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Kleingärten : Hier kommt die nächste Generation

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So geht das nun nicht: In der Stadt gibt es viele Pächter, die nur abschalten und keine Radieschen pflanzen wollen. Bild: dpa

Deutschlands Kleingärten wandeln sich. Die Pächter werden jünger, mehr Familien mit Kindern kommen aus der Stadt. Nur die strengen Regeln, die sind gleich geblieben.

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          Im Flur stapeln sich Kisten mit Äpfeln und Pflaumen, auf dem Küchentisch steht ein Krug mit Gartenkräutern, daneben ein Honigglas „Jahrgang 2013“. Reiche Ernte. Dabei sind Ulla Niehaus und Georg Bauer aus Berlin-Kreuzberg noch Frischlinge unter den Kleingärtnern. Ihre 320 Quadratmeter große Parzelle liegt in der Tempelhofer Kleingartenkolonie „Unter uns“, hier buddeln, säen, imkern und ernten sie seit drei Jahren. Wenn sie zum Durchschnitt der Kleingärtner gehören wollen, sollten sie ihrer Scholle 19 Jahre lang treu bleiben. Berlin ist mit rund 68.000 Parzellen die deutsche Kleingartenhauptstadt, wie eine kürzlich veröffentlichte Statistik ergab.

          Georg Bauer, IT-Experte, ist Hobbyimker und schleudert im Jahr rund 60 Liter Honig. Sozialwissenschaftlerin Ulla Niehaus war anfangs skeptisch: „Eigentlich wollte ich mir die zusätzliche Arbeit nicht aufhalsen, aber jetzt genieße ich unser Gärtchen.“ Die 51 Jahre alte Niehaus zeigt ihre drei Meter hohen Topinambur-Blüten, eine Hecke mit Mini-Kiwis, die grünen Bohnen und die Kräuterschnecke. In der Mitte steht das Hochbeet mit Zucchinipflanzen, rechts stehen die Bienenkästen. „Es ist viel Maloche“, gibt Ulla Niehaus zu, „aber die Arbeit erdet mich.“

          Seit Jahren ist von einem Garten-Boom die Rede, von Großstädtern, die mit den Händen in Erde wühlen und sich der Illusion des guten alten Landlebens hingeben wollen. In der Realität ist das dann manchmal ein Kleingarten in Tempelhof. „Ende August hatten wir schon 614 Parzellen-Bewerber, mehr als die Jahre davor“, sagt Norbert Gieseking vom Bezirksverband der Kleingärtner Tempelhof.

          Bundesweit eine Million Kleingärten

          1833 wurden die ersten Kleingärten in Berlin angelegt, 1925 gab es 165.000 Parzellen, heute hat sich die Zahl der Pächter mehr als halbiert. Bundesweit rechnet der Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e.V. (BDG) mit einer Million Kleingärten, die von rund fünf Millionen Menschen genutzt werden. Die Hälfte der insgesamt 46.000 Hektar Kleingartenfläche liegt in Ostdeutschland.

          „In den vergangenen Jahren hat die Zahl der Bewerbungen von Familien mit Kindern stark zugenommen, an sie gehen 45 Prozent aller Neuvermietungen“, sagt Norbert Franke, Geschäftsführer des BDG. Von einem „Boom“ und einem Trend will er aber nicht sprechen. „Eher von einem Generationswechsel“, sagt er. „64 Prozent aller Pächter, die 2000 einen Garten übernommen haben, sind jünger als 55 Jahre.“ Was auffällt: In ländlichen Gebieten nimmt die Nachfrage ab, in Ballungszentren steigt der Bedarf.

          „Eltern möchten heute ihren Kindern wieder vermitteln, dass Gemüse und Obst nicht nur aus der Tüte vom Supermarkt kommen“, glaubt Gieseking, der seit 38 Jahren Kleingärtner ist. Er selbst liebt den „den Kampf gegen die Blattläuse ebenso wie die Weinernte.“

          „Kleingarten kommt von Gärtnern“

          Auch Geschäftsführer Norbert Franke verlässt gerne Schreibtisch und Computer, um „im Dreck zu wühlen“. Früher, sagt er, waren nur zwei Dinge für Kleingärtner wichtig: Der Anbau von eigenem Obst und Gemüse und das Entspannen auf der Hollywoodschaukel.

          „Heute ist das heterogener. In Berlin gibt es nun viele Pächter, die nur abschalten und keine Radieschen pflanzen wollen“. Andere „betrachten ihren Garten als eigenen Park“, besonders zugenommen habe die Zahl diejenigen, die ökologisch angebautes Gemüse und Obst essen wollten. Und längst ist der Kleingarten nicht mehr typisch deutsch: 7,5 Prozent der Kleingärtner haben Migrationshintergrund.

          Aber eins ist, wie es immer war: In Kleingärten herrschen klare Regeln. „Chronische Topfpflanzen-Vertrocknenlasser warnen wir vor, Kleingarten kommt von Gärtnern“, schreibt der BDG in einem Imagetext. Nur im Schatten dösen oder auf Nachbars Blumen schielen, das ist nicht die richtige Haltung. Es gibt Gemeinschaftsdienste zu leisten, ein Drittel der Parzelle muss dem Obst- und Gemüseanbau und/oder den Jahresblumen gewidmet werden, die Mittagsruhe ist heilig und ebenso die maximale Heckenhöhe von 1,25 Meter an den Promenadenwegen.

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          Derzeit werden in Tempelhof „410 Vorgänge bearbeitet“, sagt der erfahrene Kleingärtner Norbert Gieseking, „zehn Prozent der Pächter haben wir am Wickel“. Die Vergehen: Manche schneiden die Hecke nicht, andere bauen eine Laube illegal oder größer als erlaubt oder sie säen nur Rasen und halten nichts von Gemüsebeeten. Meist schreitet eine Schlichtungskommission ein, nur selten wird einem Pächter gleich gekündigt.

          Jetzt zur Erntezeit hängen in der Kolonie „Unter uns“ Obst und Gemüse in Körbchen oder Tüten an den Gartentoren: Die Nachbarn können sich gerne bedienen. Ulla Niehaus verzichtet: „Ich weiß schon nicht, wohin mit meinem eigenen vielen Obst.“ Denn nach Buddeln, Säen und Ernten kommt noch Säubern, Kochen, Einmachen.

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