https://www.faz.net/-hrx-7oqro

Anbau : Häuschen, streck dich!

  • -Aktualisiert am

Fast wie ein Wintergarten, nur wohnlicher ist die klassische Variante. Bild: Andrew Alberts

Mehr Platz für Kinder, Wohnzimmer, Homeoffice: Gründe für einen Anbau gibt es viele. Im besten Falle erweitert man damit sein Haus nicht nur, sondern erfindet es gleich neu.

          Was für eine schöne Vision: das Haus, das mitwächst. Wenn zum Beispiel eine Familie größer wird - und dementsprechend mehr Kinderzimmer braucht. Oder wenn die Bewohner durch veränderte Bedürfnisse oder Hobbys einfach mehr Platz benötigen, zum Beispiel einen Raum, um das Schlagzeug des Teenagers unterzubringen. Oder die Schreibtische der Eltern, weil sie nun mehr daheim arbeiten. Manchmal klappt dieses Ziehharmonika-Prinzip wirklich, das Haus lässt sich geschickt anpassen, und den Bewohnern bleibt ein Umzug erspart.

          Um es gleich zu sagen, eine Kleinigkeit ist ein Anbau nicht. Anders als ein angedockter Wintergarten muss er schließlich das ganze Jahr über bewohnbar und beheizbar sein. Das geht auf die exzentrisch-mutige Weise, klassisch und gläsern oder nach dem Motto quadratisch, hölzern, gut.

          Die Radikalkur

          Die zusätzlichen Quadratmeter, die sich mit einem Anbau gewinnen lassen, können bisweilen sogar über ein ganzes Hausschicksal entscheiden. Bei vielen einfachen Wohnhäusern, zumal kleinen Siedlungsbauten oder Bungalows der Nachkriegszeit, ist nämlich in Frage, ob sie überhaupt erhalten werden oder ob nicht doch eher die Abrissbirne bestellt wird.

          Die Überlebenschance eines solchen Altbaus steigt mit den Möglichkeiten, ihn zu erweitern. Geschickt verändert, können sich selbst graue Mäuse unter den Siedlungsbauten zu echten Hinguckern verwandeln. „Die Idee, ein Haus weiterzubauen, hat einen großen Reiz und ist oft die viel wirtschaftlichere Lösung“, sagt Hannelore Kaup, eine Architektin, die große Stücke auf das Prinzip der Wiederverwendung hält.

          Die Berliner Planerin versucht, wo es irgend geht, Altes und Neues zu verbinden. Jüngst hat sie eine Bauherrenfamilie im Berliner Stadtteil Lichterfelde davon überzeugt, dem Sechziger-Jahre-Bau, den diese gerade erworben hatte, eine zweite Chance zu geben. Auch wenn er überkommen und marode wirkte. Der Wert lag für Hannelore Kaup im Erhalt und einem gleichzeitigen radikalen Neustart auf dem lauschigen Grundstück.

          Von unscheinbaren Bungalow zur Wohnskulptur

          Den weißen Bungalow mit seinem flachen Satteldach aus Ziegeln gibt es also noch, heute rückt ihm aber viel moderner Sichtbeton sehr nahe. Helle, gemaserte Flächen nehmen ihn in die Zange. Einmal gibt es eine Wohnzimmer-Extension aus Beton, direkt aus der Hauswand heraus gefaltet, und dann ist da noch ein eigenständiger, zweigeschossiger Anbauwürfel, den die Planerin Kaup an die Stirnseite des Ursprungshauses heften oder - wie sie sagt - „anleimen“ ließ. Die Bauherren, die sehr designbedacht sind, begrüßten den eigenwilligen Vorschlag und den starken Kontrast.

          Im Inneren des Hauses gibt es diesen Aufeinanderprall der Stile dagegen nicht. Nach all ihren Erfahrungen mit Hauserweiterungen schwört die Architektin Kaup dort auf fließende Übergänge, man soll den Wechsel von den alten zu den neu angebauten Gebäudeteilen kaum wahrnehmen. So wurde das mehr als fünfzig Jahre alte Mosaikparkett im Wohnzimmer belassen, im Anbau eigens nachgebaut und ergänzt. Ein deckenhohes Holzeinbauregal ist noch da, die stabförmigen Heizkörperverkleidungen ebenso. Die Reminiszenzen, ein Hauch vom Alten, sind gewollt. „Aber die Enge ist aufgelöst“, sagt Planerin Kaup, und das heißt: Ziel erreicht.

          Weitere Themen

          Ist das die Zukunft der Oper? Video-Seite öffnen

          „Figaros Hochzeit“ in 360° : Ist das die Zukunft der Oper?

          Ein Mozart für Morgen: Nicht mehr bloß zuhören, zuschauen, sondern mittendrin sein im Geschehen und in der Musik? Jan Schmidt-Garre inszeniert „Figaros Hochzeit“ für die 360-Grad-Kamera – und damit für eine Oper, die man so noch nie gesehen hat.

          Topmeldungen

          Es bleibt ein Rätsel, woher May die politische Kraft nehmen will, das Land wieder zu befrieden.

          May nach dem Misstrauensvotum : Das kleinste Übel

          Theresa May ist unfähig, eine – zugegeben – schwierige Situation zu meistern. Aber ihr steht keine organisierte und regierungsfähige Opposition gegenüber. So darf die Premierministerin also weitermachen. Ein Kommentar.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.