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Inneneinrichtung : „Wir gehen weg vom kühlen Design“

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„Stoffe und Polster vermitteln einen Eindruck von Behaglichkeit“, sagt Douglas Helkenn. Bild: D'Asign Source

Der amerikanische Innenarchitekt Douglas Helkenn spricht über ledergepolsterte Betten, dicke Teppiche, Zen-Zonen im Haus und amerikanischen Einrichtungsstil.

          Herr Helkenn, wie sieht Ihr Traumhaus von innen aus?

          Ich habe ein Faible für Stoffe und Polster. Sie vermitteln den Eindruck von Behaglichkeit, fangen Geräusche auf und lassen mich zur Ruhe kommen. Das hört sich ein bisschen altbacken an, muss es aber nicht sein. In meinem Wohnzimmer steht eine traditionelle Polstercouch, die ich mit einem limettenfarbenen Teppich kombiniert habe. Dazu kommen Bilder, Tische und Lampen unterschiedlicher Stilrichtungen. Die einzelnen Stücke müssen etwas haben, das mich anspricht. Ich nenne es den „kuratierten Look“.

          Durchorchestrierte postmoderne Interieurs in neutralen Farben mit Möbeln aus Stahl, Glas und Plastik reizen Sie also nicht?

          Wir erleben in den Vereinigten Staaten gerade einen Trend weg von kühlen Designs. Die Leute wollen ihr Zuhause wieder gemütlich gestalten: mit dicken Teppichen, Vorhängen und gepolsterten Bettgestellen. Das hat vermutlich damit zu tun, dass sich die Arbeitstage vieler Amerikaner immer weiter in die Länge ziehen und Urlaube kürzer werden. Wenn ein gestresster Manager abends nach Hause kommt, möchte er entspannen und sich wohlfühlen.

          Aber wie kommt ein Manager zur Ruhe, wenn neben ihm Smartphone und Laptop liegen?

          Auch das Problem der ständigen Erreichbarkeit lässt sich innenarchitektonisch lösen. Immer häufiger fragen Kunden, ob wir einen Teil des Hauses als technikfreien Raum einrichten, als eine Art Zen-Zone. Das kann eine Nische oder Ecke sein, manchmal ein ganzer Raum. Ideal ist natürlich, wenn diese Zone sich durch ein Fenster oder eine Tür in die Natur öffnet, um die Gedanken schweifen zu lassen.

          In seiner Wahlheimat Florida versucht Douglas Helkenn, auch Palmen und Ozean ins Haus zu holen.

          Sie richten viele Häuser in Florida ein, dem „Sunshine State“. In den meisten Regionen des Bundesstaates scheint an mindestens 230 Tagen des Jahres die Sonne, das Klima ist subtropisch oder tropisch. Was bedeutet das für einen Innenarchitekten?

          Die meisten unserer Kunden möchten möglichst viel blauen Himmel sehen. Die Grenze zwischen dem Inneren des Hauses und der Umgebung verwischt, die Wände verschwinden. Wenn Sie die Schiebetür zu einer Terrasse öffnen, wird das Wohnzimmer gleich um ein paar Hundert Quadratmeter größer. Wir müssen daher den Garten in die Planungen einbeziehen. Bei Wassergrundstücken in den Florida Keys, wo unser Unternehmen D'Asign Source besonders viele Häuser ausstattet, gehört auch der Blick auf Atlantik oder Golf von Mexiko dazu.

          Gibt es in Amerika regionale Unterschiede, wenn es um Geschmack und Design geht?

          Als ich vor 30 Jahren anfing, als Interior-Designer zu arbeiten, wohnte man in Chicago anders als in Los Angeles oder Miami. Heute verschwinden die Unterschiede zunehmend. In vielen Großstädten werden Fabrikgebäude zu Lofts umgebaut. Den Mix aus Industrielook und moderner Einrichtung, der dabei in der Regel herauskommt, findet man inzwischen überall in Amerika, selbst im traditionellen Mittleren Westen.

          Es ist vermutlich nicht ganz einfach, mit Menschen, die man kaum kennt, ihren privaten Lebensbereich zu gestalten. Welche Eigenschaften machen einen guten Innenarchitekten aus?

          Geduld, mathematische Fähigkeiten und ein Auge für Kleinigkeiten. Der Teufel steckt im Detail, gerade bei der Einrichtung.

          Das Schlafzimmer ist der Lieblingsort des Innenarchitekten.

          Fällt Ihnen ein Projekt ein, das Ihnen besonders viel Spaß gemacht hat?

          Einer meiner Kunden war es leid, dass seine drei Hunde nach Strandspaziergängen immer Sand ins Haus schleppten. Wir entwarfen einen Duschraum, der nur für die Hunde eingerichtet wurde - mit einer Stufe unter der Brause, um die Hunde ohne Bücken unter das Wasser stellen zu können, einer Fressstation und Waschmaschine samt Trockner für die Handtücher. Der Boden wurde mit Travertin ausgelegt, für die Wände haben wir Kacheln mit Hundemotiven verbaut. Ich habe den Raum mit so viel Details entworfen, wie ich ihn auch für meinen Chihuahua Oliver eingerichtet hätte.

          Haben viele Ihrer Kunden ausgefallene Wünsche?

          Nein, eigentlich nicht. Die meisten Kunden von D'Asign Source sind erfolgreiche Geschäftsleute aus Neuengland, Kalifornien und Europa, die nach Florida kommen, um die Sonne zu genießen. Die Einrichtung ihres Zweit- oder Dritthauses orientiert sich am British West Indies Style mit viel dunklem Holz wie Mango und Mahagoni sowie hellen Wänden. Während des Designprozesses experimentieren einige auch mit extravaganteren Ideen. Nach meiner Erfahrung kehren mindestens 90 Prozent aber wieder zu ihrer ursprünglichen Vorstellung zurück.

          Amerikanische Häuser sind recht großzügig angelegt. Neben Schlafräumen, Bädern, Küche und Wohnzimmer bieten sie oft auch Bibliotheken, Frühstückszimmer und einen „family room“. Welchen Bereich richten Sie besonders gern ein?

          Das Wohnzimmer, schon wegen der Möglichkeit, Stoffe und Polster zu verarbeiten. Dazu kommt, dass der „living room“ der Ort ist, an dem Menschen zusammenkommen. Hier unterhalten sie sich, hören Musik, lesen, sehen fern oder treffen sich zu einem Spieleabend. Ein Innenarchitekt muss den Raum so gestalten, dass er optimal für die unterschiedlichen Aktivitäten geeignet ist - durch seine Funktion, aber auch durch Ambiente und Materialien.

          Wo halten Sie sich in Ihrem Haus am liebsten auf?

          In meinem Schlafzimmer. Mein Rückzugsort ohne Fernseher, Smartphone oder Computer. Der dicke Teppichboden verschluckt jeden Schritt, das Bett habe ich maßfertigen und mit Leder polstern lassen. Das Schönste ist aber der Blick ins Grüne - vor meinem Schlafzimmer erstreckt sich ein Golfplatz, über meinem Kopf ein Dach aus Palmenwedeln.

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