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Schwer zu erreichende Orte : An den Rändern der Welt

  • -Aktualisiert am

Wem auf einem Bergpass in Island ein Hinterreifen platzt, der hat auch für die schönsten Nordlichter keine Zeit mehr. Bild: AP

Das Ende der Welt mag sich für jeden anders anfühlen – für manchen liegt es bereits in Brandenburg. Aber es gibt ein paar Flecken, die selbst für Experten objektiv nur sehr schwer anzusteuern sind. Ein paar Beispiele.

          Für manche Menschen beginnt das Ende der Welt schon in Brandenburg. Für andere spätestens da, wo es keine Geldautomaten mehr gibt (oder, schlimmer noch: kein Internet). Ich habe das Ende der Welt mal in Island gefunden, als mir auf einem Bergpass im Hinterland ein Reifen platzte; im südamerikanischen Regenwald, aus dem ich nur mit Glück wieder herausfand – und an den Ufern des Aralsees in Usbekistan. Zehn Stunden waren wir mit dem Geländewagen durch ein ausgetrocknetes Bett gefahren, ohne irgendwem zu begegnen, nicht Mensch, nicht Tier, immer weiter, bis es dunkel wurde.

          Eigentlich hatten wir gar nicht vorgehabt, zum Aralsee zu fahren. Aber als wir mit dem Nachtzug in der Kleinstadt Nukus ankamen und uns ein älterer Herr anbot, er fahre uns überall hin, wohin wir wollten, klang das nach einem verlockenden Angebot. „Auch zum Aralsee?“, fragten wir eigentlich nur zum Spaß. „Jetzt?“, fragte er – „das wird eine lange Fahrt … aber gut.“

          Ayap war ein sympathischer Typ

          Ayap, so nannte er sich, war ein sympathischer Typ. Wir fuhren zum Markt, kauften Vorräte ein, fuhren noch kurz zu ihm nach Hause (seine Frau hatte gekocht), wechselten auf einen Geländewagen, verstauten das Satellitentelefon und machten uns auf den Weg. Später, als der Motor mehrfach zusammenbrach, weil der SUV entweder nur fahren oder heizen konnte und Ayap es unbedingt warm haben wollte, und noch später, als sich herausstellte, dass auch das Satellitentelefon eher der Beruhigung diente als einen tatsächlichen Nutzen zu haben, stellte sich langsam dieses Gefühl ein.

          Als wir eine Pause machten, trank Ayap viel Wodka, was nicht weiter schlimm war, weil es ohnehin keine Hindernisse auf der Strecke gab. Kurz vor dem Ziel blieben wir im Sand stecken. Es dauerte eine Stunde, bis wir uns wieder herausmanövriert hatten. Als wir irgendwann in später Nacht am Ufer des Sees ankamen, stand da plötzlich eine Jurte: Wir tauschten mit einem Malaysier und zwei Usbeken eine Flasche Schnaps gegen die Unterkunft. Ein Bett aus Reissäcken irgendwo im Nirgendwo, zwischen Dutzenden Autobatterien, Wasserkanistern und kleinen Kätzchen. Da war es wieder: das Ende der Welt.

          Die kleinste Republik der Erde – und nur sehr schwer zu erreichen: Der Inselstaat Nauru im Pazifischen Ozean.

          Warum Menschen das tun, was wir taten, also mit mehr Glück als Verstand zu neuen Ufern aufbrechen, ohne einen unmittelbaren Nutzen daraus ziehen zu können abseits der Erfahrung, irgendwo gewesen zu sein, ist noch nicht vollständig erforscht. In der relativ kurzen Zeit, seit die Wissenschaftler dieser Frage auf den Grund gehen (und damit selbst Neuland betreten), schien sich zunächst die Vermutung zu festigen, der Entdeckerdrang sei in unserem Erbgut verankert: Das Gen DRD4, das an die Kontrolle des Botenstoffs Dopamin geknüpft ist, der wiederum für das Lern- und Belohnungssystem von großer Bedeutung ist, ist bei einem Fünftel aller Menschen zur Variation DRD4-7R mutiert. Diese Variation mache wagemutiger und risikofreudiger, aufgeschlossener für neue Ziele und Ideen und sorge generell für eine größere Bereitschaft, Veränderung und Abenteuer als positiv wahrzunehmen.

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