https://www.faz.net/-hrx-9p9wu

Unmut über hohe Geldstrafen : Schluss mit lustig für übermütige Touristen in Italien

Trevi-Brunnen in Rom: Hier zu baden könnte teuer werden. Bild: AFP

Kein Picknick auf der Rialto-Brücke, kein Baden im Trevi-Brunnen: In Italien erregen empfindliche Geldstrafen gegen übermütige Touristen Aufsehen.

          Wenn es der Tourist in Italien mit dem Spaß zu weit treibt, hört für die italienischen Ordnungshüter der Spaß auf. Jedenfalls wurden in den vergangenen Tagen gegen etliche Besucher beliebter Destinationen wegen ungebührlichen Verhaltens empfindliche Geldstrafen verhängt. Ob das recht und billig ist oder schiere Schikane, darüber gehen die Meinungen unter Einheimischen und Reisenden weit auseinander.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Am Freitag etwa hatte ein 52 Jahre alter Österreicher am beliebten Pinienstrand Barcola bei Triest seine Hängematte zwischen zwei Bäume gespannt und war darin prompt eingeschlafen. Dass es laut Artikel 36 der Grünflächenverordnung verboten ist, „an Bäumen und Sträuchern Strukturen jeglicher Art anzubringen“, wusste der Mann vermutlich nicht. Ergebnis: 300 Euro Geldstrafe. Das fanden auch viele – zumal junge – Triester übertrieben. Sie luden daher tags darauf zu einem Flashmob nach Barcola unter dem Motto „Freie Hängematten“. Auf diversen Kanälen der sozialen Medien herrschte die Meinung vor, zwar gelte es, die Einhaltung von Gesetzen und Regeln durchzusetzen. Aber das Verhängen von Sanktionen erfordere Augenmaß statt drakonischer Maßnahmen.

          Zwei deutsche Touristen wurden der Polizei mit Geldbußen belegt, als sie sich an der Treppe der Rialto-Brücke einen Kaffee auf dem Gehweg kochten.

          Weniger Verständnis wurde zwei Berliner Rucksacktouristen entgegengebracht, die ebenfalls am Freitag auf der Rialto-Brücke in Venedig ihren Campingkocher aufgestellt hatten, um einen Kaffee zu brühen und dazu ihren mitgebrachten Imbiss einzunehmen. Ein Einheimischer alarmierte ob des Verstoßes gegen das allgemeine Picknickverbot die Polizei. Und die verhängte gegen den 35 Jahre alten Mann als Haupttäter 650 Euro Strafe, die 32 Jahre alte Frau wurde mit einer Buße in Höhe von 300 Euro belegt. Außerdem wurde dem Berliner Paar ein Platzverweis erteilt: Sie mussten Venedig unverzüglich verlassen. Wenige Tage zuvor war gegen eine junge Kanadierin, die sich im Bikini in den Giardini Papadopoli am Canal Grande gesonnt hatte, eine Geldbuße in Höhe von 250 Euro verhängt worden. Venedigs Bürgermeister Luigi Brugnaro verteidigte am Samstag auf Twitter das Vorgehen seiner Polizisten ausdrücklich: „Venedig hat man zu respektieren. Leute mit schlechten Manieren, die glauben, sie könnten sich in unserer Stadt alles erlauben, müssen sich darüber im Klaren sein, dass sie von unserer Polizei bestraft und aus Venedig entfernt werden.“

          Baden im Trevi-Brunnen durfte nur Anita Ekberg

          In Rom wurde ein spanischer Tourist, der sich zum Spaß als römischer Zenturion verkleidet hatte, beim Planschen im Trevi-Brunnen ertappt. Was ihn zusammen 500 Euro Strafe wegen ungebührlichen Benehmens und wegen Verstoßes gegen das Verkleidungsverbot kostete. In der Ewigen Stadt ist es nämlich seit gut einem Jahr untersagt, sich in antike Kostüme zu werfen und dazu ein Plastikschwert zu schwingen, um als lebende Dekoration für Touristen-Selfies ein paar Euro zu verdienen. Durchgesetzt wird das Verbot, von dem der Spanier nichts wusste, freilich nur sporadisch.

          Seit Jahren versuchen die Behörden in Städten wie Rom oder Florenz, Mailand oder Venedig, die besonders unter dem Touristenansturm leiden, den Besuchermassen ein wenig Dekorum beizubringen: nicht vor und in antiken Gedenkstätten oder bedeutenden Sakralbauten essen und trinken; nicht in den Kanälen der Lagunenstadt baden oder in Roms Brunnen planschen wie einst Anita Ekberg in Federico Fellinis Film „La Dolce Vita“; nicht in Badekleidung die Stadtbesichtigung absolvieren; nicht in Parks und Stadtgärten picknicken, urinieren oder übernachten; und so weiter. Die verschiedenen Verbote werden freilich oft nur ungenügend bekanntgemacht. Und sie werden lange überhaupt nicht und dann auf einmal wieder mit aller Strenge durchgesetzt. Im Moment scheint im ganzen Land die Order „sehr streng“ zu gelten.

          Weitere Themen

          Augenzeugen filmen Notlandung im Maisfeld Video-Seite öffnen

          Dramatische Aufnahmen : Augenzeugen filmen Notlandung im Maisfeld

          Nach der dramatischen Notlandung eines Passagierflugzeuges in Russland teilen Passagiere und Augenzeugen immer mehr Videos der Unglücks im Internet. Darauf sind die Notlandung in einem Maisfeld zu sehen und wir anschließend Passagiere aus der Maschine klettern.

          Topmeldungen

          Gletscher Okjökull : Das Eis verlässt Island

          Die Gletscherschmelze ist ein eindrückliches Merkmal der Klimaerwärmung: Der einstige Gletscher Okjökull auf Island ist heute keiner mehr. Die isländische Ministerpräsidentin appelliert an die Weltgemeinschaft.
          In einem Gedenkgottesdienst nehmen Angehörige, Freunde und Nachbarn Abschied von dem achtjährigen Jungen

          Nach Frankfurter Gewaltat : Abschied von getötetem Achtjährigen

          Nach der grausamen Tat am Frankfurter Hauptbahnhof haben Angehörige, Freunde und Nachbarn in einem Gedenkgottesdienst Abschied von dem getöteten Jungen genommen. Auch Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier war anwesend.
          Angestellte von Google und Youtube beim Gay Pride Festival in San Francisco, Juni 2014

          Trump gegen Google : Man nennt es Meinungsfreiheit

          Ohne das Internet wäre Donald Trump wohl nicht amerikanischer Präsident geworden. Jetzt beschwert er sich über politische Ideologisierung bei Google. Aus dem Silicon Valley schallt es zurück.
          Im Jahr 2016 ist es in Kalkutta zwar noch wuseliger, aber die Anzahl der Läden und Fahrzeuge deuten auf einen Entwicklungsfortschritt hin.

          Wohlstand, Gesundheit, Bildung : Der Welt geht es immer besser

          Kurz bevor er starb, hat der schwedische Arzt Hans Rosling noch ein Buch geschrieben. Es hat eine zutiefst erschütternde These: Der Zustand der Welt verbessert sich, doch keiner bekommt es mit. Woran liegt das?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.