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Ikea : Billy muss sich bessern

„Demokratisches Design“ ist ein sympathisches Angebot, das bisweilen seinen Preis hat. Bild: Inter Ikea Systems BV

Ikea – das ist der omnipräsente Raumausstatter, der Design für alle bietet. Ikea ist aber auch ein undurchschaubares Unternehmen, das für wacklige Möbel und fragwürdige Produktionsbedingungen steht. Das soll sich ändern.

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          Atemberaubend! Nein, darunter macht es Marcus Engman nicht, wenn er von „Knopparp“ spricht. Engman, in blau-weiß geringeltem T-Shirt und dunkelgrauen Chino-Hosen, ist Ikeas Designchef und „Knopparp“ ein schlichter Zweisitzer mit fröhlich-gelbem Steppbezug aus der jüngsten Kollektion des Einrichtungshauses. Dass man auf der Couch doch eher sitzt, als habe man einen Besen verschluckt, dämpft Engmans demonstrativen Enthusiasmus nicht. „Knopparp“, sagt er, sei das, was sie bei Ikea ganz bescheiden „BTI“ - Breath Taking Item - nennen. Ein atemberaubendes Produkt.

          Birgit Ochs

          Verantwortliche Redakteurin für „Wohnen“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Er könnte auch weniger pathetisch formulieren: ein Musterbeispiel für Ikeas demokratisches Design. Mit einer Breite von nur 119 Zentimetern passt „Knopparp“ auch in sehr, sehr kleine Wohnungen. „Die meisten von uns haben schließlich wenig Platz“, sagt der Designchef. Zu haben ist das Möbel für 69 Euro. „Und das kann sich fast jeder leisten“, meint er.

          Bezahlbarer Schick, klapprige Schubladen

          Funktional, gut designt und preiswert - mit unspektakulären Möbeln wie dem Winzsofa ist Ikea zum omnipräsenten Raumausstatter geworden. In 26 Ländern verkauft die Haushaltsmöbelmarke ihre Waren - und an jedem neuen Markt kommt es erst einmal zur kuschelig-sanften Revolution in den heimischen Wohn- und Schlafzimmern, weil die Masse der Menschen endlich nicht mehr nur die Wahl zwischen bieder oder unbezahlbar hat. 700 Millionen Kunden strömen jährlich in die Möbelhäuser des Einrichtungsriesen. Der kokettiert damit, angesichts einer Weltbevölkerung von mehr als 7 Milliarden bisher doch nur ein Zwerg zu sein.

          Auch auf der Produktseite ist nach Ansicht von Ikea mehr drin als das, wofür die hauseigene Möbeldemokratie bisher bekannt ist. Denn Ikea steht nicht nur für bezahlbaren Schick, sondern auch für klapprige Schubladen, lockere Stuhlbeine, Wegwerfmentalität und Ideenklau. So erinnert ausgerechnet Engmans „BTI“ „Knopparp“ an das Sofa „Ruche“ das die französische Designerin Inga Sempé für Ligne Roset entworfen hat. Und beschwört Engman die gute Haltbarkeit der Möbel, denkt man an Stuhl „Sigurd“ in der heimischen Küche, der immer eine Schraube locker hat, oder an das romantische Kinderbett „Minnen“ und dessen erst neulich durchgebrochenes Stahlgestell.

          Mit solchen Assoziationen soll Schluss sein. Deshalb hat Ikea einige seiner Verkaufsschlager aufgemöbelt. Auch Kultregal „Billy“ muss sich bessern und kommt in Deutschland von Juli an mit verstärkten Brettern in die Verkaufsregale. Denn zu Ikeas demokratischem Design der Zukunft sollen auch Qualität und Nachhaltigkeit gehören. Ein robuster Typ wie „Knopparp“ verkörpert für Engman deshalb perfekt die neue Möbelgeneration.

          Zurück zu den Wurzeln, um sich neu zu erfinden

          Der 48 Jahre alte Schwede war früher einmal Marketingmanager von Ikea Schweden. Seit zwei Jahren ist er Kopf des Designteams und findet, dass die Zeit reif ist, neben der angeblichen Qualitätsoffensive ein paar neue Botschaften in die Welt zu tragen. So hat er vergangene Woche in Älmhult den ersten „Democratic Design Day“ der Unternehmensgeschichte ausrufen lassen - und Medienvertreter aus aller Welt eingeladen.

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