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Statussymbol der Mobilität : Warum heute alle ihr Gepäck auf Instagram stellen

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Viel zu schleppen, aber immerhin sieht es hübsch aus: Jason Schwartzman, Adrien Brody und Owen Wilson (von links nach rechts) tragen in „Darjeeling Limited“ ihr Erbe in Monogram-Taschen durch Indien. Bild: Picture-Alliance

Früher waren Koffer Statussymbole und groß wie Kleiderschränke. Dann kamen Flugreisen und Gepäckbeschränkungen. Warum der Koffer heute auf Social Media wieder ins Rampenlicht rückt.

          Wenige Koffer blieben so in Erinnerung, wie jener kleine, cognacfarbene Kasten mit den bunten Tierchen und den großen Initialen, den Adrien Brody in der Hand hielt, als er im Film „Darjeeling Limited“ dem gleichnamigen Zug hinterherrannte. Fans des Wes Anderson Roadmovies gierten scharenweise nach der Requisite (ursprünglich ein Einzelstück von Louis Vuitton), sodass ein italienischer Unternehmer sie schließlich für den Verkauf produzieren ließ. Seine Koffer mit Tierchenaufdruck verkauft er heute online unter der Marke „Very Troubled Child“ (noch so eine Wes-Anderson-Anspielung).

          Der Hype ums hübsche Gepäck ist zurück. Lange Jahre wurde der Koffer kaum beachtet, war er doch nur notwendiges, bisweilen lästiges Utensil der Reise. Während das Reisen immer populärer wurde, geriet der kompakte Kasten, der doch eigentlich Fernweh-Symbol ist, immer mehr in den Hintergrund.

          Dabei war das Gepäckstück vor allem in den Anfangsjahren des Tourismus durchaus selbst Objekt der Begierde. Denn als mit der Eisenbahn und den Dampfschiffen Reisen zu einem neuen Statussymbol der Oberschicht wurde, inszenierte man den Luxus auch über diese Accessoires. Auf historischen Fotos im Grand Hotel, im Orient Express, am Schiffshafen, sieht man die Reisenden Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts nicht nur in elegantesten Roben, sondern auch mit wertvollen Reisetruhen.

          Warten auf den Kofferträger: Marlene Dietrich 1951 mit Gepäck von Longchamp

          So etwa Wallis Simpson mit Maßanfertigungen des Hauses Goyard, Audrey Hepburn und Diana Vreeland mit Gepäckstücken von Louis Vuitton, und Autoren wie Agatha Christie, Arthur Conan Doyle oder Ernest Hemingway sogar mit ganzen Schreibtischkoffern, die mit den stapelbaren Truhen die ersten Archetypen des modernen Koffers entwickelten. Damals galt: je größer, desto besser, schließlich war der Gepäckträger noch eine Selbstverständlichkeit.

          Das änderte sich erst als die Luftfahrt populärer wurde. Mit den ersten Gepäckbeschränkungen in den dreißiger Jahren wurde der Koffer wieder kleiner. Die Form, die man heute kennt, erhielt er zunächst in den siebziger Jahren mit dem ersten Patent für Rollen, beantragt von einem amerikanischen Piloten. Der ausziehbare Griff folgte in den neunziger Jahren.

          Mit dem weniger spektakulären Erscheinungsbild wurde er vielleicht auch unbedeutender. Aber nicht nur Wes Andersons Faible für Retro-Optik und die neuerliche Obsession von Prominenten wie den Kardashions, Jenners und Wests für alte Goyard-Truhen, sondern auch mit der Zurschaustellung der eigenen Mobilität in Social-Media-Kanälen wie Instagram bekommt das Mobilitätssymbol  wieder mehr Aufmerksamkeit.

          Status und Luxus werden durch Erfahrungen definiert

          „Wir befinden uns mitten in einer Zeit, in der Status und Luxus nicht mehr durch Besitz, sondern durch Erfahrungen definiert wird – und was man macht, wohin man reist, wie man reist, das alles wird über die sozialen Medien gezeigt,“ sagt Hector Muelas, Kreativdirektor des deutschen Kofferherstellers Rimowa, an dem der französische Luxuskonzern LVMH vor drei Jahren eine Mehrheit kaufte.

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