https://www.faz.net/-hrx-9pkvi

Statussymbol der Mobilität : Warum heute alle ihr Gepäck auf Instagram stellen

  • -Aktualisiert am

Genau das zeigt vielleicht auch der Wandel in der Wahrnehmung von Dingen, die bisher nur als Notwendigkeit gesehen wurden, in Zeiten des digital-sozialen Expressionismus aber als Zeichen der eigenen Mobilität den persönlichen Status aufwerten sollen. Längst hat der neue Großeigentümer den bis dahin zwar teuren, aber eher als standfest denn glamourös geltenden Kofferhersteller zu einer neuen Lifestyle-Marke gemacht. Durch Kollaborationen mit Modelabels wie Dior, Off-White oder Supreme und mit Tech-Unternehmen wie Tesla und Bang&Olufsen bis hin zu Künstlern wie Alex Israel soll auch ein jüngeres, solventes Publikum angesprochen werden.

„Beim Reisen zählt die Interaktion mit dem Gepäck zu den am wenigsten inspirierenden Momenten, aber das ändert sich gerade. Schließlich kann der Koffer zu einer beweglichen Leinwand werden,“ erzählt Rimowa-Kreativdirektor Muelas. Praktisch und beständig, das waren die Anforderungen. Dass der Anspruch an die Ästhetik jeden noch so vernachlässigten Gebrauchsgegenstand erreicht, zeigen die aktuellen Entwicklungen im Bereich von Reise-Accessoires. So hat Samsonite vergangenes Jahr den Luxus-Kofferhersteller Tumi gekauft, der mittlerweile zur am schnellsten wachsenden Marke des Unternehmens geworden ist. Und mit Startups wie Horizn Studios oder Away hat sich auch die junge Gründerszene dem Marktsegment angenommen.

Die Koffer-Startups konzentrieren sich auf Produkte, die sich an Millennial-Kunden richten. Käufer also, die einen Anspruch an Design und Convenience haben und preissensibel sind. Äußerlich heißt das: Die Koffer fügen sich mit ihrem minimalistischen Design in allen möglichen Farbvarianten in den Massen-Geschmack ein und machen auch auf einem Instagram-Foto etwas her. Karlie Kloss ist nur eine unter den Instagram-Multiplikatoren, die Fotos des bunten Gpäcks postete. 

Auch Krimischriftstellerin Agatha Christie (hier mit Blumen bei der Ankunft am Nürnberger Flughafen 1962) reiste nie ohne Gepäck, darunter sogar ein einklappbarer Schreibtischkoffer.

„Seit einigen Jahren posten Influencer nicht nur Fotos ihrer Reiseziele, sondern auch Bilder davon, wie sie reisen, Bilder von Bahnhöfen und Flughäfen – und das eben auch mit ihrem Gepäck,“ bestätigt Jennifer Rubio. Nachdem ihr eigener Koffer am Flughafen zerbrach, gründete sie mit ihrer Partnerin Stephanie Korey 2015 das Koffer-Startup Away, dessen Wert nach nur vier Jahren auf über eine Milliarde Dollar geschätzt wurde.

Und das liegt vielleicht eben nicht nur am Produkt, das günstiger ist als die in Deutschland gefertigten Rimowa-Koffer. Gleichzeitig erfüllen diese Koffer praktische Punkte: Sie sind durch die Hartschalen belastbar, haben die obligatorischen 360°-Rollen und Ausziehgriffe, sind mit Fächern so vorstrukturiert, dass das Packen erleichtert wird und sind mit Reise-Adaptern und Ladebatterie für Smartphones ausgestattet. Obendrein bieten sie die Garantie- und Service-Leistung bekannter Luxushersteller zu einem niedrigeren Preis an.

So viel Eleganz wie die Ledertruhen aus dem Goldenen Zeitalter des Reisens mögen die neuen Mobilitätsträger zwar nicht ausstrahlen, aber sie halten mit dem heutigen Tempo Schritt und sind zumindest als beiläufiges Accessoire doch fotogen genug.

Weitere Themen

Ein Einblick in die Berliner Clubszene Video-Seite öffnen

„Wie eine Droge“ : Ein Einblick in die Berliner Clubszene

Freiraum und Kreativität sind Berlins Markenzeichen. Das zieht Künstler, Musiker und Clubpublikum aus der ganzen Welt an. Doch die Szene ist im Wandel. Der angesagte Club Griessmuehle und Techno-DJ DVS1 versuchen, die Clubkultur zu retten.

Unter fremdem Etikett

Marke und Produkt : Unter fremdem Etikett

Als Marke versteht sich heute alles und jeder. So werden auch aus Textilunternehmen, die ehemals nur Luxushäuser beliefert haben, eigenständige Labels. Über Namen, die weniger bekannt sind als ihre Produkte.

Wer hat Angst vorm bösen Wolf?

Geschmackssache : Wer hat Angst vorm bösen Wolf?

Zumindest im Freiburger Restaurant „Wolfshöhle“ muss sich niemand fürchten, denn dort kocht Sascha Weiß eine Spitzenküche von schnörkelloser Unkompliziertheit, die manchmal aber an ihre Grenzen stößt.

Topmeldungen

Donald Trump, Präsident der Vereinigten Staaten, spricht bei einer Wahlkampfkundgebung im Lake Charles Civic Center.

Amerika : Vereinzelte Republikaner wenden sich gegen Trump

Einzelne Republikaner erwägen, ein Amtsenthebungsverfahren gegen Donald Trump zu unterstützen. Die Mehrheit steht nach wie vor hinter ihrem Präsidenten und will das auch mit einer offiziellen Abstimmung bestätigen.
Der britische Premierminister Boris Johnson steht beim EU-Gipfel in Brüssel im Zentrum.

Europäische Union : Britisches Parlament stimmt über Brexit-Vertrag ab

Stimmt das britische Unterhaus heute für den Vertrag, den Premierminister Boris Johnson mit der EU ausgehandelt hat, wird Großbritannien am 31. Oktober aus der Europäischen Union austreten. EU-Kommissar Günther Oettinger schließt weitere Verhandlungen aus, sollte es nicht zu einer Einigung kommen.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.