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Manufactum-Geschäftsführer Christopher Heinemann Bild: Stefan Finger

Manufactum-Geschäftsführer : „Wir sind das Småland der Männer“

Manufactum steht für bewussten Konsum. Geschäftsführer Christopher Heinemann spricht über Gucker und Kunden, ein Leben im Altbau und das kleine Glück eines guten Brotmessers.

          Seit dreißig Jahren gibt es Manufactum, seit mindestens fünfzehn davon steht die Marke für ein Lebensgefühl, mit dem sich zumindest ein Teil der Gesellschaft gut identifizieren kann: Konsum ja, aber bewusst soll er sein. Umso besser, wenn die Produkte an etwas aus der Kindheit erinnern. Obwohl Manufactum heute Teil der Otto-Group ist, sitzt das Unternehmen noch immer in Waltrop, einer Kleinstadt eine halbe Stunde nördlich von Dortmund, auf dem Gelände einer ehemaligen Zeche. Geschäftsführer Christopher Heinemann gibt sich im Gespräch sympathisch und betont authentisch – manufactisch eben.

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Herr Heinemann, der stationäre Einzelhandel stöhnt immer lauter wegen der Konkurrenz im Netz. Wie sehr bekommen Sie das mit?

          Wir sehen auch, dass es in den Läden Frequenzabfälle im einstelligen Prozentbereich gibt, dass weniger Menschen in der Innenstadt sind. Aber unser Vorteil ist, dass wir auch online und über den Katalog vertreten sind und so die Kunden über alle Kanäle erreichen können. Es verschiebt sich etwas aus dem Laden, wir sehen weniger Gucker, aber haben nicht weniger Kunden.

          Was treibt Kunden in einen Manufactum-Laden?

          Wir versuchen eine besondere Aufenthaltsatmosphäre zu schaffen, und die Kunden verweilen bei uns erstaunlich lange. Zwei Stunden sind nicht außergewöhnlich. Im Hamburger Warenhaus gab es mal einen schönen Eintrag: „Hier gebe ich meinen Mann ab, wenn ich einkaufen gehe.“ Wir sind das Småland der Männer (lacht).

          Wie viele kaufen am Ende etwas?

          Das ist unterschiedlich. Hier in Waltrop haben wir die höchste Umwandlungsrate; wer hier schon herkommt, der wird auch etwas kaufen. Je dichter wir an der Frequenz sind, an der Masse, die an einem Warenhaus vorbeiläuft, desto geringer ist die Umwandlungsrate. Die stärkste Frequenz haben wir in München, das sind über eine Million Gäste pro Jahr. Im Durchschnitt liegt unsere Umwandlungsrate ungefähr bei 40 Prozent, aber es kommt auch darauf an, ob man allein oder mit dem Partner kommt. Kleinteilige Sachen werden alleine gekauft, hochwertige Dinge zu zweit, weil dann der Gesamtvorstand des Haushaltes über die Investition entscheidet.

          Ihre Läden finden sich vor allem in großen Städten wie Hamburg oder München. Würde Ihr Konzept auch in Ulm oder Fulda funktionieren?

          Wir wissen, dass es in Metropolen gut funktioniert. Bremen ist ein Versuch in einer kleineren Stadt, und es läuft auch sehr gut, so dass wir gerade darüber nachdenken, noch in weitere kleine Städte zu gehen. Wobei wesentlich für uns ist, ob die Klientel vorhanden ist. Das heißt, es helfen Städte, die eine Universität haben, Städte, die eine gewisse Größe, ein kulturelles Angebot und Kaufkraft haben.

          Wo leben Ihre Online-Kunden?

          So wie alle unsere Kunden im urbanen Umfeld, klassisch gerne im Altbau, gerne im freistehenden Haus.

          Es etablieren sich in Deutschland Parallelgesellschaften. Die einen fühlen sich abgehängt, die anderen wollen unter sich bleiben. Letztere werden sich von Manufactum angesprochen fühlen.

          Das glaube ich nicht. Wir beschreiben Manufactum als Wertegemeinschaft, das verbindet sowohl unsere Lieferanten als auch uns und die Kunden. Es geht um Qualität, Funktion, Nutzen und Produktwertigkeit. Menschen, die solche Dinge schätzen, können soziodemographisch sehr unterschiedlich sein.

          In vielen Ihrer Produkte steckt ein gewisses Nostalgiegefühl. Sind Kunden dafür in den vergangenen Jahren noch einmal empfänglicher geworden?

          Was wir wahrnehmen, ist, dass Haltepunkte in der Welt, die in politischer Hinsicht immer chaotischer und unberechenbarer wird, wichtiger sind. Für die Balance muss es diesen Ausgleich geben. Schauen Sie etwa, wie junge Menschen in Berlin sich jetzt wieder einen Schrebergarten pachten. Mein Lieblingsprodukt bei uns im Sortiment ist eine Brotsäge von Güde, ein großes Messer, das können Sie wie einen Säbel benutzen. Wenn ich damit sonntagmorgens ein Croissant aufschneide und nicht nur Brösel habe, dann finde ich das toll.

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