https://www.faz.net/-hrx-8n1kf

Berliner Altbau : Eine Wohnung als Gesamtkunstwerk

Die Ansorgs fanden schließlich eine Wohnung, die ihren Vorstellungen entsprach - einen Jahrhundertwendebau von typisch Berliner Zuschnitt. Das heißt: mit großen Räumen zur Straße hin und dem sogenannten Berliner Zimmer, das wie ein Scharnier das Vorderhaus mit dem Seitenflügel verbindet. Und mit reichlich Platz.

Ursprünglich war das Mehrfamilienhaus genauso reich verziert wie die Nachbarbauten. Doch Pfusch am Bau ist nicht nur ein Phänomen der Nachkriegszeit. Schon in den zwanziger Jahren löste sich Stuck, und Puttenteile fielen auf die Straße. Passanten riefen die Baupolizei, und der damalige Besitzer beschloss, das vor der Zeit müde gewordene Material abzutragen, um dem Haus eine unkomplizierte und für Passanten ungefährliche Putzfassade zu verpassen.

Auf der Jagd nach dem Exklusiven

Nur zweimal wechselte das Gebäude den Besitzer. Nach dem Ersten Weltkrieg teilte der neue Eigentümer die weitläufigen Etagenwohnungen in kleinere Einheiten auf. Nur bei drei Wohnungen blieben die Grundrisse unverändert. Eine davon kauften die Ansorgs. „Ein Riesenglück!“

Gut ein Jahr dauerten der Umbau und die Sanierung der Wohnung, in der nichts, aber auch wirklich gar nichts dem Zufall überlassen wurde. Gisbert Pöppler ist ein Mann für solche Fälle. Er ist in Deutschland und im Ausland immer auf der Jagd nach dem Besonderen, dem Exklusiven, ob es um Stoffe oder Bodenbeläge, Leuchten oder Armaturen geht. Die Ansorgs und der Interior-Designer hatten sich über einen Galeristen kennengelernt, dessen Wohnung, die in der Nachbarschaft liegt, der Berliner Architekt ebenfalls gestaltet hatte. Für seine neuen Bauherren war er zunächst in deren Mietwohnung im Einsatz: Lichtplanung, Farbkonzept, Garderobenentwurf, Küche und Fußboden. „Ein paar Kleinigkeiten als Aufwärmübung“, sagt Pöppler. Und das ist kein Scherz.

Im neuen Zuhause seiner Auftraggeber ging es um mehr als Oberflächen, auch wenn deren Opulenz alles andere leicht vergessen macht. Die Ansorgs hatten zwei wesentliche Anforderungen an ihre Wohnung: Erstens sollte ein Großteil ihrer Kunstsammlung hier Platz finden. Und zweitens mussten die privaten von den eher öffentlichen Räumen getrennt sein - Karl-Ulrich Ansorg verlegte nach dem Umzug auch sein Büro an die neue Adresse.

Komplett-Sanierung war nötig

So entstand im entlegensten Winkel der Wohnung das Masterbad, an einer Stelle, die nie dafür vorgesehen war. Der Einbau tangierte die gesamte Abwasserleitung des Seitentrakts, weshalb alle anderen Parteien der Umbaumaßnahme zustimmen mussten. „So etwas ist kein Kinderspiel“, sagt Pöppler. Außerdem mussten alle Leitungen hinter Putz verschwinden, Wände wurden aufgedoppelt, Fernseher bündig in die Wand eingepasst. Holzpaneele wurden als Verkleidung angefertigt und von Hand lackiert, am Schallschutz wurde gefeilt, und die alten Stuckdecken wurden aufwendig saniert. Das vom Schwamm befallene Parkett war ein schwerer Sanierungsfall.

Eine Herausforderung war auch der Einbau des roten Garderobenschranks am Eingang. Damit er seine Rolle überhaupt erfüllen kann, ohne sich zu breit zu machen, wurde eine tragende Wand geöffnet und in die Tiefe gebaut. Überhaupt scheuten Bauherren und Inneneinrichter bei Mobiliar und Ausstattung keinen Aufwand. Man reiste gemeinsam zur Möbelmesse nach Mailand und nach Süditalien, wo ein kleines Unternehmen Fliesen mit Lavasteinglasur herstellt, die man nicht an jeder Ecke bekommt. Und schon gar nicht mit einem Klick im Internet.

Weitere Themen

Purer Wohnsinn

Vitra Design Museum : Purer Wohnsinn

Früher war mehr Lebensprojekt: Das Vitra Design Museum in Weil am Rhein widmet sich der Wohnkultur: Eine Reise durch hundert Jahre „Home Stories“.

Topmeldungen

Blick in den Handelssaal der Frankfurter Börse.

Angst vor dem Virus : Breiter Kursverfall an den Weltbörsen

Das Coronavirus infiziert immer mehr Menschen außerhalb Chinas. Die Sorgen vor dem Virus haben schon 3 Billionen Euro Börsenwert vernichtet. Ein Ende ist nicht in Sicht.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.