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Stararchitekt Charles Jencks : Mehr ist anders

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Alles begann mit einem Schwimmteich

Vor fast 30 Jahren hatten Jencks und seine Frau Maggie Keswick begonnen, den Garten ihrer Mutter hier im Südwesten Schottlands umzugestalten. Alles begann mit einem Schwimmteich für die Kinder, für den sie ein sumpfiges Stück Land ausbaggern ließen. Er sollte sich in die bestehende Landschaft einfügen und Grundlage für das Design des Gartens werden. Maggie Keswick war Expertin für chinesische Kunst und Geomantie. So entstand schließlich das Bild eines Drachens aus den Wellenformen von Land und Erdhügeln - und der Grundgedanke, eine Landschaft aus Wellen zu erschaffen, der den Garten bis heute bestimmt.

Die Theorie, die Jencks vertritt, heißt „more is different“, mehr ist anders. Bilderstrecke

Die erste große Landform war der Schneckenhügel mit einer Doppelhelix. Die Doppelhelix repräsentiert die DNA, ist aber auch eine Reminiszenz an das Treppenhaus im französischen Chambord, das König Franz I. bauen ließ, um unliebsamen Gästen ungesehen entkommen zu können. Gleichzeitig ist er aber auch ein Aussichtspunkt für den Garten. Durch das Hinaufsteigen auf dem einen, dem Hinabsteigen auf dem anderen Weg ist die Form der Doppelhelix erfahrbar. „Die Menschen fühlen, ehe sie denken, gerade im Garten“, sagt Jencks. „Daher lag Descartes falsch. ,Ich denke, also bin ich‘, stimmt nicht, das wissen wir heute: Ich fühle, daher denke ich, daher bin ich.“

Doch forderten die Menschen auch, dass ein Garten nicht nur schön sei, sondern auch voller Sinn. Jeder finde eigene Interpretationen - siehe Thatcher-Porträt. „Das ist wie ein Aphrodisiakum im Garten. Der Drang zu wissen, zu verstehen, zu entdecken, den Berg hinaufzugehen ist stark.“ Manchmal sei es besser, nicht zu viel zu wissen, denn das störe den Genuss. „Aber alles Genießen großer Kunst endet mit Bedeutung oder der Erfahrung von Bedeutung.“

Das Vermächtnis der „Maggie’s Centres“

Viel Hilfestellung beim Dechiffrieren seiner Systeme, etwa in Form von Informationen, gibt Jencks nicht. Wer mehr wissen will, befragt Alistair Clark, den Hauptgärtner, oder liest das Buch, das der Architekt über seinen Garten verfasst hat. Immerhin ist dies kein öffentlicher Raum. Wer am Tag der offenen Gärten Schottlands in der Gegend ist, kann vorbeischauen. Alle anderen müssen einen Brief an Jencks schreiben, mit etwas Geduld und Glück kommt es dann zu einem Besichtigungstermin, den Alistair Clark vermittelt - Herr über den Garten, wenn Jencks nicht in Schottland ist.

Maggie Keswick bekam nur die Anfänge der Kosmischen Spekulationen mit. Sie starb 1995 an den Folgen einer Krebserkrankung und hinterließ unter anderem das Vermächtnis der „Maggie’s Centres“ in Großbritannien - Beratungsstellen für Menschen, die eine Krebsdiagnose erhalten haben. Die Frau an Charles Jencks’ Seite und Gegenüber beim Austausch in der Gartengestaltung ist seit einem Jahrzehnt Louisa Lane Fox.

Jencks spielt mit wissenschaftlichen Theorien und Vorstellungen auf verschiedenen Ebenen. Mal macht er sie durch Landformen begehbar, dann wieder setzt er sie in Skulpturen um, etwa im DNA-Garten. Kernstück ist die „Universe Cascade“, die, einer weißen Treppe gleich, die Entwicklung unseres Universums darstellt: vom Quantenschaum vor rund 13 Milliarden Jahren, den ein moderiges Gewässers repräsentiert, über etliche Stufen und fünfundzwanzig Absätze hin nach oben zur Gegenwart - auf Höhe des Wohnhauses. Für Besucher ist sie nur als architektonisches Element zu erkennen. Betreten werden darf die Treppe nicht, erklärt Alistair Clark, denn sonst müssten Geländer angebracht werden, was wiederum dem Kunstwerk abträglich wäre.

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