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Kulturelle Tücken in Japan : Airbed and Futon

In einer Wohnung hängen Schilder mit Hinweisen an der Balkontür, hinter der Eingangstür, an den Fenstern: "Bitte nicht auf dem Balkon reden!" - "Wenn jemand klingelt, bitte nicht den Türöffner drücken und von Airbnb erzählen!" - "Bitte die Fenster geschlossen halten!"

Sogar an der Toilette ein Schild "Bitte die Spülung betätigen!" Das zeigt: Airbnb-Vermieter haben schon viel erlebt.

Auf alles gefasst sein müssen sie ohnehin. Denn die Regierung hat gerade ein Gesetz vorgelegt, nach dem Vermieter von Ferienwohnungen ihren Gästen die Wohnung für mindestens eine Woche oder länger überlassen müssen. Zur Freude der Hoteliers, für die es wiederum nicht nur Regeln zur Reinigung von Futon-Tüchern gibt, sondern auch zur Farbe der Bettwäsche oder zur Länge des Rezeptionstresens - alles Teil eines knapp 70 Jahre alten Gesetzes. Nur muss jede Kommune das Airbnb-feindliche neue Gesetz für sich verabschieden. Also kann man mit Glück dieser Tage noch durch Japan reisen, ohne schon vor der Reise wegen der horrenden Hotel-Preise bankrott zu sein, und trotzdem eine Privatsphäre haben, die es so in den Hostels nicht gibt.

Oft handelt es sich bei den Unterkünften um Ferienwohnungen. Trotzdem bieten sie einen Einblick in das Leben in dieser seltsam-wunderschönen Welt mit vielen Fragezeichen. Leben die wirklich so? Auf 15 Quadratmetern, in einem Studio-Apartment, in dem man sich kaum umdrehen kann, ohne etwas umzuwerfen? Das Mikro-Apartment, für das sich auch in Europa immer mehr Singles und Pendler in den Großstädten entscheiden, ist hier ein Nano-Apartment. Meine 50-Quadratmeter-Wohnung zu Hause in Frankfurt kommt mir auch Wochen später noch riesig vor. Wer braucht drei Zimmer, wenn alles, nur winziger, auch in einen einzigen Raum passt? Wenn man auch einfach mal richtig ausmisten könnte und sich auf das Wesentliche beschränken würde?

So wie im Apartment von Tomoki, unserer ersten Unterkunft in Tokio. In der Kochnische ist Platz für eine Herdplatte, immerhin zwei Gläser und zwei Teller. Die Kleiderstange hängt halb über dem Bett, der Schrank ist in die Wand gebaut. Und dennoch bleibt genug Raum für ein Sofa, einen Beistelltisch, ein Sideboard. Passt.

Jedenfalls, wenn man vor Antritt der Reise schon auf alles gefasst war und nur mit Handgepäck unterwegs ist. Wir dachten, das wäre praktisch, wenn wir mit dem superkomfortablen Shinkansen-Zug durch das Land fahren, in einer Bergbahn in Hakone stehen, morgens um 8.30 Uhr auf die U-Bahn in Tokio-Shinjuku warten. Aber dass die Wohnungen zu klein für zwei normale Koffer gewesen wären? Jetzt ist unser Handgepäck von innen so optimiert wie dieses Nano-Apartment.

Für den Rest, also alles Sperrige, die Schuhe, die dicken Jacken, die Bücher, den Krimskrams, haben wir noch zwei Riesentaschen dabei, die wir besser gleich bei den Schuhen am Eingang stehen lassen. Zwei Minikoffer, zwei Riesentaschen, so tingeln wir zwei Wochen lang von einem Nano-Airbnb zum nächsten - und es macht sogar Spaß.

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