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Junges Wohnen : Freunde und andere Fallstricke

Nicht jeder studiert Jura. Trotzdem gilt: Mietvertrag für Wohnen in einer WG gründlich lesen. Bild: dpa

Eine Wohnung zu finden ist schon schwierig. Aber erst das Mietrecht! Unser Autor über Hindernisse, die Neulinge auf der Suche erwarten.

          Am besten wäre es vielleicht, wenn man überhaupt keine Freunde hätte. Wer niemanden kennt, zieht mit niemandem zusammen, dem er vertraut, und vergisst darüber all das, was man gemeinhin den „gesunden Menschenverstand“ nennt. Dann ärgert man sich später nicht darüber, kein Übergabeprotokoll angefertigt zu haben oder einen Untermietvertrag. Man wundert sich nicht über Schäden, die einfach schon immer da waren, aber irgendwann doch ausgebessert werden müssen - leider erst dann, wenn außer einem selbst keiner mehr da ist, um die Reparatur zu bezahlen. Hätte man es doch nur nicht beim Einzug versäumt, dem Vermieter die vorhandenen Schäden zu melden. Und sich vorher über Rechte und Pflichten als Mieter informiert, statt einen Knebelvertrag zu unterschreiben, nur weil man froh war, endlich eine Wohnung gefunden zu haben. Dann steht man zwar am Ende auch alleine da, aber hat zumindest noch all sein Geld beisammen.

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          Jonas Jansen

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Nun wäre es erstens wahnsinnig traurig, keine Freunde zu haben, und zweitens ist das immer so eine Sache mit dem Verstand und der Rationalität, gerade dann, wenn man dringend nach einer Wohnung sucht. Genauso wie bei den richtig spannenden Berufen landet man übrigens am Ende immer nur mit Glück in den schönen Wohnungen und nicht, weil man sich in einem Bewerbungsverfahren besonders schlau angestellt hätte. Weil einer einen kennt, der einen kennt, der einen kennt, der zufälligerweise ein Zimmer frei hat oder dem einer abgesprungen ist. Oder der einfach keine Lust hat, sich Fremde in die WG zu holen - Freunde von Freunden sind tendenziell sympathische Menschen.

          90 Prozent wünschen sich zum Leben eigene Wohnung

          Angeblich hätten wir alle, die wir uns zur „Generation Y“ zählen lassen, am liebsten ein Eigenheim wie Mama und Papa. Wir sind zwar eigentlich ganz anders als unsere Eltern, aber beim Wohnen dann doch genauso konservativ. Das zumindest hat eine aktuelle Umfrage des Beratungsunternehmens Ernst & Young unter 1650 Studenten und jungen Berufstätigen hervorgebracht: 90 Prozent der Befragten würden gerne nicht mehr zur Miete, sondern in der eigenen Wohnung leben. Noch 70 Prozent denken in ihrem Durchschnittsalter von gerade mal 27 Jahren sogar noch weiter und planen das Haus als ihre Altersvorsorge, wenngleich der durchschnittliche Mittzwanziger vermutlich häufiger die Dispozinsen als die Tagesgeldzinsen kontrollieren muss. Auch weit gefasstere Umfragen aus den Vereinigten Staaten zeigen ähnliche Ergebnisse, wie die Grafik zeigt.

          Doch bei allen Wünschen und Vorstellungen, die junge Menschen in Umfragen äußern, fehlt ein nicht ganz unwichtiger Faktor: der Realitäts-Check. Denn Geld für den Hauskauf oder den Wohnungsbau hat doch kaum einer von uns, wenn wir ehrlich sind. Als mindestens tollkühn sollte zudem jeder gelten, der einen Kredit aufnimmt, um sich ein Eigenheim zu kaufen, und das vom ersten Gehalt abzahlt. Deshalb wohnen wir zur Miete. Und deshalb suchen wir nach günstigen Zimmern, die aber bitte trotzdem schön sein sollen, um am Ende doch zuerst nur in der dritt- oder viertbesten Bude zu landen.

          Wer schon einmal die entwürdigende Suche nach einem WG-Zimmer mitgemacht hat, kennt das Problem: Anrufe bei Wohnungsinserenten, die damit enden, dass die Antwort („Nein, leider weg“) unter dem Lachen des Angerufenen untergeht, weil man der Dreihundertste ist, der versucht, die eine günstige Wohnung in der Top-Lage im beliebtesten Viertel der Stadt zu bekommen. Wohnungsbesichtigungen mit 30 anderen Verzweifelten, die sich durch schlecht beleuchtete Flure quetschen und am Ende einer Zehn-Minuten-Besichtigung ihre Kontodaten zurücklassen können, in der Hoffnung, so solvent und zuverlässig ausgesehen zu haben, dass die Anderen nur verlieren können.

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