anderen Land der Welt. Und sie könnten unangenehm riechen, wegen der vielen Raucher. Für die Airbnb-Nichtraucherregel bedankt sich deshalb auch die von Nikotin entwöhnte Westler-Lunge, die in genügend Bars und Restaurants auf der Reise schon zu leiden hatte.

          Also Airbnb. Man erlebt ohnehin mehr, wenn man von Wohnung zu Wohnung reist, als von Hotelzimmer zu Hotelzimmer, obwohl man nie den Eindruck bekommt, in der Wohnung von Privatleuten unterzukommen. Das Paradebeispiel für die Sharing-Economy ist eben vor allem ein Businesskonzept. Entsprechend groß ist der Ärger der Einheimischen, wie überall in der Welt, wo Airbnb um sich greift.

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