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Kulturelle Tücken in Japan : Airbed and Futon

Na gut, die Badezimmer sind oft genug definitiv zu klein. Die freistehende Badewanne in der letzten Unterkunft, die so viel zum typischen Airbnb-Gefühl beiträgt, ist ganz untypisch. Stattdessen sind die Badezimmer hier in der Regel nicht viel größer als eine Toilette im Flugzeug. Dazu kommt noch die Dusche, deren Wasseranschluss wie üblich in Japan auch der des Waschbeckens ist. Also noch mal die Frage: Leben die wirklich so? Wie können die Japaner sich in einem so winzigen Badezimmer überhaupt um ihre Haut kümmern, die so gepflegt und rein wirkt wie sonst nur bei Koreanern? Und wo lassen sie ihr Sortiment an Produkten, von denen sie, als Ausgleich zum sonstigen Minimalismus, nun wirklich viele besitzen?

Zum Glück reisen wir alle paar Tage weiter, auch wenn man weiß, dass das nächste kleine Badezimmer kaum komfortabler sein wird. Es ist zumindest ein anderes kleines Badezimmer. Und in einem Hotel wäre es womöglich kaum größer gewesen.

Stattdessen landen wir während unseres Trips in coolen, hotelfreien Gegenden, in Kyoto an der Ecke der Sanjo-Straße, an der genug Japaner wohnen, einkaufen, essen und trinken gehen, statt an der Ecke der Sanjo-Street, die in Pontocho endet und in jedem Reiseführer als Ausgehviertel empfohlen wird, also in Wahrheit wenig empfehlenswert ist.

Oder in Shimokitazawa, gewissermaßen dem Kreuzberg von Tokio, ohne den Ranz. Wir waren zuvor noch nie in Japan gewesen und hatten für die Wohnungssuche die Städte kurz gegoogelt, jeweils mit dem Zusatz "hipster quarter". Das Risiko, in unerträglich angesagten Vierteln zu wohnen, schien verschmerzbar, im Vergleich zu der Gefahr, am anderen Ende der Welt in Vierteln zu landen, die wirklich am Ende der Welt liegen. In Shimokitazawa gibt es weder Hotels noch sonderlich viele Ketten, stattdessen kleine Ramen-Restaurants, Plattenläden und Vintage-Geschäfte mit Kram zwischen Grunge- und Harajuku-Style. Shimokitazawa ist auch das ruhigere Harajuku.

Wenn wir stattdessen in chaotischeren Gegenden unterwegs sind, an der Kreuzung von Roppongi in Tokio, in Gion in Kyoto zum Beispiel, und dort Hotels wiedererkennen, über die wir uns vor der Reise informiert und die wir ernsthaft in Erwägung gezogen hatten, bis man uns zum Glück zu Airbnb raten konnte, beschleicht uns jedes Mal ein leichtes Gefühl von Triumph. An keinem dieser Orte hätten wir lieber gewohnt. In keinem dieser Hotels hätten wir eine Gratis-W-Lan-Box vorgefunden, mit der es kein Problem ist, Adressen in dem verwirrenden japanischen System zu finden, in dem die Hausnummern nicht nach Reihenfolge, sondern nach Baujahr vergeben werden.

Gut, in keinem dieser Hotels wären wir Profis in japanischer Mülltrennung geworden: Dosen und Flaschen gehören zusammen, Plastikmüll, Restmüll inklusive Papier. Soweit das Spiel bei jedem Checkout. Auch das gehört zum Airbnb-Gefühl dazu. Als wir dann unsere allerletzte Wohnung in Tokio verlassen, stehen draußen nicht etwa Tonnen. Man solle den Müll vielmehr beim Seven-Eleven-Markt um die Ecke lassen, da gebe es Eimer. Ausgerechnet in Japan, in diesem sauberen, höflichen Land. Als wir frühmorgens abreisen, ist uns das wirklich peinlich. Vermutlich sind wir am Ende des Trips schon japanischer als Airbnb.

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